Alser-On-Tour

Eine Tour mit Freunden

Das Reisetagebuch einer abwechslungsreichen zweiwöchigen Tour mit vier Harleys und einer BMW durch Schottland im Juni 2010

(Part 2: 03.06.-06.06.10)


03.06.2010: Rundtour Easter Daziel Farm – John O‘ Groats / 465km

Ein weiterer Sonnentag weckt uns, so dass wir um 08.30 Uhr zu einer der längsten Etappen starten. Wir schlängeln uns durch den Berufsverkehr rund um Inverness und fahren auf der A9 gen Norden. Da diese die Hauptroute nach Norden, bzw. Süden, bedeutet, ist auf der einspurigen Straße verhältnismäßig viel los; durch die abgelegenen Single Track Straßen der letzten zwei Tage sind wir das ja schon fast nicht mehr gewöhnt.

Ein unverhofft sehr interessantes Fleckchen finden wir, als wir einen Geocache an den „Whaligoe Steps“ suchen und auch finden. Hier führen 365 Stufen in die Tiefe und nach einem kurzen Fotostop natürlich auch wieder hoch. Da es alles andere als kalt ist, kommt man bei dem Gestiefel leicht ins Schwitzen.

Im Gewühle von Inverness hatten wir heute früh Uwe im Auto verloren; als wir um kurz nach 12 Uhr nach dem Cache-Stop wieder auf die Mopeds aufsteigen, hat er uns aber wieder eingeholt. Gemeinsam erreichen wir kurze Zeit später John O’Groats, die nördlichste Stadt auf dem britischen Festland und machen Mittagsrast am Hafen. An der nördlichen Küste führt uns die Route westlich, die Landschaft ist wunderschön: Von Steilküste bis Sandstrand ist alles dabei.

Nach Süden fahren wir über ein Hochplateau mit Lochs, Schafweiden und kleinen Wäldern - die Single Track Straße bietet reichlich Fahrspaß.
Je näher wir an Inverness kommen, umso voller wird es wieder auf der Straße.


04.06.2010: "Ruhetag" rund um Inverness

Heute lassen Uli und ich die Mopeds stehen und fahren mit Uwe mit dem Auto. In Inverness machen wir ein paar Erledigungen und besuchen den alteingesessenen Clan der McDonalds mit ihrem Wappen, dem gelben M.

Wir umrunden anschließend Loch Ness, von Nessie aber keine Spur. Aber trotzdem ist es eine schöne Runde, auch wenn der Touri-Hype um Loch Ness uns nicht erreicht. Irgendwie ist es dann doch nur ein Gewässer. Auf der Tour treffen wir insgesamt drei Mal die anderen drei, die mit den E-Glides unterwegs sind.

Am späten Nachmittag besichtigen wir das Kriegsfeld von der Schlacht von Culloden. Die friedlich frühsommerlich blühende Landschaft lässt einen nur schwer vorstellen, was hier im April 1746 geschehen ist. Wir stehen wahrscheinlich auf den Gräbern von mehreren Tausend Soldaten der Jakobiten und der englischen Regierungstruppen.


05.06.2010: Rundtour Easter Dalziel Farm - Durness / 410km

Die heutige Etappe fahren Uli und ich alleine, während die anderen vier Ruhetag machen. Die Tour geht via Inverness nach Ullapool und weiter an der Westküste nach Norden. In Durness haben wir den nördlichsten Punkt erreicht, über schöne Single Track Roads in den Hochebenen der Highlands geht es wieder südlich über Bonar Bridge und Inverness.

Landschaftlich ist es wieder traumhaft, sowohl an der Küste als auch in den Hochebenen. Je näher wir dem Atlantik kommen, umso öfter fahren wir durch kleine Nebelbänke. Binnen kürzester Zeit sinkt die Temperatur von 15°C auf 10°C; wir huschen schnell durch den Nebel und sind bald wieder in der warmen Sonne, die vom blauen Himmel strahlt. Der Wettergott meint es seit Dienstag Mittag sehr gut mit uns.

Nach der Mittagsrast in Durness umrunden wir Loch Eriboll und biegen kurze Zeit später auf die bisher schmalste Single Track Straße; über 35km geht es einspurig durch die Einsamkeit, wir begegnen grad mal 3 Fahrzeugen. Zum Glück, denn das Ausweichen ist nicht so einfach.

