Alser-On-Tour

Vom Kaspischen Meer via Ashgabad durch die Karakum-Wüste

16.07.-22.07.2012 Die letzten 600km im Iran mit großem Ärgernis. Von Ashgabad geht es durch die Karakum-Wüste von Süd nach Nord durch Turkmenistan.


Vom Kaspischen Meer geht es über Sari und Gorgan in den Nationalpark Golestan, dem westlichen Ausläufer der Turkmenensteppe. Dieser Teil des Irans nördlich des Alborz-Gebirges ist vergleichsweise grün und somit wirkt die Landschaft gleich hübscher. Unser Plan, im Golestan-Park zwei Tage zu zelten, geht leider nicht auf, da es gar keinen Campingplatz gibt. Es gibt lediglich einen Parkplatz für die Tagesgäste; und da die Iraner nicht gerade ordentlich sind im Beseitigen ihres Mülls, ist dieser Platz nicht geeignet, um gemütlich zu campen.

Es bleibt uns nichts anderes übrig, als weiter ostwärts zu fahren. Der Asian Highway verläuft mitten durch den Nationalpark, was einerseits unverständlich ist, andererseits uns eine schöne und aussichtsreiche Strecke beschert. Am späten Abend erreichen wir die Stadt Shirvan, wo wir eigentlich erst zwei Tage später ankommen wollten. Im Hotel am Rande der Stadt werden wir freudig begrüßt, man bestaunt die Ausländer mit den großen Motorrädern.

Shirvan und Umgebung sind touristisch gesehen recht langweilig. Wir entspannen auf der Dachterrasse des Hotels, nutzen die lang ersehnte Möglichkeit zum Waschen und rekapitulieren unsere Zeit im Iran. Die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit, für die die Iraner so hoch gelobt werden, haben wir nur wenig erlebt. Zum einen sind sie gastfreundlich, weil sehr interessiert, zum anderen sehr ungeduldig. Das ist nicht nur im Straßenverkehr so, wo jeder fährt wie er will ohne wirklich Rücksicht zu nehmen, sondern auch an der Kasse, wo sich vorgedrängelt wird, oder auch beim simplen Gehen auf der Straße, wo man von allen Seiten angerempelt wird.

Am 19.07. beginnt unser fünftägiges turkmenisches Transitvisum. Von Shirvan sind es noch 160km bis zur Grenze, daher wollen wir morgens um 08 Uhr los. Als wir die Mopeds packen, erleben wir eine böse Überraschung. Linus, Ulis langjähriger treuer Reisegefährte, wurde vom Moped gestohlen. Der kleine Stofflöwe hat über 200.000km am Lenker bzw. Windschild von verschiedenen Mopeds gesessen und war in vielen Ländern dabei, aber über Nacht hat jemand die Kabelbinder durchgeschnitten. Wir sind geschockt, wütend und wahnsinnig enttäuscht über so viel Böswilligkeit! Das ist mehr als ein dummer Jungenstreich, denn zum Durchtrennen der Kabelbinder wurde ein Seitenschneider benutzt.

Voller Wut können wir die hübsche Hügellandschaft nördlich von Quchan Richtung Grenze kaum genießen. Der Iran verabschiedet sich endgültig mit einem negativen Eindruck, denn die Grenzabwicklung verläuft chaotisch und schleppend. Wir verbringen gut 2 Stunden alleine auf iranischer Seite. Die Turkmenen sind da viel effizienter und die Einreise ist problemlos erledigt.

Wir schwingen uns von der Grenzstation in 1600m Höhe hinab in die Steppe. Mit jedem Höhenmeter weniger steigt die Temperatur. Bald blicken wir auf die weiße Silhouette von Ashabad und nach 40km erreichen wir schließlich die Stadt. Das Thermometer zeigt 42°C.

Nach etwas Sucherei finden wir schließlich ein Hotel und gönnen uns eine kleine Erfrischung im hoteleigenen Pool. Am Abend laufen wir durch die Innenstadt. Überall sprudeln die Brunnen und Fontänen in den Grünanlagen. Das Wasser wird übrigens durch ein Kanalsystem aus dem 600km weiter nördlich fließenden Amudarja Fluss gespeist und quer durch die Karakum Wüste geleitet. Unfassbar.

