Alser-On-Tour

Von Samarkand nach Tashkent

30.07.-05.08.2012 Von der legendären Stadt an der Seidenstraße in die Hauptstadtmetropole


Samarkand ist der Inbegriff der orientalischen Seidenstraße. Vor dem inneren Auge erscheinen imposante muslimische Gebäude, Händlergewusel auf bunten, überquellenden Basaren und durchziehende Karawanen. Heute merkt man jedoch kaum noch, dass Samarkand einer der wichtigsten Handelsplätze der Seidenstraße war. Die Moscheen, Mausoleen und Medresen sind zu Museen umfunktioniert worden und die früher vor diesen Gebäuden existierenden Basare wurden entfernt. Hier fehlt der Hauch der Vergangenheit, es ist eben alles für die Touristen arrangiert. Die über 2000jährige Geschichte der Stadt mit dem legendären Ruf ist geprägt von Eroberungen, Zerstörungen und Wiederaufbau, es gibt nur noch vereinzelt Überreste von wirklich alten Gebäudeteilen.

Wir verbringen zwei komplette Tage in Samarkand und tauschen uns mit anderen Motorradfahrern, die aus Richtung Osten kommen, aus. Unsere geplante Befahrung des Pamir Highways in Tadschikistan ist so gut wie aussichtslos geworden, da die Region nach Kämpfen zwischen Regierung und Rebellen großteils geschlossen wurde. Auch die Grenze nach Kirgisistan ist nur eingeschränkt geöffnet. Da müssen wir uns in Ruhe die Karten legen, wie es nun für uns weitergehen wird. Eine gute Nachricht gibt es aber auch: Kirgisistan hat für viele „westliche“ Länder die Visumspflicht abgeschafft, was wiederum für uns bedeutet, dass wir uns bis zu 60 Tage visumsfrei im Land aufhalten können. Das gibt uns etwas Spielraum für die Planung unserer weiteren Route.

Wie geplant fahren wir nach Taschkent, wo uns ein Päckchen mit unseren zweiten Reisepässen inklusive der Visa für China und Pakistan erwartet. Die Hauptstadt ist relativ langweilig, die architektonischen Bausünden der Sowjetunion in Form von überdimensionierten Straßen und Plattenbauten sind hier noch allgegenwärtig.

Usbekistan hat sich als ein sehr angenehmes Reiseland heraus gestellt. Der Verkehr ist deutlich ruhiger als im Iran, die schlechten Straßen sind auch ohne geisteskranke Fahrer anstrengend genug.


Wir werden weiterhin interessiert und freundlich bestaunt, sowohl aus vorbeifahrenden Fahrzeugen als auch von den Menschen an der Straße. Viele winken uns begeistert zu. Da fühlt man sich fast wie der Hochadel beim Sonntagsausflug. Bei unseren Stopps, zum Beispiel an Tankstellen, kommen auch immer direkt einige Neugierige, um uns und die Mopeds näher zu betrachten. Generell sind sie aber wenig aufdringlich; das ist sehr angenehm. Ab und an kommt es auch hier vor, dass uns Einheimische um ein Foto mit uns bitten. Sehen wir so sonderbar aus? :-)

Auf unserem Weg ostwärts durch Usbekistan haben sich die Gesichtszüge der Menschen verändert. In Nukus haben die Menschen unserer Ansicht ein recht asiatisches Gesicht, in Buchara, Samarkand und vor allem Taschkent ist das fernöstliche Aussehen schon nicht mehr so stark vertreten sondern eher das „russische Gesicht“ präsent.

Wir passieren einige Kontrollposten der Polizei, meistens werden wir jedoch weiter gewunken während die einheimischen Fahrzeuge kontrolliert werden. Touristen sollen anscheinend nicht behelligt werden. Auch finden wir das Land insgesamt recht sauber; so viel Müll und Dreck wie in der Türkei oder dem Iran liegt hier nicht an der Straße.

Was in Iran Peugeot und Renault, ist in Usbekistan Chevrolet bzw. Daewoo. Der Kleinwagen Matiz ist hier der große Renner. Nur selten sehen wir Mofas und Mopeds, dafür aber viele Fahrräder oder Eselgespanne.

Auch in Usbekistan, genau wie in Turkmenistan, ist der Islam die Hauptreligion. Aber in beiden Ländern haben wir insgesamt lediglich einmal den Muezzin-Ruf gehört – und zwar zum Mittagsgebet in der Hauptmoschee von Taschkent. Im Alltag fällt auch kaum auf, dass derzeit Ramadan ist, viele Menschen sind mit Essen oder Getränk zu sehen. Ein liberaler Weg, die Religion zu leben, ist also durchaus möglich; das haben wir im Iran als undenkbar empfunden.


Zu den Fotos dieser Woche: Usbekistan - Osten

zum nächsten Kapitel: Kirgisien - Süden

 

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