Alser-On-Tour

Ein paar entspannte Tage in und um Milwaukee

14.06. – 21.06.2011: Zwischen Lake Ontario und Lake Michigan: Von Toronto nach Milwaukee


Wir erreichen an einem Sonntagnachmittag Toronto und sind erstaunt, in Stau zu geraten. Die Straßen sind voll mit Wochenendpendlern und Ausflüglern, die in alle Richtungen unterwegs sind. In der Innenstadt wohnt unsere Freundin Lara, die wir während der Antarktis-Expedition kennen gelernt haben. Aus Ihrem Apartment im 20. Stock hat man eine schöne Aussicht auf den Großstadt-Dschungel. Hier rollen wir für zwei Nächte im Wohnzimmer Luftmatratze und Schlafsack aus. 

Lara führt uns einen ganzen Tag durch ihre Heimatstadt und es macht Spaß, eine Stadt aus dem Blickwinkel eines Einheimischen zu betrachten. Toronto ist mit 2,7mio Einwohnern die größte Stadt Kanadas und die Wirtschafts- und Finanzhauptstadt des Landes. Das klingt alles nach einer großen, unübersichtlichen und mit Hochhäusern zugebauten Metropole. Aber Toronto besteht aus einzelnen in sich geschlossenen Gemeinden und sehr vielen Parks, so dass man nicht immer das Gefühl hat, in einer Großstadt zu sein. Wir waren sogar auf einer kleinen Farm, wo es vom Huhn bis zur Milchkuh viele Bauernhoftiere zu sehen gibt. Stadtkinder in Toronto wissen also woher die abgepackten Steaks im Supermarkt stammen.

Am Abend gibt es höchste kanadische Sportkultur für uns. Es läuft die Finalserie der nordamerikanischen Eishockey-Liga. Den Stanley-Cup gewinnt der Finalist, welcher als erster 4 Spiele gewonnen hat. Vancouver führt 3:2 gegen Boston und könnte also mit dem Spiel, das wir schauen, den Cup nach Kanada holen. Doch Boston spielt überragend, so dass es noch das siebte Spiel geben wird. Wir interessieren uns nicht sonderlich für Eishockey, aber drücken doch eher Boston die Daumen. Das sagt man wohl aber besser nicht allzu laut mitten in einem vollen Pub in Toronto, wo man ausschließlich dem kanadischen Team den Sieg wünscht.

Bei gutem Wetter verabschieden wir uns von Lara und fahren zwischen Lake Ontario und Lake Huron Richtung Westen. Der Grenzübertritt zurück in die USA ist schnell erledigt und wir schlagen 20km hinter der Grenze auf einem schönen State Park Campingplatz direkt am Lake Huron unser Zelt auf. Nach dem Abendessen sitzen wir bei unseren Campnachbarn, einer fünfköpfigen Familie aus Michigan, am Lagerfeuer. Es ist für uns immer wieder spannend zu erfahren, wie Amerikaner ihr eigenes Land sehen und erleben. Seit 15 bzw. 20 Jahren waren wir beide mehrfach in den USA unterwegs und stellen auch dieses Mal fest, dass sich am Verhalten der Amis nicht viel verändert hat. Alles ist im Überfluss und vor allem in riesigen Größen erhältlich. Insbesondere beim Essen, was wohl die vielen übergewichtigen Menschen erklärt.

Leider geht es auch beim Energieverbrauch nach wie vor verschwenderisch zu. Klimaanlagen sind unverzichtbar und im Dauereinsatz. Am liebsten tief gekühlt, so dass man sich im Supermarkt oder in der Burgerbude oftmals einen Pullover wünscht. Natürlich sind auch die Autos riesig groß und mit Klimaanlagen versehen. Damit es nicht warm wird im Wagen, lässt man den Motor laufen, während man drinnen bei Mc Donald’s seinen Burger verspeist oder im Laden kurz einkauft. Das haben wir mehrfach beobachtet. Das „beste“ was wir bisher erlebt haben, war der Camper im Shanandoah Valley, der mit seinem Pick-Up die 100m von seinem Wohnwagen-Stellplatz vor das Campingplatzbüro gefahren ist, um dort via WLAN das Internet zu nutzen. Die gesamte halbe Stunde, die wir ebenfalls dort sitzen und das Internet nutzen, lässt er seinen Motor laufen, damit sowohl die Klimaanlage funktioniert als auch der Laptop-Akku geladen wird. Bei so einem verschwenderischen Verhalten fehlen einem sowohl die Worte als auch das Verständnis.

Wir verlassen den Campingplatz am Lake Huron bei schönstem Sonnenschein, aber mit jedem Kilometer nach Westen ziehen mehr dunkle Wolken auf und es fängt schließlich kräftig an zu regnen. Nahe Kalamazoo sehen wir vom Interstate Highway aus ein günstiges Motel und beschließen spontan, hier den Fahrtag zu beenden. Es regnet stundenlang weiter und wir sind froh über unseren Entschluss. Am folgenden Tag durchfahren wir Teile der Bundesstaaten Indiana und Illinois, ehe wir am frühen Nachmittag das Städtchen Waukesha nahe Milwaukee in Wisconsin erreichen. Hier werden wir 5 Tage bei Doug und Lisa bleiben, Freunde unserer Freunde Thomas und Petra. Doug und Lisa sind passionierte Harley-Davidson Fahrer. Dieses Wochenende haben sie Ausfahrten und Aktivitäten mit weiteren Harley-Freunden geplant und uns ebenfalls dazu eingeladen. Hierfür haben wir extra unsere Route etwas abgeändert, um rechtzeitig am Donnerstag anzukommen. 

Wir fühlen uns, in diesem Kreis, von der ersten Minute an sehr wohl und willkommen. Alle schließen uns wie selbstverständlich in ihre Runde mit ein und wir erleben ein tolles Wochenende mit vielen sympathischen Menschen. Am ersten Abend gehen wir gemeinsam zum donnerstäglichen Biker-Treff am Harley-Davidson Museum und essen dort im Motors Diner zusammen. Am Freitag und Samstag machen wir tolle Mopedtouren und sehen viel von der schönen Landschaft Wisconsins, das immer noch von der Milchwirtschaft geprägt ist. Mittags und abends sind wir jeweils zum Essen Zuhause bei Mitgliedern der Gruppe eingeladen, genießen Gastfreundschaft und leckeres Essen und bekommen einen guten Einblick, wie die Leute hier leben.

Wir haben ein kurzes Video als Zusammenschnitt der letzten Tage erstellt:

 

Milwaukee ist die Geburtstadt der Harley-Davidson Motorräder und wir besichtigen natürlich das große Museum. Die Produktion selbst, ist auf verschiedene Standorte in den USA verteilt worden und in Milwaukee werden nur noch die Motoren gefertigt.

Vor dem Museumsbesuch bekommen wir noch eine von Doug organisierte private Führung nur für uns beide durch die Miller-Brauerei, was interessant ist, selbst wenn man kein Bier trinkt.

 

Wir nutzen die Tage bei Doug und Lisa auch, nach vielen aktiven Tagen einfach mal nichts zu tun und neue Kräfte für die vielen Kilometer zwischen hier und dem Yellowstone Nationalpark zu tanken.

 

Die Fotos der letzten Woche gibt es hier: USA – An den Großen Seen


zum nächsten Kapitel: USA - Durch die Prärie

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