 

Ashgabad macht einen sauberen, aufgeräumten Eindruck. Das ist uns bereits bei der Ankunft aufgefallen. Auf den Straßen geht es recht geordnet zu, was vor allem daran liegt, dass es keine Mofas und andere Zweiräder gibt. Am auffälligsten sind jedoch die Menschen! Endlich sieht man wieder Frauen in hübscher, bunter Kleidung, ohne Kopftuch. Auch die Männer legen Wert auf ihr individuelles Erscheinungsbild. Eine Wohltat für das Auge.

Die Hauptstraße ist ein prachtvoller Boulevard, gesäumt von Hochhäusern aus Marmor. Der erste Präsident Turkmenistans nach der Unabhängigkeit war der lebende Beweis für „nicht kleckern, sondern klotzen“ und hat Ashgabad in die Stadt des Größenwahns umbauen lassen. Die unzähligen Prachtbauten, Denkmäler und Monumente, die gold und weiß glänzen, kommen sicherlich sehr nahe an die wahnwitzigen Pläne des kleinen österreichischen Gefreiten für die „Welthauptstadt Germania“. Der turkmenische Präsident Nyyazow hatte einen extremen Personenkult um sich aufgebaut und nannte sich ganz bescheiden „Turkmenbashi“ – als „Führer aller Turkmenen“, so die Wortbedeutung, sah er sich als Oberhaupt aller ethnischen Turkmenen weltweit. Damit sein Verdienst auch nicht vergessen wird, hängt überall sein Konterfei in den Gebäuden und unzählige Statuen und Büsten sind in der Stadt verteilt. Man fühlt sich fast von ihm verfolgt. Neben dem ganzen Prunk und Protz existieren auch noch viele Plattenbauten aus der Sowjetzeit, die ihre Glanzzeit schon lange hinter sich haben.

Wir verbringen einen weiteren Tag in Ashgabad und lassen diese bizarre Stadt auf uns wirken. Gegen Abend ziehen Wolken auf und gerade als wir uns in ein Gartenlokal gesetzt haben, öffnet der Himmel seine Schleusen. Es schüttet immens und als wir eine gute Stunde später zum Hotel zurückgehen, steht das Wasser zentimeterhoch in den Straßen. Wir hätten viel in Ashgabad erwartet, aber Regen im Juli ist definitiv nicht dabei.

 

Am dritten Tag starten wir nach Norden. Wir teilen die gut 600km lange Strecke bis nach Nukus in Usbekistan in zwei Etappen auf. Die Straße durch die Karakum-Wüste ist in keinem guten Zustand, aber da die Spuren breit genug sind, können wir problemlos den Schlaglöchern und anderen Hindernissen ausweichen. Weil wir keine verlässlichen Informationen über Versorgungsmöglichkeiten bekommen, decken wir uns mit 20l Wasser und 13l zusätzlichem Kraftstoff ein. 90km nördlich von Ashgabad gibt es noch eine Tankstelle, aber dann ist für 360km Schluss. Für uns wird es arg knapp, denn wir machen einen Umweg zum Gaskrater von Derweze. Mitten in der Wüste brennt seit 1971 das ausströmende Erdgas in einem Krater von ca. 70m Durchmesser. Man hatte uns zwar in Ashgabad gesagt, dass der Weg dorthin befestigt sei, aber tatsächlich ist es tiefer, weicher Sand, wie wir an der Abzweigung feststellen. Auf der Suche nach der in der Landkarte eingezeichneten Oase Derweze fahren wir einige Kilometer hin und her, aber eine Siedlung ist nicht zu sehen. Wir halten schließlich am Highway an einer kleinen Raststation; die Bruchbuden scheinen die Oase zu sein. Wir fragen nach Möglichkeiten, zum Krater zu kommen und man bietet uns an, dass wir für 15USD mit dem Jeep zum Sonnenuntergang dorthin gebracht werden. Das ist ein guter Plan, so schonen wir nicht nur unsere Kräfte sondern auch die der Mopeds. Feiner Sand auf einer geölten Kette ist eine schlechte Kombination.

