Alser-On-Tour

Eine Tour mit Freunden

Das Reisetagebuch einer abwechslungsreichen zweiwöchigen Tour mit vier Harleys und einer BMW durch Schottland im Juni 2010

(Part 3: 07.06.-12.06.10)


07.06.2010: Rundtour Glenelg – Isle of Skye / 310km

Nachdem wir gestern Abend die horrenden Fährpreise - für die 10min Überfahrt wären 5 Pfund pro Person und Mopped fällig - gesehen haben, ist der Entschluß, doch wieder "außen rum" zu fahren, schnell gefallen. Also schlängeln wir uns die 10km über den Berg zurück zur Hauptstraße, um dann nach 40km über die Brücke auf die Isle of Skye zu fahren. Wir verfahren zwar auch Sprit, aber da wir einen super Verbrauch haben hier in Schottland, kommen wir immer noch günstiger davon, als wenn wir die Fähre von Glenelg nach Skye genommen hätten.

Unsere in den vergangenen Tagen viel zitierte Wetterweisheit "Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist" bewahrheitet sich heute aufs Neue: das Wetter ist nicht abschätzbar, auf dem Festland ist es trüb-grau-nieselig, und auf der Isle of Skye wird es mit jedem Kilometer sonniger und wärmer. Mittags sitzen wir im T-Shirt in Dunvegan und lassen uns in der Sonne braten.

Wir fahren am Ort "Uig" dabei und fragen uns, wie man bitte auf so einen Ortsnamen kommt und wie der wohl korrekt ausgesprochen wird. Die gälische Kultur wird aktiv gepflegt, die Ortsnamen und Entfernungsanzeigen sind sowohl auf englisch als auch gälisch angezeigt.

An der Nordspitze der Insel wird der kurze Fotostop spontan verlängert, als Uwe S. und Josef die Klamotten ablegen und sich in das kalte Atlantikwasser schmeissen. Da wird einem schon vom Zugucken ganz fröstelig. Selbst der Kormoran sitzt auf dem Felsen und hält das Gefieder in die Sonne anstatt im Wasser zu paddeln.

Das Dunvegan Castle sehen wir uns nur vom Parkplatz kurz an und beschließen im Ort beim Mittagessen, die Talisker Whiskey Distillery zu besichtigen. Den Talisker hatten wir am ersten Abend in Schottland im Borthwick Castle getrunken, was uns gut geschmeckt hat. In der Distillerie riecht es in allen Hallen nach Whiskey, man schmeckt förmlich die Luft. Am Ende gibt es dann auch noch eine Verköstigung, wir nippen aber nur, schließlich müssen wir noch 100km zurück nach Glenelg fahren.

Sobald wir die Insel hinter uns lassen, bleibt auch das schöne Wetter zurück. Wir geraten an gleicher Stelle wie gestern bei der Umrundung des Loch Duich in Regenschauer. Die Wolken bleiben aber am Berg hängen und im Tal von Glenelg ist es wieder trocken.

Woran merken wir, dass wir uns dem Nordpol nähern und auf 58°N sind? Um 22 Uhr sind noch die letzten Sonnenstrahlen zu sehen, so richtig dunkel wird es nachts sowieso nicht bzw. nur kurz.


08.06.2010: Ruhetag in Glenelg

Heute teilen wir uns in drei Gruppen auf; Josef, Marlene und Uwe fahren nochmal eine kleine Runde über Skye und haben dort wieder bestes Wetter während es am Loch Duich wieder regnet.

Uli und Uwe V. sind mit dem Auto nach Inverness unterwegs und freuen sich, dass sie bei dem Regen entlang des Loch Ness ein Dach überm Kopf haben.

Ich bleibe in unserem Cottage, sortiere Fotos, lese mal wieder ausführlich und mache mich am Mittag zu Fuß auf den 2.5km langen Weg in den eigentlichen Ort Glenelg, um mir im Tante-Emma-Laden ein Sandwich zu kaufen. Auf dem Weg frage ich mich, wie genau die Menschen hier ihren Lebensunterhalt bestreiten. Sooo viele Schafe gibt es dann auch wieder nicht und auch die Farmen sind nicht so groß als dass man sich vorstellen könnte, dass man davon leben könnte. Unser Landlord zum Beispiel ist Farmer und vermietet zusätzlich noch Ferienhäuser. Aber Farmen seiner Größe gibt es nicht viele weitere hier im Ort, der eh ziemlich klein ist. Und wie gesagt völlig abseits liegt, denn man fährt aus dem Tal heraus alleine 10km und ist dann erst an der Hauptstraße. Am Tante-Emma-Laden steht ein Hinweisschild, dass der nächste größere Supermarkt 25 Meilen entfernt ist. Hier kommen ordentlich Kilometer auf die Autoreifen.



