Alser-On-Tour

Vorbereitung der Verschiffung nach Neuseeland

22.12.2012-06.01.2013 Die Mopeds werden transportfertig gemacht und gehen auf die Schiffsreise nach Neuseeland während wir erstmal 2 Wochen Urlaub machen.


Zum fünften Mal gehen unsere Mopeds auf eine eigene Exkursion. Es wird der vorletzte Transport dieser Reise sein. Es geht für unsere Reisegefährten mit dem Schiff von Bangkok nach Auckland Neuseeland. Von dort werden sie Mitte März den gut achtwöchigen Heimweg, ebenfalls per Containerschiff, nach Deutschland antreten.

Die geplante Verschiffung nach Neuseeland beschäftigt uns bereits seit Mitte November. Von anderen Motorradreisenden haben wir Kontaktdaten verschiedener Speditionen in Thailand und Malaysia erhalten und diese per Email um Angebote gebeten. Malaysia scheidet schnell aus wegen zu hoher Kosten und wir entscheiden uns für Bangkok als Verschiffungshafen. Von den zehn angefragten Speditionen antworten 5 und zwei liefern detaillierte Angebote ab, ein schwaches Bild.

 

Anfang Dezember treffen wir uns mit Jimmy von M-Intercorp in Bangkok. Nach dem bereits sehr netten Email-Kontakt ist das persönliche Gespräch ebenfalls positiv und wir sagen ihm die Verschiffung zu. Es ist unsere ausdrückliche Bitte, dass die Kisten bereits vorab gebaut und begast werden (desinfiziertes Holz ist Voraussetzung für die Einreise in Neuseeland), damit unsere Mopeds und das ganze Gepäck nicht direkt dem Gift ausgesetzt werden. Wir einigen uns auf den 20. Dezember zum Verpacken der Mopeds im Hafen von Bangkok.

Nach unserer letzten Einreise nach Thailand von Malaysia kommend, übergeben wir am 17.12. das Zolldokument mit den Kopien sämtlicher Papiere (inkl. Führerschein) an den Zoll, damit die Ausreisepapiere erstellt werden können. Ohne diese dürfen wir nicht in den Hafen, sagt der Zoll. Das ist das erste Mal in unserer Transport-Erfahrung, dass eine Zollbehörde die Papiere erstellt, ehe die Ware ausfuhrbereit am Hafen/Flughafen ist. Als der Zoll am nächsten Morgen auch noch unsere beiden Reisepässe im Original haben will, werden wir langsam ungehalten. Aber leider können wir nichts dagegen tun und geben mit einem unguten Gefühl unsere wichtigsten Reisedokumente aus der Hand.

 

Um die Einreisebedingungen für Neuseeland zu erfüllen, müssen unsere Mopeds blitzeblank geputzt sein, also ohne jeglichen Dreck und Insekten. Zu diesem Zweck schicken wir unsere Mopeds durch eine intensive Wäsche; sie werden insgesamt jeweils 4 Mal eingeschäumt und abgeschrubbt. So sauber waren sie wohl nicht mehr, seit wir sie im Frühjahr 2009 bei BMW abgeholt haben :-)

Nach der Reinigung nehmen wir noch einige kleinere Arbeiten vor, z.B. gibt es neue Reifen, Luftfilter, Bremsen, Ritzel und für die F800 eine neue Kette. Diese Arbeiten haben wir bei „Dynamic Motorcycles“ in Auftrag gegeben, einer kleinen Werkstatt, die viel an Overlander Bikes arbeitet. Trotz detaillierter Bestellung (die vom Chef bestätigt wurde) und Erinnerungsemail wenige Tage vor dem vereinbarten Termin, scheint man über unser Auftauchen am Mittwochmorgen sehr erstaunt zu sein. Von unseren vorab bestellten Teilen ist nichts vorhanden. Die ersten zwei Stunden bestehen hauptsächlich aus Warten, weil der Mechaniker mit dem Mofa zum Großhandel gefahren ist. Natürlich gibt es da nicht die gute DiD Kette sondern nur eine O-Ring Kette, die auch kein Nietschloss hat. Die Arbeiten werden nicht fachmännisch ausgeführt, obwohl man die Werkstatt in Traveler Kreisen empfiehlt. Was eigentlich in einem halben Tag Arbeit hätte erledigt werden können, dauert nun einen ganzen Tag.

