Alser-On-Tour

Das Reisetagebuch einer abwechslungsreichen dreiwöchigen Tour mit einer Harley-Davidson Road King über knapp 10.000km im Juni 2008

(Part II: 16.-22.06.08)


16.06.2008

425 mi Las Vegas, NV – Cameron, AZ -- Indianisches Buffet und toller Frühstücks-Saloon, letzte Absteige Motel

 

Ein Tag voller Kontraste und Überraschungen beginnt. Von Las Vegas geht's über den Hoover Dam (die Amis machen aus allem eine Touri Attraktion) durch die klirrende Hitze der Wüste. In Kingman biegen wir auf die Historic Route 66, wir halten in Hackberry. Kaum stehen 2-3 Häuser zusammen schon ist es ein Ort. In einer alten nicht mehr aktiven Tanke, die zum Route 66 Museum umgebaut wurde.

Es ist wie im Western - die Hitze flimmert, es ist ruhig bis auf vorbeifahrende Züge und Fahrzeuge. Im Wüstenwind quietscht ein Route 66 Schild. Wir hinterlassen einen Chapter Pin – direkt neben einem Patch der Polizei RLP und fahren weiter. In Seligman halten wir in einem urigen Diner und kommen mit zwei netten Leuten aus Sedona ins Gespräch. So erhalten wir wertvolle Tips zum Halten, Gucken und Übernachten. Je weiter wir nach Arizona reinkommen, desto grüner wird es. Flagstaff selbst ist umgeben von Wald und ein hübsches Dörfchen. Ein kurzen Trip durch Downtown und weiter geht’s gen Gran Canyon durch dichten Nadelwald und angenehme Temperaturen. Dann erfahren wir bei einem kurzen Halt (eigentlich beratschlagen wir nur ob wir weiterfahren oder übernachten sollen) gegen 17.30 Uhr, dass Jogis Jungs gegen Österreich gewonnen haben. Der Überbringer der frohen Kunde ist ein netter Highway Patrol Sheriff, der uns gar nicht nett einen Strafzettel in Höhe von 100 US$ ausstellt wegen nicht stoppens an einem Stop Schild.

Die Fahrt geht weiter, das Gran Canyon Village ist ausgebucht und so müssen wir um 18.30 Uhr noch durch den Gran Canyon durchfahren. Nach zwischenzeitlicher Wüstenvegetation sind wir wieder im Wald und geniessen von mehreren Aussichtpunkten die Sicht auf den gewaltigen Canyon. Die gemachten Fotos werden nicht das wiedergeben können, was wir hier sehen. An einem Punkt steht ein Coyote, der sich nicht durch die Autos aus der Ruhe bringen lässt. Wir verlassen den Canyon bei Sonnenuntergang und fahren durch die abendliche Wüste. Nach zwei Tagen und Nächten im Luxor Hotel ist diese Unterkunft der totale Gegensatz. Schäbig, nicht wirklich sauber, dünne Plastikwände, keine Frischluftzufuhr. Und so schlafen wir für 50 US$ mehr schlecht als recht. Die Indianersiedlungen sind ebenfalls schäbig. Im Nrgendwo stehen viele Trailer mitten in der Landschaft, und jeder hat mindestens 5 rostige Autos davor.

 

17.06.2008

365 mi Cameron, AZ – Tropic, UT -- Amerikanisches Frühstücken, Motel von der Stange  

 

Abfahrt ist um 07.50 Uhr. Wir bleiben nicht länger als nötig in dem Kaff. Kurz nach dem Übergang über den Colorado, (Marble Canyon) halten wir um 09.30 Uhr zum Frühstücken an. An der Grenze zu Utah stellen wir die Uhr vor, die Landschaft verändert sich von karger Wüste zu einer beeindruckenden, rotfelsigen Kulisse. Zion NP ist grandios. Via Cedar City und dem Cedar Breaks Nat'l Monument gehts zum Bryce Canyon, den wir interessanter als den Gran Canyon finden. Angenehmes warmes bis heisses Wetter.

 

18.06.2008

377 mi Tropic, UT – Moab, UT -- Brewery und Frühstückstortilla, Standard Motel

 

An der Nordgrenze vom Grand Staircase Nat'l Park geht es durch felsiges Land bei überraschend angenehmen Temperaturen also unter 30 Grad. Richtig heiß wird es dann wieder in den Felsen des Capitol Reef Nat'l Park und den nachfolgenden 200 Meilen. Bei Hitze überqueren wir den Colorado im Bereich des Glen Canyon. Wir gucken uns die Natural Bridges an, leider ist der Foto bereits leer geknipst. Nach weiteren 70 Meilen halten wir in Moab für die Nacht. Die rote Landschaft von Utah war sehr beeindruckend, an einigen Stellen liegen die Felsbrocken so schief auf der Kante, dass man sich fragt, wann sie auf die Straße krachen.

 

Kurze Gedanken: Es ist auffällig, dass - egal in welchem Staat - alle ausrangierten Fahrzeuge und Maschinen einfach irgendwo abgestellt werden; ob auf dem Feld oder in der Wüste. Alles was bleibt ist Rost. Witzig sind auch die zahlreichen Schilder „ Land zu verkaufen“. Schilder in BFN (But fucking nowhere)! Wer will denn 12 Acres in der Wüste??

