Alser-On-Tour

Wir müssen uns an das Reisen ohne Mopeds gewöhnen

07.01.-13.01.2013 Unterwegs im Land von Ho-Chi-Minh: zwischen Mekong-Delta und Rotem Fluss


So sehr wir die Zeit der Entspannung und des vielen Nichts-Tuns auf Koh Phangan genießen, es wird Zeit wieder auf Tour zu gehen. Unser Ziel: Vietnam

Fahrzeuge mit ausländischem Kennzeichen sind gar nicht bzw. nur unter schweren bürokratischen Anstrengungen ins Land zu bekommen. Deshalb haben wir uns die Vietnamreise für die Zeit aufgehoben, in der unsere Mopeds auf dem Seeweg nach Neuseeland sind.

Vietnam blickt auf eine über 4000jährige Geschichte, man bringt es aber hauptsächlich mit Krieg in Verbindung, der das Land in den 1960er und 1970er Jahren als Teil eines über 30 Jahre andauernden Konfliktes in der Indochina-Region erschüttert hat. 

Unsere erste Station ist Saigon, das seit 1975 offiziell Ho-Chi-Minh-City heißt. Früher der Sitz der pro-westlichen südvietnamesischen Regierung, ist Saigon (der Name ist nach wie vor bei den Einheimischen gebräuchlich) heute eine moderne, pulsierende Metropole mit ca. 10mio Einwohnern, sowie gut 5mio. Mofas und Rollern! Der Verkehr ist chaotisch, aber das sind wir ja schon lange gewöhnt. Leider hat sich auch hier die Unart des permanenten Hupens durchgesetzt, wir fühlen uns ungut an Indien erinnert. Es wird gedrängelt und keine Rücksicht genommen, wenn nötig auch über Fußwege gefahren – als ob sie alle in unglaublicher Eile unterwegs wären. Wir erkunden die Stadt zu Fuß und können uns daher gut an den Verkehrswahn anpassen. Bei unserem Spaziergang durch Saigon besichtigen wir – leider nur von außen – die um 1880 errichtete Kirche Notre-Dame, das gegenüberliegende Hauptpostamt aus der gleichen Bauepoche und statten dem Wiedervereinigungspalast einen Besuch ab. Die Innenausstattung ist noch die gleiche wie seit der Fertigstellung vor gut 45 Jahren, man kommt sich wie in einer kleinen Zeitreise vor.

Mittags besichtigen wir das „Museum of War Remnants“ (Kriegsopfermuseum), das Waffen, Kriegsgeräte und viele Fotos ausstellt. Die Bilder zeigen ungeschönt die brutale Wahrheit (wenn auch nur aus Sicht der kommunistischen Sieger), es fehlen in unseren Augen jedoch einige erklärende Hintergrundinformationen. Zudem finden die verübten Gräueltaten der Vietcong an der südvietnamesischen Zivilbevölkerung keine Erwähnung.

Am nächsten Tag schließen wir uns einer Gruppentour an und unternehmen einen ganztägigen Ausflug zu den Cu-Chi-Tunneln, eineinhalb Fahrstunden nordwestlich von Saigon. In diesem verzweigten Tunnelsystem versteckte sich zu Kriegszeiten der Vietcong, um Waffen, Vorräte und Menschen zu verstecken und zu schützen. Ähnlich wie in den Höhlen von Vieng Xai in Nordostlaos, die wir vor einigen Wochen besichtigten, entstanden unter der Erde ganze Siedlungen mit der wichtigsten Infrastruktur wie Schulen, Wohnräumen und Büros. Die Tunneleingänge waren bzw. sind sehr gut mit Pflanzenbewuchs getarnte Klapptüren.

Auf dem Weg zu den Tunneln haben wir den Cao-Dai Tempel besucht. Der Caodismus ist die drittstärkste Religion in Vietnam und ist so etwas wie die perfekte Ökumene: sie vereint verschiedene religiöse Richtungen in sich. Der Tempel ist unglaublich bunt gestaltet, da sich hier die unterschiedlichen Religionen wiederspiegeln. Wir kommen zum Ende einer Messe in den Tempel und beobachten interessiert die musikalische Zeremonie.

