Alser-On-Tour

Die große Wildnis im Norden Alaskas

25.07. – 31.07.2011 1600km durch die Tundra von Fairbanks nach Deadhorse und wieder zurück


In der letzten Juliwoche sind wir kurz vor unserem nächsten Reisezwischenziel: Deadhorse im Norden Alaskas. Dort endet die öffentliche Straße und mit eigenem Fahrzeug kommt man nicht. Zwischen uns in Fairbanks und Deadhorse liegt nur noch eine 800km lange Strecke durch die Einsamkeit. 

In Fairbanks können wir bei einem weiteren Tent-Space Gastgeber übernachten. Bei Ramey lassen wir einen Großteil unserer Sachen zurück und nehmen nur Übernachtungsgepäck und nötiges Werkzeug für unseren dreitägigen Ausflug mit.

Am 26.07. nehmen wir die ersten 600km in Angriff. 100km nördlich von Fairbanks beginnt der Dalton Highway und damit die erste Schotterpassage. Die Straße ist in sehr gutem Zustand und wir kommen problemlos auf dem von den LKWs der Ölförderunternehmen fest gefahrenen Erdboden voran. Nach 50km auf der Naturstraße beginnt zu unserer großen Verwunderung wieder Asphalt; so hatten wir die Straße nicht erwartet.

Wir queren den Yukon River, der träge westwärts Richtung Beringmeer fließt. Ein gutes Stück nordwärts vom Yukon halten wir für das obligatorische Foto am Polarkreis-Marker. Der Dalton Highway ist übrigens nur eine von zwei Straßen in Nordamerika, die über den Nordpolarkreis führen. Auf halber Strecke des Highways liegt die kleine Servicestation Coldfoot, wo wir ein letztes Mal auftanken können. Ab hier sind es 384km bis zur nächsten Tankstelle. Da wir einen guten Verbrauch haben, sollte die Tankfüllung von 16 l ausreichend sein.

Der Dalton Highway führt durch weitgehend menschenleere und – von der Trans-Alaska-Pipeline abgesehen – unberührte Natur. Es ist Alaska aus dem Bilderbuch, wie man es sich vorstellt.

 

 

Wir überqueren die Brooks Range, vor uns öffnet sich die baumlose ewige Weite der Tundra. Die Wolkendecke reißt auf und wir erreichen bei strahlendem Sonnenschein Galbraith Lake Camp, wo wir unser Zelt aufstellen. Wir werden von Millionen von Moskitos begrüßt, die sich begeistert auf das frische Blut stürzen. Gut, dass wir mit ausreichend Moskitospray bewaffnet sind.

20km nördlich unseres rustikalen Campingplatzes befindet sich eine Forschungsstation der University of Alaska. Hier besuchen wir die deutsche Biologin Hella, die wir Mitte Mai in Südflorida kennen gelernt haben. Dank Hella brauchen wir so gut wie keine Lebensmittel für die drei Tage transportieren, sie versorgt uns bestens mit allem was wir brauchen.

Als wir um kurz nach Mitternacht in unser Zelt kriechen, steht die Sonne noch immer am Himmel. Es wird einfach nie dunkel so hoch im Norden.

Am nächsten Mittag geht es bei strahlendem Sonnenschein Richtung Deadhorse. Auch dieser Abschnitt des Highways ist auf einer Teilstrecke geteert, was das Fahren wieder sehr angenehm macht. Ab und zu begegnet uns ein LKW, ansonsten sind wir hier ziemlich allein auf weiter Flur. Die letzten 50km vor Deadhorse erfordern unsere ganze Konzentration, da der Straßenbelag nass und dadurch etwas schlammig ist.

In Deadhorse, nur wenige Kilometer vor dem Polarmeer, endet die öffentliche Straße. Zur Prudhoe Bay gelangt man nur, wenn man sich einer teuren Tour anschließt, was wir uns sparen. Die triste Siedlung Deadhorse dient als Versorgungsstation für die Ölarbeiter, ansonsten ist hier nicht viel zu sehen. Wir tanken auf, machen ein Foto und drehen wieder um. Unser nördlichster Punkt auf dem amerikanischen Kontinent ist erreicht, wir befinden uns auf 70° nördlicher Breite.

Nach einer weiteren Nacht am Galbraith Lake treten wir am Donnerstagmorgen den 600km langen Rückweg nach Fairbanks an. Auf einem kurzen Abschnitt müssen wir ein weiteres Mal über eine leichte Schlammpiste fahren, weil es hier kurz vorher geregnet hatte, aber die Mopeds sind zu diesem Zeitpunkt eh schon dreckig und so macht auch diese Passage Spaß. Auch bei der Rückfahrt auf dem Dalton fällt die Ausbeute an Tier-Sichtungen eher mau aus; wir haben nur drei Elche und einen Coyoten unterwegs gesehen. Dafür aber unzählige, auf der Straße hin und her rennende Erdmännchen, die teilweise nur knapp unserem Vorderrad entkommen sind.

Zurück in Fairbanks waschen wir Staub, Schlamm und Insekten der 1600km ab und freuen uns, dass wir diese Etappe in eines der am meisten entlegenen Gebiete des Kontinents unfall- und pannenfrei geschafft haben.

 

Zu den Fotos dieser Woche: USA - Dalton Highway


zum nächsten Kapitel: USA - Mopedprobleme in Alaska

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