Alser-On-Tour

Fahrvergnügen im Nordwesten Thailands

28.10.-04.11.2012 Königliche Tempel in Sukhothai, Wiedersehen in Chiang Mai und Kurvenspaß rund um den höchsten Berg Thailands


Sangkhla Buri ist insofern eine Sackgasse, als dass wir etwa 20km westlich von Myanmars (Burma) Grenzzaun aufgehalten werden - ausländische Fahrzeuge sind (noch?) nicht erlaubt. Nach Jahrzehnten der Isolation unter der Militärdiktatur öffnet sich Burma langsam für Touristen. Ein erster Schritt und so besteht die Hoffnung, dass man irgendwann auf dem direkten Landweg von Europa durch Burma nach Südostasien fahren darf.

Das sind zur Zeit aber noch Zukunftsträume. Wir müssen, um nordwärts zu gelangen, in Sangkhla Buri umdrehen und nach Kanchanaburi zurückfahren. Oder doch nicht? Nach ca. 60km auf der Landstraße 323 (es ist herrlich, wieder regelmäßig Schilder und Wegweiser an der Straße zu haben!) biegen wir auf eine kleine Seitenstraße ab. Der Asphalt endet bald und wir zuckeln auf einer etwas löcherigen, rütteligen Naturpiste mitten durch den Dschungel. Dieser Weg ist während der Regenzeit vermutlich unpassierbar – es sei denn, man wühlt sich mit Herzenslust durch den Matsch.

40km später endet die Piste am Si-Nakharin-Stausee. Ab hier geht es nur per Boot über den 1534km² großen See weiter. Zu unserer Freude läuft die Fähre keine 5min später ein und wir können an Bord fahren. Bald dämmert uns, dass wir uns gar nicht hätten beeilen müssen – der Fährkapitän legt sich nämlich erst einmal zum Mittagsschläfchen hin. Nach einer halben Stunde tuckern wir schließlich los und schauen uns auf der knapp einstündigen Überfahrt die grüne, hügelige Landschaft aus der Seeperspektive an. Neben einem Jungen und einer dreiköpfigen Familie mit Mofa sind wir die einzigen Passagiere; das ist nicht wirklich verwunderlich, denn wir sind hier weit abseits der Hauptstraße und so nutzen sicherlich überwiegend die Einheimischen die Fähre. Wir hatten den Tipp von unseren Freunden Alex und André bekommen, die hier letztes Jahr mit ihren Mopeds gewesen sind. Zeitlich bringt uns diese Abkürzung keine Verkürzung; wir sparen aber 100km Strecke und damit Benzingeld ein – nur um diese Ersparnis direkt in die überraschend teure Seeüberfahrt zu investieren :-)


Zurück auf der befestigten Straße gibt es nicht viel Interessantes zu sehen oder zu besichtigen und wir beschließen daher um 14.30 Uhr, noch 350km bis Sukhothai weiterzufahren. Auf den gut ausgebauten Hauptstraßen können wir problemlos unsere Durchschnittsgeschwindigkeit erhöhen und die verbleibende Strecke schnell verringern. Die letzten 80km fahren wir notgedrungen im Dunkeln, denn hier in den Tropen geht die Sonne kurz vor 18 Uhr unter. In Pakistan, Indien und den meisten anderen zentralasiatischen Ländern hätte eine Fahrt im Dunkeln großen Stress und möglicherweise auch Gefahr für uns bedeutet – deshalb haben wir es immer vermeiden wollen, nach Sonnenuntergang noch zu fahren. Im zivilisierten und entwickelten Thailand fühlen wir uns aber zu Recht sicher und kommen wohlbehalten in der geschichtsträchtigen Stadt Sukhothai an.

