Alser-On-Tour

Ein neues Reisekapitel beginnt

22.10.-28.10.2012 Die ersten Tage in Bangkok, die Brücke am Kwai und Blicke nach Burma


Neben dem Abholen der Mopeds vom Flughafen und der Vorbereitung unserer Südostasienrunde nutzen wir die Tage in Bangkok zum Akklimatisieren (sowohl hinsichtlich des neuen Kulturkreises als auch des schwül-heißen Wetters) und Kennenlernen der Stadt. Thailands Hauptstadt hat ca. 7mio Einwohner und bietet eine interessante Mischung zwischen moderner Metropole und traditioneller Kultur. Tempel und Buddha-Statuen sind allgegenwärtig im Stadtbild, der Buddhismus ist fest im Alltag der Thais verankert. Auch die Zeitrechnung verläuft im buddhistischen Kalender. Daher befinden wir uns nicht nur im Jahr 2012 sondern gleichzeitig auch im Jahr 2555.

Aufgrund seiner vielen Wasserstraßen wurde Bangkok früher auch das „Venedig des Ostens“ genannt; die Wasserwege wurden mittlerweile gegen geteerte Straßen und Brücken getauscht, aber es gibt noch die Wassertaxis auf dem Chao Phraya – eine gute Transportalternative zum Straßendschungel mit einen Blick auf die Stadt.

Nachdem wir unsere Mopeds gemeinsam aus dem Zoll geholt haben nehmen wir am nächsten Tag Abschied von Marko, er wird mit seiner für 3 Wochen aus Deutschland eingeflogenen Freundin weiter reisen. Wir bleiben einen weiteren Tag in Bangkok, um den alljährlichen Gesundheitscheck durchführen zu lassen. Hierfür gehen wir in ein Krankenhaus, was uns von unserem Bekannten Michael, der seit einiger Zeit hier lebt, empfohlen wurde. Die entspannte und ruhige Atmosphäre in diesem „Gesundheitszentrum“ erinnert wenig an die Tristesse eines deutschen Pendants. Interessant, wie viel die entsprechende Innenausstattung ausmachen kann. Nach zwei Stunden bekommen wir das Ergebnis der Untersuchungen; wir sind beide fit wie ein Turnschuh und haben die Herausforderungen der letzten Wochen gesundheitlich schadensfrei überstanden. Das hört man doch gerne!

Wir können uns also auf den Weg machen, Südostasien zu erkunden. Hier in den Tropen werden wir unsere warme Winterkleidung sicher nicht brauchen und lassen diese, gemeinsam mit weiterem Gepäck, dankbar bei Michael zurück. Die F650 konnte um ihre Koffer und eine Tasche erleichtert werden, herrlich!

Von Bangkok fahren wir auf einer kurzen ersten Etappe nach Kanchanaburi. Hier steht die aus Literatur und Film bekannte „Brücke am Kwai“. Während des Zweiten Weltkriegs ließ die japanische Besatzungsmacht aus strategischen Gründen eine Thailand und Burma verbindende Eisenbahnlinie errichten. Über 200.000 Menschen, sowohl alliierte (hauptsächlich britische, niederländische und australische) Kriegsgefangene als auch Zwangsarbeiter aus den Nachbarländern Thailands, wurden zum Bau der 415km langen Bahnstrecke gezwungen.

Im Museum gegenüber der Kriegsgräberstätte in Kanchanaburi wird in einer interessanten Ausstellung aufgezeigt, unter welchen unmenschlichen Umständen die Arbeit in unzugänglichem Terrain verrichtet werden musste. Es gab kaum adäquate Maschinen, viele Arbeiten wurden mit primitivem Werkzeug oder bloßen Händen ausgeführt. Hinzu kamen die desolate Hygiene im feucht-heißen Dschungelklima, die mangelhafte Ernährung und die Folter/Drangsalierungen der brutalen Aufseher. In Folge der Bauarbeiten unter diesen katastrophalen Bedingungen verloren 108.000 Menschen ihr Leben – ein immenses, unfassbares Kriegsverbrechen der Japaner!

Wir verlassen Kanchanaburi und erfreuen uns an guten Straßen und der üppig bewachsenen grünen Landschaft.


Überhaupt ist Thailand weit von dem entfernt, was wir die vergangenen Monate in den zentralasiatischen Ländern und dem indischen Subkontinent erlebt haben. Nur die Vorliebe für Plastik teilen die Thais ebenfalls; es wird alles was geht in Plastik verpackt und abgefüllt, zum Teil auch die Getränke.

Wir folgen dem Kwai flussaufwärts Richtung burmesische Grenze. Es wird übrigens „Kwä“ ausgesprochen – betont man es „Kwei“ spricht man tatsächlich von Wasserbüffeln, sehr zur Belustigung der Thai. Die Landstraße ist in einem sehr guten Zustand und sehr wenig befahren; so können wir nach langer Zeit mal wieder das Mopedfahren in allen Belangen genießen.

Im grenznahen Ort Sangkhlaburi beziehen wir eine kleine Holzhütte direkt am See und genießen die Idylle am Wasser auf unserem Balkon. Wir machen einen Abstecher zum 282m (!) hohen Drei-Pagoden-Pass, der heute recht unspektakulär die – selten offene – Grenze zwischen Thailand und Burma bildet. Über Jahrtausende handelte es sich um einen bedeutenden Verkehrsweg, über den vor ca. 2000 Jahren auch die ersten buddhistischen Lehrer aus Indien nach Thailand gekommen sein sollen.

Die kommenden Tage werden wir uns weiter nordwärts in Richtung Chiang Mai bewegen.

Zu den Fotos geht es hier: Thailand – Ankunft in Südostasien

Zum nächsten Kapitel: Thailand - Norden

 

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