Apropos nicht so einfach, die Ersatzteilbeschaffung für Uwes Sporty ist auch alles andere als einfach. Hatte der ADAC am Dienstag noch große Hoffnung geschürt, dass das Moped am Wochenende wieder fit ist, zerschlägt sich diese heute. Die Teile sind noch nicht mal versandfertig, frühestens am Montag gehen sie gen Schottland. Nun heißt es Daumen drücken, dass Uwe rechtzeitig sein Moped zurück bekommt, ehe wir am kommenden Freitag Schottland wieder verlassen. Die Informationsweitergabe beim ADAC ist leider wirklich mangelhaft, man muss ständig anrufen und spricht jedesmal mit einem anderen Mitarbeiter im Callcenter und erzählt die Story von vorne. Und dann kommen SMS vom ADAC "wir haben versucht, Sie zu erreichen. Bitte rufen Sie zurück." - dabei lag das Handy die ganze Zeit in Hör- und Greifweite.. da hat nichts geklingelt. So kann man natürlich auch Telefonkosten sparen.

Wie auch immer. Kurz vor der Rückkehr zur Easter Dalziel Farm machen wir noch einen Abstecher zum Fort George, welches heute noch aktiv militärisch vom Royal Regiment of Scotland genutzt wird. Eine Besichtigung von innen ist allerdings nicht mehr möglich, die Pforten sind ab 17.30 Uhr geschlossen.

Morgen ziehen wir dann wieder weiter, die vier Tage/Nächte im Pine Cottage der Easter Dalziel Farm haben uns richtig gut gefallen. Sehr empfehlenswert als Ferien Cottage – man muss sich halt selbst versorgen.


06.06.2010: Easter Dalziel Farm - Glenelg / 340km

Heute macht das gute Wetter der letzten 5 Tage Pause. Als wir um 09.30 Uhr fertig gepackt auf den Mopeds sitzen, ist der Regen aber schon so gut wie weg; allerdings zieht er westwärts, dummerweise genau wie wir - Richtung Isle of Skye.

Von Inverness sind wir schnell an der Westküste, die Strecke ist fantastisch und landschaftlich wieder traumhaft. Das finden wohl auch andere Touristen, denn auch wenn es grundsätzlich noch verhältnismäßig leer ist auf den Straßen, sind doch im Vergleich zu den Strecken im Norden mehr Fahrzeuge unterwegs. Mitten im Nichts überholen wir ein Wohnmobil aus dem Landkreis AZ; aber die Insassen sind uns unbekannt :-)

Die Route führt uns heute entlang des "Wester Ross Coastal Trail", wieder mal hauptsächlich über Single Track Roads, die an einigen Stellen sehr sehr eng sind. An der Küste kurz vor Applecross schlängelt sich die ohnehin schon sehr schmale einspurige Straße an einem Berg hoch – und auf der anderen Seite wieder runter – und macht das Rangieren mit Gegenverkehr zur Millimeterarbeit. Selbst wenn sich zwei Motorräder begegnen, sind nur wenige Zentimeter Platz.

In einigen Tälern/Fjordeinbuchtungen/wie-auch-immer-man-das-nennt schüttet es kräftig, im Nachbartal ist strahlender Sonnenschein - heute ist es bunt gemischt.

20km vor unserem Tagesziel halten wir am Eilean Donnan Castle, aber der Highlander schließt eine halbe Stunde später die Pforten, so dass wir heute nicht mehr das Castle von innen bestaunen. Die letzten Kilometer geht es dann wieder ins Nichts und wir landen im idyllischen , aber komplett ab-vom-Schuß liegenden Glenelg. Handyempfang gibt es nicht, dafür Schafe im Vorgarten. Wir beziehen das Cottage, wo wir die kommenden drei Nächte bleiben werden.

Der Dorfshop hat am Sonntag geschlossen, so müssen wir heute für uns kochen lassen. Einzige Möglichkeit in Glenelg: das Glenelg Inn. Gute Wahl, wir essen lecker in uriger schottischer Atmosphäre.

Nach dem Essen fahren wir noch zum Fähranleger, um die Abfahrtszeiten und Preise zu checken. In der Bucht schwimmen Seehunde, die Idylle an diesem ruhigen Ort ist so gut wie perfekt. Zum Einschlafen lauschen wir dem Käuzchen, noch mehr Idylle ist fast nicht zum Aushalten.

 

zurückÜbersicht weiterlesen