Zwischendrin bekommen wir noch einen Anruf von Jimmy, der Rückmeldung vom Zoll erhalten hat. Natürlich sind die Papiere nicht am 20.12. fertig und so verschieben wir das Verpacken um einen Tag.So viel zu unseren Planungen...

 

Nach unseren bisherigen Erfahrungen sollte die ganze Aktion im Hafen nach drei Stunden erledigt sein. Aber bereits früh am Vormittag dämmert uns, dass es ein langer Tag werden könnte. Im Folgenden sind die wichtigsten Meilensteine eines zwischendrin recht chaotischen und insgesamt anstrengenden Tages aufgelistet:

10:00 Uhr
Wir treffen Jimmy und seinen Kollegen am Eingang zum Hafen und folgen ihrem Auto zum Packschuppen. Dort, wo wir schließlich nach wenigen Minuten anhalten, ist aber nicht der Packplatz; stattdessen warten wir hier auf die Zolldokumente. Es ist unverständlich, warum wir nicht schon mit dem Verpacken am Lagerhaus beginnen können, während wir auf die Papiere warten. Nein, ohne Dokumente können wir nicht starten, heißt es.

11:30 Uhr
Wir warten immer noch auf die Zollpapiere, die ja eigentlich schon längst fertig sein müssten. Wozu sonst haben wir vor zwei Tagen sämtliche Papiere inkl. Reisepass eingereicht?

11:40 Uhr
Endlich gibt es grünes Licht hinsichtlich der Zolldokumente und wir fahren zum eigentlichen Packschuppen, wo jedoch weit und breit keine Transportboxen zu sehen sind. Der muffelige Lagerhaus-Vorarbeiter weigert sich, unsere Mopeds mit Benzin im Tank und Motoröl anzunehmen. Das wäre zu gefährlich. Wie bitte? Das hören wir das erste Mal und wir machen ihm klar, dass wir schon mit mehr Restbenzin im Tank unsere Bikes per Flugzeug verschickt hätten. Unserer Miene ist zu entnehmen, dass es hier keine weitere Diskussion geben wird. Schließlich bittet man uns, die Tankdeckel zu öffnen, damit das Restbenzin verdunsten kann. Uns fehlen die Worte!

11:45 Uhr
So langsam wird klar, dass man nur Wartezeit herausschinden will, denn vermutlich sind die Boxen nicht fertig. Die nächste Info folgt einen Augenblick später: die Boxen sind zu groß. Ja und? Das ist besser als zu klein! Wir sollen jetzt schon mal anfangen, die Vorderräder auszubauen. Das lehnen wir ab, wenn wir nicht wissen, wo die Paletten liegen werden. Anscheinend hat hier niemand eine Ahnung, wie umständlich es ist, ein vorderradloses 207kg schweres Motorrad zu bewegen.

12:00 Uhr
Es kommt Bewegung auf, die Paletten werden geliefert. Aber Moment... auf dem Pick-up Truck liegen nur die Bauteile für EINE Box. Als dann eine weitere Stunde verstreicht steht für uns fest, dass die zweite Kiste noch nicht fertig ist, weil – entgegen unserer ausdrücklichen Bitte von vor 10 Tagen – erst heute mit dem Kistenbau begonnen wurde. Wahrscheinlich gab es die ersten 90min unserer Warterei auch keine Zollschwierigkeiten, sondern es war eine schnöde Hinhaltetaktik wegen der fehlenden Boxen.

12:16 Uhr
Die Palette ist trotz unserer detaillierter Vorgaben (inklusive Fotos) ungenau gebaut, es fehlen Stabilisationshölzer für die Gabelholme. Da muss der Schreiner nochmal ran. Wir stellen in der Zwischenzeit die F650 auf die Palette und beginnen mit der eigentlichen Arbeit.

