Alser-On-Tour

Vom Blue Ridge Parkway bis vor die Tore New Yorks

29.05. – 05.06.2011: Viel geschichtsträchtiges vom Shenandoah NP über Washington, D.C. nach Gettysburg


Als wir vor über vier Wochen die USA erreichten, dachten wir, dass es die nächsten Wochen und Monate geordneter zugeht im Straßenverkehr. Aber wir wurden schnell vom Gegenteil überzeugt. Der durchschnittliche amerikanische Autofahrer lenkt nicht nur sein Fahrzeug, sondern tut gleichzeitig zig andere Dinge: Kaffeetrinken, etwas Essen und ist hauptsächlich mit dem Handy beschäftigt. Der übrige Straßenverkehr wird dabei gerne ignoriert. Tja und wir dachten, wir hätten das Straßenchaos erledigt, als wir Südamerika hinter uns ließen. Gut, dass wir noch im Training sind :-)

Abseits der Highways geht es allerdings etwas gesitteter zu. Wir genießen eine zweitägige, gut 500km lange, stressfreie und kreuzungslose Fahrt auf dem Blue Ridge Parkway. Die Straße führt entlang des Appalachen-Hauptkammes und geht am Nordrand direkt in den sogenannten Skyline-Drive über. Bei bestem Wetter genießen wir das Fahren und die Ausblicke rechts und links hinab in die weiten Ebenen.

So könnte es unserer Meinung nach ewig weitergehen. Am Nordrand vom Shanandoah National Park ist dann leider Schluss und wir beziehen einen Campingplatz im Shanandoah Valley, durch das auch der Shanandoah River fließt. John Denver lässt grüßen.

Am nächsten Tag erreichen wir Washington D.C., das einen der heißesten Tage des Jahres erlebt. Wir merken es und schwitzen uns ganz schön einen bei 36°C ab. Das ist doch das richtige Wetter, um ins Museum zu gehen. Wir steuern die National Mall an, die sich über ca. 4km zwischen Lincoln Memorial und dem Capitol erstreckt. Hier befindet sich ein Großteil der Museen der Smithonian Institution. Das tolle an den Museen: sie sind alle kostenfrei. Im Air & Space Museum bestaunen wir die Geschichte der Fliegerei, inkl. der Weltraum-Missionen. Flugzeuge, Raketen und Satelliten. Diese sind hier entweder im Original oder in einem Nachbau ausgestellt und alles ist wunderbar anschaulich erläutert. So machen Museumsbesuche doch richtig Spaß.

Am folgenden Morgen setzen wir das Touristenprogramm fort und besichtigen u.a. die Denkmäler für die Präsidenten Abraham Lincoln und Thomas Jefferson, die Mahnmale für die Kriege in Korea und Vietnam sowie den 2. Weltkrieg. Alles ist pompös und mächtig, die Amerikaner wissen halt, wie man so etwas geschickt und passend in Szene setzt. Danach fahren wir noch zum Nationalfriedhof Arlington, wo JFK begraben ist.

Kein Washington-Besuch ohne Stopp am Weißen Haus. Wir gucken durch die hohen Eisenzäune, aber Herr Obama ist nicht zu sehen. Er scheint aber Zuhause zu sein, denn auf dem Dach ist die US-Flagge gehisst. Die Straßen vor und hinter dem Weißen Haus sind aus Sicherheitsgründen nach dem 11.September 2001 für den Durchgangsverkehr gesperrt worden, was den Fußgänger wiederum sehr freut und man viel Platz und Ruhe zum Gucken hat.

Am Abend erhalten wir noch eine gute Nachricht. BMW Miami wird uns das Geld für die unnötig gekaufte Batterie erstatten. So hat die ganze Geschichte noch einen kleinen positiven Ausgang.

 

Nach zwei Tagen in der wuseligen Hauptstadt geht es für uns wieder in die Provinz. Unser Ziel: Gettysburg in Pennsylvania, gut 110km von Washington entfernt. Die Kleinstadt hat vor allem wegen der entscheidenden und blutigsten Schlacht im amerikanischen Bürgerkrieg Bekanntheit erlangt, als hier im Juli 1863 die Unions-Truppen die Konföderierten besiegten und der Krieg somit eine endgültige Wendung nahm. Im gleichen Jahr hielt Präsident Lincoln mit der sogenannten „Gettyburg Address“ eine in die Geschichte eingegangene Rede. Natürlich gibt es auch hierfür ein Denkmal, und zwar an der Stelle auf dem Friedhof, wo Lincoln diese Rede gehalten hat. Die drei Tage der Gettysburg-Schlacht sind ausführlich an den Originalschauplätzen dokumentiert. Man kann alles bequem mit dem eigenen Fahrzeug abfahren und bekommt so einen guten Eindruck, wie weitläufig sich die Truppen verteilt haben und an welchen Stellen genau sie sich gegenüber standen. Im heutigen trägen Kleinstadtidyll ist es kaum vorstellbar, dass hier binnen drei Tagen 46.000 Männer getötet oder verwundet wurden.


Nach dem Tag in Gettysburg setzen wir das Touristenprogramm fort und besichtigen die Harley-Davidson Fabrik in York, PA. Hier wurden zwischen 1973 und 1998 alle Harleys gebaut und somit auch Ulis gelbe Fat Boy, die daheim den Vorruhestand genießt. Weil wir an einem Samstag die Factory besichtigen, stehen die Maschinen still. Das ist aber eine gute Gelegenheit für einen ausführlichen Blick auf den Produktionsapparat und die einzelnen Stationen, bis das fertige Moped vom Hof rollt.

Nach diesem interessanten Einblick in die Harley-Produktionswelt beenden wir den kurzen Fahrtag im 60km entfernten Lancaster. In der Umgebung gibt es besonders viele Amische Gemeinden und wir können auf einer kleinen Rundfahrt übers Land einen kleinen Einblick in das Leben dieser Glaubensgemeinschaft gewinnen. Sie führen ein einfaches, stark landwirtschaftlich orientiertes Leben und verzichten großteils auf technischen Fortschritt. Es ist fast wie eine Reise in die Vergangenheit, wenn die Amischen mit ihren Ochsenkarren auf dem Acker oder im Pferdefuhrwerk auf der Straße fahren. Als Zugeständnis an die „moderne Welt“ haben die Kutschen übrigens einen Blinker und Beleuchtung, was sehr witzig aussieht. Es ist faszinierend, wie so unterschiedliche Lebensformen parallel existieren können. Wir bekommen nur einen kleinen Eindruck, finden aber dass es eine harmonische Koexistenz ist und hoffen, dass wir mit der Vermutung nicht falsch liegen.

 

Zu den Fotos geht es hier: USA - Ostküste


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