Alser-On-Tour

Die Metropole am Bosporus

10.06.-16.06.2012 Unterwegs im ehemaligen Konstantinopel


Istanbul: Seit Jahrtausenden besiedelt, schon im Mittelalter eine Weltstadt und heute ein Magnet für Touristenströme aus aller Welt.

Unser bereits vorab gebuchtes Hotel liegt mitten im historischen Stadtteil Sultanahmet und wir blicken von unserer Terrasse auf das Marmarameer. An dieses Hotel ist seit letzter Woche ein Päckchen aus Deutschland an uns unterwegs, in dem sich neben einigen Ersatzteilen auch Unterlagen für die weitere Reise befinden.

Sultanahmet liegt auf der europäischen Seite der durch den Bosporus geteilten Stadt. Hier befinden sich unzählige historische Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel die ehem. Kirche und Moschee Hagia Sophia oder die Sultan-Ahmed-Moschee (eher bekannt als „blaue Moschee“).

Es gibt also viel zu tun für uns Touristen. Bei der Ankunft am Sonntagvormittag gehen wir davon aus, dass wir drei Tage Zeit für die Stadt haben. Wir stürzen uns also schon am Mittag in das Gewühl. An der Blauen Moschee geht es zu wie im Bienenstock, um uns herum summt eine Vielfältigkeit von Sprachen und Kulturen.

Um eine Moschee betreten zu dürfen, wird man gebeten, die Schuhe auszuziehen und Schultern und Knie zu bedecken. Frauen sollten zudem ein Kopftuch tragen. Hierfür bekommt man bei Bedarf am Eingang der Blauen Moschee große Tücher ausgeliehen, was sich manche Besucher auch um die Hüften zur Beinbedeckung wickeln. Leider ziehen sich manche Frauen das Tuch in der Moschee wieder vom Kopf; schade, dass es immer Menschen gibt, denen es am nötigen Respekt gegenüber dem Gläubigen (Gastgeber) fehlt.

Uns ist aufgrund der vielen Besucher zu viel Unruhe in der Moschee, der konstante Geräuschpegel und die pausenlos knipsenden Fotoapparate passen überhaupt nicht in dieses Ruhe ausstrahlende Bauwerk. Das gilt auch für die Hagia Sophia, dem nächsten weltweit bekannten Wahrzeichen Istanbuls. Zunächst Hauptkirche des byzantinischen Reiches, nach der osmanischen Eroberung dann in eine Moschee umgewandelt wird das Gebäude heute als Museum genutzt. Von der Menschenfülle abgesehen ist es schon interessant, die christlichen und muslimischen Zeichen und Bildnisse so direkt nebeneinander zu sehen und die 1400 Jahre alte Baukunst zu bewundern. An einem Abend findet vor der Hagia Sophia die Show einer türkischen Tanztruppe statt; in welcher Eleganz und Geschwindigkeit die die Beine schwingen können, zeigt folgendes Video:


Neben der Besichtigung des spätantiken unterirdischen Wasserspeichers Cisterna Basilica unternehmen wir auch eine kleine Schiffstour auf dem Bosporus und genießen den Blick auf diese facettenreiche Stadt. Ansonsten nehmen wir uns viel Zeit durch die Straßen zu streifen und uns den Trubel anzuschauen. In den Märkten und Basaren buhlen die Händler um die Aufmerksamkeit – und Kaufkraft – der Touristen, wir wimmeln sie jedoch erfolgreich ab. Unsere Begründung, dass wir in einem Zelt leben und keinen Platz für einen Teppich auf dem Motorrad haben, verstehen sie wahrscheinlich eh als plumpe Ausrede :-)

Verlässt man die direkte Umgebung rund um das Altstadtzentrum in Sultanahmet, verebben die Touristenströme und man bekommt einen besseren Blick auf das „normale“ Leben in Istanbul. Die Preise halbieren sich und die Menschen sind weniger aufdringlich und gleich viel freundlicher. Istanbul ist eine Stadt voller Kontraste. Historische Gebäude und moderne Hochhäuser sind nur eine kurze Luftliniendistanz voneinander entfernt; große Einkaufszentren ziehen die Einwohner genauso an wie die alten bunten Märkte. Auch bei den Menschen stellen wir große Unterschiede fest. Viele sind westlich-europäisch gekleidet, aber wir sehen auch sehr viele Frauen, die nicht nur ein normales Kopftuch tragen, sondern auch den Gesichtsschleier Niqab und ein komplett den Körper verhüllendes Gewand. Das hatten wir grad in der Metropole Istanbul, dem Inbegriff des modernen türkischen Staates, überhaupt nicht erwartet.

 

Wir verfolgen natürlich auch den Verlauf der Fußball-EM und gehen am Mittwochabend in ein türkisches Restaurant, wo wir auf Großleinwand das Spiel der deutschen Mannschaft gegen die Niederlande schauen. Es kommen auch einige orange-gekleidete Holland-Fans und wollen zum Spiel ein Bier trinken. In diesem Restaurant wird allerdings kein Alkohol ausgeschenkt, so dass die Oranje umgehend wieder abtigern. Dies ist eben ein anderer Kulturkreis mit anderen Sitten. Das merken wir auch immer dann deutlich, wenn der Muezzin 5 Mal am Tag zum Gebet ruft. Aufgrund der Dichte an Moscheen in der Stadt ertönen viele unterschiedliche Gesänge gleichzeitig; vermischt mit dem normalen Straßenkrach einer Großstadt ergibt das einen intensiven, exotischen Klangteppich.

 

Zu den Fotos dieser Woche: Türkei – Istanbul

 

zum nächsten Kapitel: Türkei - Anatolien

Tagebuch Übersicht