13:00 Uhr
Zum Glück haben wir viele eigene Zurrgurte dabei, denn hier gibt es nicht einen einzigen. Und das ist ein Packschuppen? Ursprünglich sollten wir die Mopeds einfach im Hafen abliefern (bzw. sie wären sogar vom Hotel abgeholt worden) und der Packschuppen würde sich um alles kümmern. Batterie abklemmen, Räder ausbauen, Lenker runter setzen und Spiegel abbauen – das hätte NIE geklappt!

14:00 Uhr
Immerhin stimmt die Musik auf dem Gelände, der Gabelstaplerfahrer hört lautstark Dire Straits

14:45 Uhr
Seit 15min ist die F650 fertig verpackt, die Seitenteile und der Deckel sind vernagelt. Die zweite Palette ist noch immer nicht geliefert. Jimmy hat inzwischen unseren Verdacht bestätigt, dass die Kistenteile erst heute gezimmert werden. Er informiert telefonisch seinen Chef, dieser legt beim Packschuppen-Betreiber Beschwerde ein und plötzlich sind alle freundlich und mit Feuereifer dabei.

14:57 Uhr
Der Pick-up mit der zweiten Palette fährt vor

15:00 Uhr
Die F800 steht auf der Palette

15:13 Uhr
Das Vorderrad ist ausgebaut, das Moped richtig platziert und wir beginnen mit den Feinheiten des Verzurrens und Packens.

15:25 Uhr
Gepäck und Moped sind auf der Palette verpackt, nun fehlen nur noch die Seitenteile und der Deckel. Was jetzt gute 25min gedauert hat, hatte vorhin bei der F650 noch über zwei Stunden gebraucht.

16:03 Uhr
Die Seitenwände und der Kistendeckel werden geliefert und angenagelt.

16:08 Uhr
Gegenüber wird Container OOLU 104070 geliefert, in dem unsere Kisten übermorgen auf große Reise gehen werden. 

16:50 Uhr
Nach 7 Stunden im Hafen sind wir endlich auf dem Rückweg.

 

 

Die Zusammenarbeit mit Jimmy und M-Intercorp war angenehm. Unsere Rückfragen sind zeitnah beantwortet worden und wir sind zufrieden mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir sind die ersten Kunden, für die die Spedition Motorräder verschickt, sie würden nach eigener Aussage auch jederzeit wieder ein solches Geschäft annehmen. Hoffentlich hat auch der Packschuppen aus dieser Erfahrung gelernt, denn die dort verursachten Verzögerungen sind einfach nervtötend und unnötig.

 

Zurück im Hotel packen wir unsere wenigen Sachen, die nicht mit in die Kisten gegangen sind, zusammen, denn für uns geht es früh am nächsten Morgen in den Urlaub!

Auf der Ferieninsel Koh Phangan verbringen wir knapp 2 Wochen, in denen wir hauptsächlich ausruhen, viel lesen und im Meer bzw. Pool schwimmen. Die Weihnachtstage verbringen wir mit unseren Münchener Freunden Pepi und Martin, die ihre fünfwöchige Thailandreise hier zum Abschluss bringen. Es sind gemütliche, ruhige Tage. Am 28.12. bekommen wir unser Weihnachtsgeschenk. Wir gehen auf 2 Tauchgänge am sogenannten Sail Rock, 15km nördlich von Koh Phangan, wo wir in 12m Tiefe die lebendige Unterwasserwelt bestaunen.

 

2013 beginnt ganz ruhig für uns, aber so gemächlich wird der Rest des Jahres sicher nicht bleiben. Es steht viel Aufregendes an und wir freuen uns auf die letzten 4 Reisemonate, die uns nach Vietnam, Singapur, Kuala Lumpur, Queensland, Neuseeland, das südöstliche Australien und Dubai bringen werden. Zum 1.5. wird Deutschland uns wiederhaben. Wir sind sehr gespannt auf 2013!

 

Zu den Fotos geht es über diesen Link: Thailand – Verschiffung

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