Wir warten 2 Stunden und erholen uns im Schatten. Als wir nachfragen, ob wir später neben unseren Mopeds unter einem Überstand unsere Luftmatten ausrollen können, macht man uns plötzlich eine neue Rechnung auf. Wir sollen für die Übernachtung und die Fahrt zum Krater insgesamt 100USD zahlen. Ungläubig schütteln wir den Kopf, aber der Typ lässt sich nicht auf unsere Argumente ein und verlangt weiterhin den horrenden und völlig inakzeptablen Preis. Wir sind sauer, denn wir haben zwei Stunden wertvolle Zeit verloren. Inzwischen ist es kurz vor Sonnenuntergang und ob wir es noch im Hellen zum Krater schaffen, ist fraglich. Wenn wir das Naturschauspiel erleben wollen, müssen wir es aber zumindest versuchen.

Nach wenigen hundert Metern im tiefen Sand schwinden unsere Hoffnungen. Es ist müßig zu zählen, wie oft wir umfallen oder steckenbleiben. Ein Junge mit Mofa ist uns gefolgt und zeigt sich sehr hilfsbereit beim Ausgraben der Bikes, aber schließlich müssen wir vor der einsetzenden Dunkelheit kapitulieren und suchen uns einen Zeltplatz. Über die Hügel schimmert der Feuerschein des ca. 4km Luftlinie entfernten Kraters in den Nachthimmel. So nah und doch so fern, was unsere Wut auf den Typ von der Raststation noch mehr steigert. Gegen 22 Uhr kommen zwei andere Jungs mit ihrem Mofa zu unserem Camp und versuchen uns mit Händen und Füßen zu überreden, dass sie uns zum Krater bringen. Wir wimmeln sie schließlich ab und verbringen eine kurze Nacht in der Wüste.

Um 06 Uhr packen wir zusammen und wühlen uns durch den Sand zurück an die Straße; wir säubern die Ketten bestmöglich, pumpen die Reifen wieder auf und machen uns dann auf die 250km lange Strecke Richtung usbekische Grenze. Auf den letzten 100km fahren wir über 80km auf einer Straße, die diesen Namen eigentlich nicht mehr verdient hat. Schlaglöcher, Risse, aufgefalteter Asphalt – was muss geschehen, dass eine Straße schließlich so aussieht? Und wieso wird sie nicht repariert? Das Video ist eine Zusammenfassung unserer Fahrerlebnisse in Turkmenistan:

 

Als wir die Grenze erreichen, sehen wir wartende Menschen vor einem geschlossenen Tor. Oh nein, ist dieser Grenzübergang etwa sonntags geschlossen? Wir rollen näher und ein Soldat hinter dem Tor tritt heran und öffnet dieses für uns. Nur wir werden durchgelassen, die anderen (Turkmenen bzw. Usbeken) müssen weiter warten. Nach einer kurzen Passkontrolle schickt man uns zur Abfertigungshalle. Auch hier werden wir bevorzugt behandelt und werden an den anderen Wartenden vorbei nach vorne gerufen. Es ist schon fast peinlich. Die Grenzformalitäten werden wie bei der Einreise effizient erledigt und bald sind wir auf dem Weg durch das Niemandsland zum usbekischen Grenzposten. Auch hier wird nur für uns das Tor geöffnet und man nimmt sich unserer Abfertigung umgehend an. Insgesamt haben wir gut 90min für Aus- und Einreise benötigt, wir hatten mit viel mehr Wartezeit und langsamerer Abfertigung gerechnet. Da können sich die Iraner eine Scheibe von abschneiden.

 

Nun sind wir also in Usbekistan. Vor uns liegt weites, flaches grünes Land. Die Straße führt uns nach Nukus, unserer ersten Station in diesem Land. In unserer Unterkunft treffen wir die Französin Marie wieder, die wir bereits zwei Mal unterwegs an der Straße gesprochen haben. Sie war am selben Abend am Gaskrater als wir hin wollten, von ihr haben wir freundlicherweise die Fotos bekommen.

Von Nukus aus werden wir einen Abstecher zum ehemaligen Ufer des Aral-Sees machen, ehe wir südostwärts nach Chiva, Buchara und Samarkand fahren.

 

Zu den Fotos: Turkmenensteppe

 

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