09.06.2010: Glenelg - Helensburgh // 440km

Morgens geht der Blick kritisch zum Himmel: kommt Regen aus den dunklen Wolken oder nicht? Es bleibt bei "oder nicht", wir kommen trocken nach Helensburgh.

Schottland scheint ein Dorf zu sein, denn beim Fotostop am Loch Garry treffen wir zwei holländische Motorradpärchen, die wir damit zum dritten Mal binnen 8 Tagen - an den unterschiedlichsten Stellen - sehen. Weitere "kulturelle Stops" sind an einem Ehrenmal für alle schottischen Soldaten, die in den Kriegen seit 1914 gefallen sind und dem Monument für Bonnie Prince Charlie in Glenfinnan, wo gleichzeitig die Brücke steht, über die der Hogwarts Express in den Harry-Potter-Filmen rattert. Diese Brücke, der Glenfinnan Viaduct, ist übrigens auf dem 10-Pfund-Schein, wie wir nach 10 Tagen in Schottland feststellen.

Nach einer zweiminütigen Fährfahrt über den Loch Linnhe führt uns die Strecke weiter über eine sehr schöne Passlandschaft, die Kulisse mit den unbewaldeten Bergen ist fantastisch. Einziger Haken: der Wind weht heftig; einen nur kurzen Schutz davor bieten die hohen Hecken und Steinmauern, mit denen die Schafweiden eingegrenzt sind.

Viele Baustellen verlangsamen uns heute, die Schotten sind eifrig am Ausbessern der Straßen und Erweitern von Brücken. Am Loch Lomond kommen noch mehr Touristenautos hinzu, so dass es recht voll wird auf den Straßen. Wir biegen dann bald von der Hauptstraße ab und fahren querfeldein auf die Rosneath Peninsula zu unserem Bed&Breakfast. Je mehr wir uns nähern, umso schäbiger wird die Umgebung bzw. die Häuser. Hm.. kein B&B in Sicht. Ah doch, hinter den hohen Bäumen und der Kirche findet sich ein echtes Schmuckstück. Wir sind uns einig, dass dies die beste Unterkunft der Tour ist. Ein wirklich hübsch eingerichtetes B&B, wo das Preis-Leistungs-Verhältnis perfekt ist. Zum Abendessen kehren wir in den örtlichen Pub ein, was sich nach dem Pub in Glenelg als weiterer Volltreffer erweist. Urige Atmosphäre, fantastisches Essen. Wir rollen uns zurück zum B&B. Mit den Nachbarn zur hinteren und rechten Seite wird es heute Nacht keinen Stress geben, die liegen nämlich schon ein paar Meter unter der Erde :-)

 

10.06.2010: Helensburgh - Annan // 350km

Nach einem leckeren Full Scottisch Breakfast schwingen wir uns gut gestärkt auf die Mopeds und setzen die Tour nach Süden fort. Auf der Hauptstraße fahren kann jeder, wir nehmen eine gut versteckte aber interessante Single Track Straße Richtung Loch Lomond und fahren weiter herrliche Wege durch den Queen Elizabeth National Forest, ehe wir im Straßendschungel von Falkirk landen. Das Falkirk Wheel, ein modernes Schiffshebewerk, mutet etwas touristisch an für unseren Geschmack, aber die Ingenieurleistung ist trotzdem beeindruckend.

Kurz vor Falkirk hatten wir die beiden Uwes verloren, die wir dann erst am Falkirk Wheel wiedertreffen. Ein Gutes hatte es: die zwei waren am Monument von William Wallace, so dass wir auch hiervon ein Foto haben.

Der Weg aus Falkirk zieht sich, wir sind etwas genervt von dem Gegurke durch die Orte, die zudem auch immer häßlicher werden, je mehr wir uns England nähern.

Plötzlich sind wir aber wieder in der schönen Natur: über 90km fahren wir eine schöne Single Track Straße durch den Galloway Forest National Park, inklusive Schafherde und Kühen auf der Straße. Hier ist zum Glück wieder wenig Verkehr.