 

19.06.2008

470 mi Moab, UT – Boulder, CO  -- Sherpa Essen und Super Pancake Haus, skurilles Standard Motel

 

Die heutige Tour war "meilenmäßig" bisher die längste und landschaftlich am unterschiedlichsten für einen Tagestrip. Und auch die gemachten Höhenmeter, sowie Temperaturunterschiede sind nicht zu vernachlässigen. Nach einem Abstecher in den Arches Nat'l Park ging es am Colorado entlang von Moab gen Highway I-70. Der Fluss sollte uns länger begleiten, bis weit nach Colorado State haben wir ihn immer wieder überquert. Lunch um 14 Uhr in einem coolen Diner in Glenwood Springs. Es wurde mit jeder Meile kühler, da wir verschiedene Skigebiete (u.a. Vail) passierten. Eine 90 km (Hin- und Rückzus) Abzweigung führte uns auf die höchste asphaltierte Straße der USA, bis kurz unter den Gipfel von Mt. Evans in knapp 4100 m Höhe (14130ft.). Ich freue mich über meinen warmen Pulli und das Innenfutter. Nach der Hitze im Arches am Morgen konnten wir nicht ahnen, dass wir am gleichen Tag noch frösteln. Auf der Bergstraße begegneten uns Mountain Goats und Murmeltiere. Nach weiteren tollen 50 kurvige Milen fanden wir schließlich in Boulder unser Quartier.

 

20.06.2008

437 mi Boulder, CO – Morill, NE -- American Diner und ebenso Breakfast, Standard Motel

 

 Und wieder Vegetationswechsel... es geht über die Berge via Rocky Mountains National Park, sehr schöne Passstraße in die Plains. Das Grün der Wiesen und Hügel ist ein großer Kontrast zum leuchtenden Rot der letzten Tage. Wir queren Südost Wyoming, nicht sehr aufregend. Seit 14.00 Uhr haben wir eine dunkle bedrohliche Regenfront vor uns, aber als wir den I-25 nach Norden in Chayenne erreichen ist der Regen schon durch und wir bleiben trocken. An der Auffahrt zum I-25 von der Happy Sack Road heißt die Auffahrt „Pershing Blvd und tatsächlich stehen 3 Raketen am Straßenrand. Kurzer Besuch im Fort Laramie entlang des Highways sind Überreste des Oregon Trail Trecks - Amerikanische Siedlergeschichte. Irgendwann in BFN kommt die Landesgrenze und wir sind in Nebraska. Halten in Merrill und speisen in einem typischen Diner. Das Wetter war mal wieder sehr warm.

 

21.06.2008

340 mi Morrill, NE – Sturgis. SD -- Amerikanisches Diner auch zum Breakfast, Standard Motel

 

Gleich morgens bewegen wir uns wieder auf den Spuren amerikanischer Siedlergeschichte des 19. Jhd. Besuch des Scott Bluff Nat'l Monument. Hier zog der Oregon Trail vorbei und es sind 2 alte Wagen am Mitchell Pass. (es sind noch Spuren im Gestein zu sehen)... Schlaumeier fragt sich: Hier ist doch ne Straße, warum sind die im Zickzack den Pass rauf?? ;-)

Weiter auf dem US 26, dem originalen Oregon Trail. Die Strecke ist geteert und eher weniger spannend, da sie nur gerade aus geht. Alles weitläufig. Dann geht es nach South Dakota und halten kurz in Hot Springs, verzichten aber auf den Besuch im Mammut Museum. Auf dem Parkplatz neben uns steht eine Gold Wing mit Alf auf dem Rücksitz! :-)  Weiter in den Wind Cave Nat'l Park mit typischer Prärie-Landschaft: weites Land, sanfte Hügel, Bisons und Präriehunde. Direkter Übergang in den Custer State Park, es wird kurvig. Ganz oben der markante Fels, das Nadelöhr. Weiter zum Mount Rushmore dem „Schrein der Demokratie“. Hier wird amerikanischer Patriotismus gelebt. Über Keystone und Deadwood (Name ist Programm) nach Sturgis, dem bekannten Bikerort. Überhaupt sind viele Biker auf den Straßen bei bestem sonnigen Wetter.

 

22.06.2008

410 mi Sturgis, SD – Cody, WY -- Essen und Breakfastbuffet in „The IRMA“ - Historisches Motel

 

Vom Biker- ins Rodeo- Mekka beinahe quer durch den Norden von ganz Wyoming. Kurz nach der Landesgrenze machen wir einen Abstecher zum Devil's Tower, einem einzelnen Vulkan - bizarre Form. In der Felswand hängen zwei Kletterer. Dann geht es über den I-90 bis Buffalo. Eine more scenic route durch die Berge, genauer gesagt über den Powder River Pass auf knapp 3000 Meter. Runter von den Bergen wird es landschaftlich wieder karger und heisser. Im verschlafenen West Worland sind es wieder gut 30 Grad. Die letzten 90 mi der langweiligen Strecke bekommen wir auch rum und kommen um 17.00 Uhr in Cody an. Wir bekommen das letzte Zimmer in „The IRMA“, dem von Buffalo Bill gegründeten Hotel - benannt nach seiner Tochter. Passenderweise ist gegenüber ein HD-Shop. Abends wird's amerikanisch... Wir gehen zum Rodeo

 

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