Alser-On-Tour

Viel Verkehr in Indien und viel Ruhe in Nepals Natur

01.10.-07.10.2012 Der tägliche Wahn auf Indiens Straßen ist entnervend, den Ausgleich finden wir in der Ruhe des Bardia Nationalparks in Nepal


Je länger wir bleiben, desto weniger können wir dem lauten, dreckigen, und überfüllten Indien viel Positives abgewinnen. Der überall herumliegende Müll und der Wahnsinn im Straßenverkehr verderben den Spaß an diesem Land, welches doch so viel an Natur zu bieten hat. Man kann den Blick kaum von der Straße nehmen, weil diese in keinem guten Zustand ist und man zudem permanent auf die anderen Verkehrsteilnehmer achten muss. Die Inder überholen in sämtlichen Situationen, egal ob vor einer nicht einsehbaren Kurve oder bei Gegenverkehr, egal ob schnell oder langsam.

Wenn man einen Bus überholt, dann muss man aufpassen, dass man nichts von dem Abfall abbekommt, den die Inder aus den Fenstern schmeißen. Es ist jedoch nicht nur der Plastikmüll… Einmal erleben wir, dass kurz vor unserem Überholvorgang ein junger Mann den Kopf aus dem Busfenster steckt und ausgiebig auf die Straße kotzt. Der verträgt wohl Busfahrten nicht.

So entscheiden wir uns für den direkten Weg Richtung Nepal auf den Nationalstraßen mit Übernachtungsstopps in Shimla und Rishikesh (hier treffen wir auf den heiligen Fluss Ganges).


Zwischen Nahan und Shimla werden wir während unserer Mittagspause Zeuge einer Hindu Beerdigung. Am Flussufer gegenüber einem kleinen Tempel werden Äste und Sträucher zusammengesammelt und aufgeschichtet. Die in Tüchern verhüllte Leiche wird auf die erste Schicht gelegt und anschließend mit weiteren schweren Ästen zugedeckt. Auch die Matratze des Totenbettes wird an den Holzstapel gelegt, der schließlich mittels einer Fackel angezündet wird. Diese Einäscherung wird von einer recht großen Gruppe begleitet, die interessanterweise ausschließlich aus Männern besteht.

 

Ein weiteres Erlebnis, wenn auch ganz anderer Art, ist ein indischer Bahnübergang bei geschlossenen Schranken. Der normale Ablauf sehe so aus, dass die Fahrzeuge hintereinander aufgereiht auf ihrer Fahrspur abwarten, dass die Schranken sich wieder öffnen. Nicht so in Indien. Die größeren Fahrzeuge wie Autos, Busse und LKWs stehen zwar auf ihrer Spur, aber vorne an der Schranke reihen sich die übrigen Verkehrsteilnehmer wie Mofas, Fahrradgespanne, oder Rikschas NEBENEINANDER auf, verteilt über beide Fahrspuren. Es ist ein Gedrängel, Gehupe und Gewühle um den besten Platz ganz vorne. Die meisten warten gar nicht ab, sondern tauchen unter der Schranke hindurch. Wir haben es bei vier Bahnübergängen erlebt, dass wir eine Wartezeit von 10-20min hatten – da ist es schon verständlich, dass die Fußgänger, Rad- und Mofafahrer die Gleise trotzdem überqueren.

Ist der Zug – meistens auch zwei – dann endlich durchgefahren, geht das Chaos erst richtig los. Ohne Rücksicht auf Verluste oder Vorfahrtrechte der Gegenspur stürzen sich alle auf die Gleise. Jeder will der erste sein, keiner wartet ab und so dauert es mindestens genauso lange wie die Wartezeit vor der Schranke, dass sich der Knoten der Fahrzeuge wieder entwirrt hat. Völlig irrsinnig! Wie sagten schon unsere Reisefreunde Ulrike und Kai bei ihrer Indiendurchquerung vor 9 Jahren so treffend: Indien könnte so schön sein, wenn nicht die Inder wären. Dem können wir uns zweifelsohne nur anschließen!

 

Am späten Nachmittag des 05.10.2012 erreichen wir schließlich die Grenze nach Nepal. Die Formalitäten sind auf beiden Seiten problemlos und binnen einer Stunde erledigt. Im Grenzort Mahanandragar steuern wir das Hotel Opera an und verschaffen uns die erste Orientierung in diesem 38. Land unserer Reise. Für wenig Geld und Aufwand besorgen wir uns am anderen Morgen eine SIM Karte für das Handy. Auf dem Antrag muss man sowohl seine Fingerabdrücke abgeben, als auch die Namen von Vater und Großvater angeben :-)

Der Straßenverkehr in Nepal ist deutlich ruhiger und stressfreier, was für eine angenehme Erfahrung. Der Fahrstil ist zwar ähnlich dem der Inder, aber es gibt deutlich weniger LKW und Autos. Die Menschen bewegen sich hauptsächlich mit Mofas und Fahrrädern vorwärts oder fahren mit dem Bus. Als wir das erste Mal tanken, wird uns auch der Grund bewusst. Der Liter Benzin kostet umgerechnet 1,15EUR – bei einem Durchschnittseinkommen von ca. 500EUR pro Jahr (!) ist es ein echter Luxus, einen Autotank aufzufüllen.

 

Wir steuern den Bardia Nationalpark an und quartieren uns für drei Nächte in einer einfachen aber gemütlichen Unterkunft nahe der Siedlung Thakurdwara ein. Am ersten Tag starten wir, gemeinsam mit zwei Rangern und zwei französischen Touristen, morgens um 8 Uhr zu einem Tagesmarsch durch den Dschungel. Die Geräusche im Busch sind faszinierend; überall zirpt, piept und kreischt es. Über uns in den hohen Bäumen rascheln die Affen bei ihren Sprüngen von Ast zu Ast, vor und neben uns huschen Rehe und Hirsche durch das Gebüsch. Wir waten durch Flüsse und streifen durch meterhohes Gras. Die Monsunzeit ist inzwischen vorbei und der Wasserpegel der Gewässer sinkt. Als wir an einem Flusslauf entlang gehen, entdecken wir in der Ferne zwei Nashörner im Wasser. Wir pirschen uns näher und können die beiden eine ganze Weile beim Planschen beobachten, ehe sie aus dem Fluss in den Busch verschwinden. Gut, dass Nashörner nicht weit gucken können und uns nicht sehen :-)

 

Im Nationalpark gibt es auch einige Dutzend Tiger. Einen solchen zu erblicken wäre ein echtes Highlight, leider verstecken sich die Großkatzen aber heute vor uns. Schade. Aber es ist auch so ein spannender Tag im Dschungel und wir kehren nach 10 Stunden mit vielen schönen Eindrücken zurück. Den nächsten Tag verbringen wir mit einigen administrativen Tätigkeiten und genießen noch einmal die Dschungelatmosphäre, ehe wir unseren Weg ostwärts durch Nepal fortsetzen.

 

Zu den Fotos geht es hier: Der Weg nach Nepal

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