Alser-On-Tour

Viel Wüste und wenig Aralsee

23.07.-29.07.2012 Nukus, Schiffswracks am Aral-See, die historischen Städte Chiwa und Buchara und zwischendrin viele Kilometer auf schlechten Straßen


Die Anstrengungen der vergangenen Tage seit Iran fordern ihren Tribut, wir sind so richtig k.o. und verbringen den ersten Tag in Usbekistan mit Nichts-Tun und Ausruhen. Herrlich! Unsere Unterkunft ist dafür genau der richtige Ort und mit den Rucksackreisenden Sara und Marie haben wir gute Gesprächspartner. Gemeinsam mit der Dänin und der Französin nehmen wir am folgenden Tag den Bus in das 200km entfernte Dorf Moynaq für ein bisschen „Katastrophentourismus“. Die Hin- und Rückfahrt kostet für uns beide zusammen knapp 8EUR, das hätten wir mit Sprit für die Mopeds locker verdreifacht. Auf diese Weise sparen wir Material und unsere Kräfte, zudem ist es eine uninteressante Motorradstrecke.

Früher war Moynaq ein florierender Fischereihafen mit 25000 Einwohnern; heute leben nur noch ca. 8000 Menschen hier. Von was genau, ist uns nicht ganz klar. Mit der Austrocknung des Aralsees fiel die Haupteinnahmequelle weg. Die einzigen Zeugen von der guten alten Zeit sind 10 verrostete Schiffe, die seit 40 Jahren im Sand liegen.

Es fühlt sich unwirklich an, dass wir auf dem Grund des Aralsees stehen, um uns herum ist eine Dünenlandschaft mit Gräsern und kleinem Buschwerk bewachsen. Vom See ist weit und breit nichts zu sehen, das Ufer ist derzeit 80km nördlich von Moynaq und der See schrumpft kontinuierlich. Diese Ausbeutung der Natur ist schockierend, denn hier wird bei vollem Bewusstsein eine Naturkatastrophe gefördert. Die Zuflüsse des Aralsees sind nach wie vor voll, das Wasser wird allerdings vorher gestaut und für die Bewässerung der Baumwoll- und anderen Felder genutzt. Die Umgebung von Nukus und auch Moynaq ist sehr grün, überall sind Gräben und Kanäle zu sehen. Der große Fluss Amudarya versorgt sogar über einen durch die Karakom-Wüste verlaufenden Kanal Ashgabad in 600km Entfernung mit Wasser! Das erscheint völlig unfassbar.

 

Von Nukus fahren wir ins 200km südöstlich gelegene Städtchen Khiva, nahe der turkmenischen Grenze. Über die Jahrhunderte ist Khiva mehrfach zerstört und wieder aufgebaut worden; wie in so vielen Städten dieser Region haben die mongolischen Truppen von Dschingis Khan auch in Khiva zerstörerisch gewütet. Dennoch gibt es einige sehr alte Bauwerke, die aus dem 12. Jahrhundert datieren. Sehr beeindruckend! Die kleine Altstadt wird über eines der vier Stadttore betreten und ist wie ein Freilichtmuseum, es gibt unzählige Moscheen, Mausoleen, Grabtürme und Medresen (Religionsschulen) zu besichtigen. Um die Altstadt zieht sich eine fast vollständig erhaltene Stadtmauer, die man am Nordtor für einen wundervollen Aus- und Überblick besteigen kann.

In unserem Hostel lernen wir den Engländer Chris kennen, der mit seiner Yamaha XT ostwärts unterwegs ist. Genau wie wir will er nach Buchara fahren und so starten wir gemeinsam am nächsten Morgen um 07.30 Uhr. Vor uns liegen 450km. Es gibt zwar viele Tankstellen im Land, aber nicht jede scheint Kraftstoff zu haben. In Urganch, 35km nach dem Start, füllen wir unsere Tanks und decken uns mit zusätzlichen 13l des guten 91-Oktan-Benzins ein. So sollten wir problemlos nach Buchara kommen.

Von anderen, die die Strecke vor uns gefahren sind, hören wir kein gutes Urteil über den Straßenzustand. Und tatsächlich erstreckt sich über 90-100km eine Baustelle und die vorhandene Piste ist in einem katastrophalen Zustand. Das ist das schlechteste, was wir in über 60000 Reisekilometern gefahren sind. Der Asphalt ist völlig demoliert, man kann kaum den unzähligen zentimetertiefen Schlaglöchern ausweichen, die Fahrspuren sind von den vielen LKW ausgefurcht und vom Wind in Wellblech-artige Wellen geweht. Wir werden ganz schön durchgerüttelt. Hier machen sich gute Stoßdämpfer bezahlt!

 

Die Erleichterung ist groß, als wir auf die Fernstraße E40 treffen und nach 180km Gesamtstrecke erstmal Ruhe einkehrt. Es sollen noch einige kürzere Baustellenabschnitte folgen, aber lang nicht so schlimm wie die gut 90km vorher.

Zwischendrin kommt uns der Finne Sami auf seiner Africa Twin entgegen; wir haben bereits knapp 20000km seit April zurück gelegt, aber mit Chris und Sami haben wir erst hier die ersten beiden Overlander auf Mopeds getroffen.

 

In Buchara finden wir auf Anhieb eine passende Unterkunft für uns drei. Im Innenhof sitzt Marie, die Französin. Die Welt ist einfach klein. Neben uns sind noch drei Radfahrer aus Mitteleuropa hier, die auch Richtung Osten unterwegs sind. Den ganzen Weg hierher per Radl, sie haben unseren höchsten Respekt! Wir können noch ein feines Highlight feiern, die F650 hat in der Wüste ihren 100.000km seit der allerersten Fahrt im März 2009 absolviert. Und das mit erstem Motor in der Maschine und dem ersten Helm der Fahrerin :-)

Buchara selbst hat eine recht übersichtliche Altstadt, in der sich die vielen historischen Gebäude befinden. Wir machen die obligatorischen Fotos und finden, dass sich die Moscheen, Religionsschulen und Kaufmannshäuser entlang der Seidenstraße doch alle ähneln. Nach der Stadtbesichtigung überprüfen wir gründlich die Mopeds; sie haben die üble Piste aber ohne Probleme oder Schraubenverlust überstanden. Lediglich der Deckel einer Dose Tomaten ist aufgeplatzt, ein frischer Duft weht in unserem Essenskoffer :-)

Am zweiten Tag in Buchara gönnen wir uns einen Besuch im Hamam, dem traditionellen Badehaus. Dampfbad und ausgiebige Massage sind genau das richtige für unsere müden Knochen.

 

Die nächste Etappe bringt uns nach Samarkand, einer weiteren geschichtsträchtigen Handelsstadt an der Seidenstraße.

 

Zu den Fotos: Usbekistan - West

 

zum nächsten Kapitel: Usbekistan - Ost

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