Sukhothai bedeutet „Morgenröte der Glückseligkeit“ und war vom 13. bis 15. Jahrhundert das erste thailändische Königreich nach der Unabhängigkeit von den kambodschanischen Khmer. Für die Thai haben noch heute die Ruinen von Sukhothai eine immense kultur-gesellschaftliche Bedeutung. Der Geschichtspark ist daher ein beliebtes Ziel von Touristen, einheimischen wie ausländischen, und entsprechend überfüllt. Wir steuern die weniger besuchte, aber nicht minder erhaltene Tempel- und Palastanlage Si Satchanalai 60km nördlich von Sukhothai an. Hier befand sich die zweite Residenzstadt des Königreiches mit vielen Tempeln unterschiedlicher Größe. Das Gelände ist weitläufig und wir freuen uns über das Moped als Fortbewegungsmittel durch den Park. Hier gefällt es uns gut, wir können in aller Ruhe und so gut wie alleine durch die von hohen Bäumen gesäumte Anlage streifen und die jahrhundertealten Ruinen auf uns wirken lassen.

 

Auf direktem Weg geht es am nächsten Tag nach Chiang Mai, der größten Stadt im Norden Thailands. Chiang Mais größte Attraktion sind die gut 300 buddhistischen Tempel in der Altstadt, die von einer heute noch teilweise erhaltenen antiken Stadtmauer umschlossen ist. Unser Bedarf an goldenen Buddha-Statuen und Tempelgebäuden ist mittlerweile gesättigt und so schauen wir uns nur zwei Tempel von innen an.

 Während wir durch die Straßen schlendern, sehen wir zwei BMW Mopeds mit französischem bzw. österreichischem Nummernschild vor einem Gästehaus stehen. Sie sind seit vielen Wochen die ersten Overlander, die wir sehen. Am zweiten Abend in Chiang Mai treffen wir uns mit dem Kanadier David, den wir schon im Herbst 2009 auf einem Motorradreisetreffen in Deutschland gesehen hatten. Er ist während seiner Weltreise hier „gestrandet“und baut nun neben einem kleinen Laden auch ein Gästehaus auf.

 

Die Gegend rund um Chiang Mai lockt den Mopedfahrer mit kurvenreichen Strecken und schönen Aussichten durch das hügelige Gelände. Gerne folgen wir dem Ruf nach zwei Tagen in der eher langweiligen Stadt und satteln wieder auf. Erstmalig seit dem Himalaya kommen wir wieder in Höhenlagen jenseits der 1000m; hier sind es plötzlich auch nur noch knapp über 20°C – wir genießen diese wenigen Minuten der angenehm frischen Temperaturen.



Südlich des 2565m hohen Doi Inthanon – Thailands höchstem Berg – führt uns die Straße durch ein Stück des gleichnamigen Nationalparks. Es ärgert uns, dass von ausländischen Touristen der zehnfache Eintrittspreis verlangt wird. Dass Touristen in Nationalparks und anderen Sehenswürdigkeiten höhere Preise zahlen, kennen wir bereits aus anderen Ländern und Kontinenten. Den zehnfachen Tarif im nicht ganz so armen Thailand zu erheben ist mehr als nur verwunderlich und einfach frustrierend.

 

Von Mae Sariang führt uns die Strecke weiter nordwärts, immer nahe entlang der Grenze zu Burma. In dieser Region leben einige Bergvölker, die zu den ethnischen Minderheiten in Thailand gehören. Dazu zählen auch die sogenannten Langhalsfrauen. Von Kindheit an tragen die Mädchen schweren Schmuck in Form einer Spirale um den Hals, so dass über die Dauer der Zeit die Schultern deformiert werden und der Hals dadurch länger wirkt. Seit Jahrhunderten sind diese Frauen eine Attraktion; heutzutage werden die Touristen in organisierten Touren in Schaudörfer gebracht. Einerseits ist es eine beachtliche und wichtige Einnahmequelle für die ganze Region, andererseits ist dieser „Ethno-Tourismus“ nichts anderes als Menschen begaffen. Das sparen wir uns!

 

Zu den Fotos geht es hier: Thailand – Der Norden

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