 

Mangels eigener Fahrzeuge müssen wir uns in Vietnam mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen. So kommen wir in den „Genuss“ einer 17stündigen Zugfahrt von Saigon nordwärts. Der Komfort ist nicht mit dem eines DB Zuges zu vergleichen, aber eine Busfahrt über diese Dauer kommt für uns auch nicht in Frage.

Erstaunlich pünktlich erreichen wir am anderen Mittag Hoi An in Zentralvietnam. Die Küstenstadt am Südchinesischen Meer hat eine gut erhaltene historische Altstadt, die viele Besucher anzieht. Wir schlendern durch die vielen kleinen Straßen und Gassen und beobachten den touristischen Trubel bei einem leckeren Stück Kuchen in einem der unzähligen kleinen Cafés.

 

Mit dem Überlandbus geht es zwei Tage später weiter nach Hue. Für unsere dreistündige Fahrt (170km) am Vormittag sind die Schlafsessel recht kommod, aber wir sind froh, dass wir keine Nachtfahrt in dem Bus verbringen müssen. 

Hue begrüßt uns mit kühlen Temperaturen – es ist lange her, dass wir weniger als 20C Tagestemperaturen hatten. Zu Zeiten der Kolonialisierung war Hue, aufgrund seiner zentralen Lage in diesem Land der enormen Nord-Süd-Ausstreckung, die Hauptstadt Vietnams, ehe es 1945 wieder Hanoi wurde. Wir bummeln über den örtlichen Markt und müssen so einige aufdringliche Marktschreier abwehren, die uns T-Shirts, Handtaschen oder Hüte aufschwatzen wollen. Wir können gut widerstehen. 

Unseren zweiten Tag in Hue verbringen wir in der alten Kaiserresidenz mit der Verbotenen Stadt, die nach dem Vorbild in Peking erbaut wurde. Während schwerer Kämpfe im Jahre 1968 sind einige Tempel und Gebäude schwer beschädigt worden. Diese werden derzeit aufwendig restauriert und mit Mitteln des Auswärtigen Amtes finanziert.

 

Für die letzte große Etappe in Vietnam entscheiden wir uns für das Flugzeug als Transportmittel – damit haben wir alles ausprobiert :-) Die Faktoren Zeit und Komfort sind unschlagbar beim Lufttransport und Vietnam Airlines hat uns binnen 55min mit einem Airbus A321 in die Hauptstadt gebracht.

Von Hanoi aus unternehmen wir einen zweitägigen Ausflug in die Ha Long Bucht. Knapp 2000 Kalkfelsen ragen aus dem Wasser und bilden ein interessantes Landschaftsbild. Wir schippern mit unserem 11 Kabinen großen Boot zwischen den zumeist unbewohnten Inseln, genießen die schöne Aussicht und das wirklich gute Essen an Bord, paddeln eine Runde mit dem Kajak und besuchen eine der vielen Höhlen. Die meisten Felsen und Inseln sind zwar unbesiedelt, aber es gibt trotzdem Bewohner in der Bucht. Die Fischerfamilien leben in schwimmenden Dörfern, ihre Häuser sind auf Pontons erbaut. Statt Auto oder Mofa haben sie das Boot vor dem Haus geparkt. Die Ha Long Bucht ist ein sehr beliebtes Touristenziel, unzählige Agenturen bieten Bootsausflüge an und dementsprechend viele Schiffe sind unterwegs. Unser Kapitän hat die Anlaufstellen aber so gut gewählt, dass wir in keinen Massenandrang geraten.

Petrus hat es in den zwei Tagen in der Bucht sehr gut mit uns gemeint; das permanente Nieseln der letzten Tage hat sich verzogen und wir werden mit warmen Sonnenstrahlen verwöhnt. Alles in allem ein sehr lohnenswerter Trip!


Zu den Fotos unserer Vietnamreise geht es hier: Vietnam


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