Apropos Verkehr, während der bisherigen 3000km auf schottischen Straßen haben wir reichlich Zeit gehabt, den Verkehr zu studieren. Unser Fazit: es gibt nur Schleicher oder Raser, ein Mittelding zwischen den beiden Extremen ist nicht existent. Die Schleicher sind wohl Touristen im Mietwagen; bei den Rasern merkt man, dass sie sich auf den Straßen auskennen, denn ihre Überholmanöver enden manchmal erst kurz vor der Kurve oder Kuppe. Auch bei der Größe der überholenden Fahrzeuge gibt es kein Limit: man staunt nicht schlecht, wenn plötzlich ein Kleinlaster an einem vorbeibrettert.

Und wo wir grad dabei sind, die Straßen in ihrer Beschaffenheit sind durchaus ein Abenteuer für sich. Schlaglöcher, Viehgatter, unübersichtliche Kurven und die vielen "Dips". Man fährt auf eigentlich grader Strecke und regelmäßig verschwindet der Vordermann in der Straßensenke, um kurze Zeit später wieder aufzutauchen.

 

11.06.2010: Annan - Newcastle // 140km

Letzte Etappe auf der Insel, nach 20km lassen wir Schottland hinter uns und fahren die verbleibenden 120km bis Newcastle in England.

Die gute Nachricht am Vormittag: die Sporty ist in letzter Minute fertig repariert und Uwe kann endlich wieder Moped fahren, wir werden ihn direkt an der Fähre treffen.

Unser erster Stop ist in Gretna Green, von dem Geheimtipp für Heiratswütige ist aber schon lange nichts mehr zu merken. Die Touris werden busseweise angekart, um die Hochzeitskapelle im Schmiedeschuppe zu fotografieren. Also schnell weiter.

Wir machen noch einen Stop und bestaunen Überreste von "Hadrians Wall", der 120km langen Mauer von Küste zu Küste, die der römische Kaiser Hadrian vor fast 2000 Jahren nach seinem Besuch in England bauen ließ.

Ein letzter Tee- und Kaffeepause im Pub - in einem Ort namens Twice Brewed... nähere Hintergründe zur Namensgebung muss ich noch recherchieren - und wir kommen 70km später in Newcastle an. Uff, Stadtverkehr ist anstrengend. Schließlich ist es geschafft und wir werden um 14.30 Uhr von Uwe im Hafen begrüßt.

Der Check-in zieht sich ewig, wir brauchen über zwei Stunden bis wir endlich auf die King of Scandinavia fahren und die Mopeds verzurren können.

Die Überfahrt verläuft ruhig, man kann sich richtig den guten Burger schmecken lassen, und wir lassen die vergangenen zwei Wochen bei einem tollen Sonnenuntergang Revue passieren: Schottland ist klasse!

 

12.06. 2010: Amsterdam – Bornheim /// 460km

Das Ausladen aus der Fähre geht schneller als das Einladen, wir rollen nur 15min nach dem Anlegen in Amsterdam von der Fähre. Die ersten 90km verlaufen gut, man gewöhnt sich dann doch schnell wieder an den Rechtsverkehr, auch wenn die ersten Meter ungewohnt waren. Der erste Tankstopp ist gemacht und schon geht es weiter Richtung deutscher Grenze.

Seit Annan hatte Ulis Fat Boy Probleme mit dem hinteren Radlager – die ganze Story würde hier den Rahmen sprengen -, welches dann bei Venlo endgültig den Geist aufgibt. Die Reise der Harley ist hiermit beendet. Jetzt konnte der ADAC das angekratzte Image von Uwes Ersatzteil-Odyssee wieder gutmachen: binnen einer Stunde ist der Abschlepper bei uns und nimmt die Harley Huckepack. So kommt es, dass Uwes Sporty auf eigenen Reifen heimfährt, aber Uli mit Annaleens BMW die letzten 300km der Reise abspult. Annaleen bleibt die einstündige Regenfahrt über die A61 erspart, sie kümmert sich um den weiteren Transport der Harley in die Werkstatt und darf dann in der vom ADAC zur Verfügung gestellten zweiachsigen Blechbüchse nach Bornheim fahren.

Wenn auch teilweise mit anderen Transportmitteln als geplant, kommen wir alle am späten Nachmittag gut, gesund und munter im eigenen Heim an. 

 

 

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