Alser-On-Tour

Eine Tour mit Freunden

Das Reisetagebuch einer abwechslungsreichen zweiwöchigen Tour mit vier Harleys und einer BMW durch Schottland im Juni 2010

(Part 1: 29.05.-02.06.10)


29.05.2010: Bornheim – Amsterdam Hafen / 440km

Wir starten pünktlich, wie verabredet, mit 5 Mopeds und 6 Reisenden daheim in Bornheim: mit uns unterwegs sind Marlene und Josef sowie die beiden Uwes.
Das Reisewetter hätte nicht besser bestellt sein können: bald haben wir die 20°C erreicht und kommen bei freien Autobahnen schnell über die A61 zur niederländischen Grenze. Auf dem Weg, auf Höhe von Bergheim, haben wir einen kurzen Schreckmoment: Das Schaltgestänge von Uwes E-Glide löst sich mitten auf der Autobahn, dies lässt sich aber fachmännisch provisorisch mit zwei Kabelbindern fixieren. Vielleicht kann der Harley-Händler in Edinburgh Abhilfe schaffen.

In Ijmuiden, dem Hafen von Amsterdam, treffen wir dann noch Ina und Tim, die mit ÖPNV aus Rotterdam eine größere Anstrengung unternommen haben, uns zu verabschieden. Leider war die Zeit zu kurz, aber das Wiedersehen war trotzdem toll.

Um 16.30 Uhr sind wir für die Fähre eingecheckt und können direkt an Bord, wo wir die Mopeds eng neben den schon geparkten Autos festzurren. Aber hier sollte eigentlich nichts schief gehen.

Die Überfahrt ist entgegen heimlicher Befürchtungen sehr ruhig, die „King of Scandinavia“ gleitet sanft über die Nordsee. Die prophylaktisch eingenommene Tablette gegen Reisekrankheit stellt sich als überflüssig heraus, sie macht dafür sehr müde und sorgt für einen langen, sehr guten Schlaf. Die Kabine ist deutlich besser und komfortabler als der Liegewagen im Reisezug, die Betten haben richtige Matratzen und „richtige“ bezogene Kissen/Bettdecken. Das mitgebuchte Frühstück am anderen Morgen lässt auch kaum Wünsche offen und so legen wir gut gestärkt in Newcastle an.


30.05.2010: Newcastle-upon-Tyne – Borthwick Castle / 217km

Während wir, schon an Land, morgens um 09.30 Uhr auf die britische Zollabfertigung warten, fängt es an zu regnen. Es weht ein kühler Wind, das Moped-Thermometer zeigt den ganzen Tag nicht mehr als 6-8°C an. Immer wieder geraten wir in einen Schauer, aber auch die Sonne zeigt sich ab und an. Es ist wie in Melbourne: es gibt 4 Jahreszeiten an einem Tag.

Wir fahren nordwärts und erreichen nach 80km die schottische Grenze. Die Landschaft bedient alle Klischees, die man so haben kann: hügelig, saftiges Grün, kleine und kurvige Straßen. An den Linksverkehr gewöhnt man sich schnell, auch auf den kleinen Landstraßen ist es kein Problem, die Spur zu halten.
Um kur nach 15 Uhr haben wir die Unterkunft für die kommende Nacht erreicht: Borthwick Castle, ca. 30km südlich von Edinbourgh.

Das Schloß, zumindest übersetzen wir so das Wort Castle, erinnert eher an eine Burg, ist aber urgemütlich und man fühlt sich direkt um Jahrhunderte zurückversetzt. Es gibt heute noch Mauerwerk von 1430, die Wände sind teilweise 4m dick. Was für eine Festung. Wir lernen bei der Schlossführung, dass Oliver Cromwell vergeblich einen Angriff startete, die Spuren der Kanoneneinschläge sind allerdings noch in der Außenmauer zu sehen. Die Räume sind alle individuell gestaltet, keiner gleicht dem anderen. Im Erdgeschoß gibt es einen großen Aufenthaltsraum, im Kamin knistert das Feuer. Links und rechts stehen Ritterrüstungen, auch sonst belegen unzählige Accessoires die Geschichte dieses Hauses.
Die Fotos geben die Atmosphäre hoffentlich wieder.


31.05.2010: Borthwick Castle – Edinburgh / 30km

Die kürzeste Etappe der ganzen Reise. Nach einem echten schottischen Frühstück mit Porridge und Speck, Eiern, Black Pudding und Toast fahren wir um 09 Uhr durch das Burgtor. Bald haben wir die Stadtgrenze von Edinburgh erreicht; wir fahren zunächst den Harley-Davidson Händler an, bleiben aber nur ein paar Minuten. Uwes Ersatzteil für den Schalthebel haben sie eh nicht vorrätig. Also ab zum Quaich Guesthouse, unserer B&B Unterkunft für die nächste Nacht. Leider macht Uwe V.'s Sporty auf einmal Probleme, so dass er letztendlich zum Händler zurückkehrt. Die Diagnose: 3 Wochen Lieferzeit für das nötige Ersatzteil an der Lichtmaschine, wir müssen nun die Karten neu legen, wie es für ihn weitergehen soll. Wir werden morgen mit dem ADAC telefonieren bzgl. eines möglichen Rücktransports der Sporty.

Wir verbringen den Tag in der Stadt, Uli und ich besichtigen zwei Stunden das Edinburgh Castle. Geballte Geschichte an diesem Ort, sehr beeindruckend. Von der Geschichte abgesehen, bietet das Castle mit der Lage auf dem Hügel einen fantastischen Ausblick über die Umgebung. Und das bei tollem Sonnenwetter.

Wir treffen anschließend den Rest der Truppe sowie den vom Harley-Händler zurückgekehrten Uwe in der Royal Mile, um ab hier weiter gemeinsam die Stadt zu erkunden. Per SMS von Kerstin werden wir über die Geschehnisse in Deutschland informiert... unglaublich, kaum sind wir mal zwei Tage außer Landes, gewinnen "wir" den Eurovision Song Contest und der Bundespräsident nimmt seinen Hut.

Einen Geocache nehmen wir auch noch mit auf dem Weg, nach dem Fund an der schottischen Grenze ist es der zweite Cache in Schottland. Am Holyrood Palace ist alles polizeilich gesichert, die Nachfrage bei einer sehr freundlichen Polizistin ergibt, dass hier morgen Prinz Charles und Camilla eintreffen werden. Die royale Fahne weht bereits auf dem Palastdach.

Wir laufen weiter und kehren irgendwann im Pub zum Essen ein. Was gibt es? Klar, Haggis! Es erinnert an Grützwurst und schmeckt mit dem Kartoffelpüree als Beilage richtig gut. Das kommt sicher noch mal auf unseren Speiseplan während der Reise.

So ein Stadtrundgang ermüdet sehr und wir sind uns alle einig: gut, dass wir morgen nicht so viel laufen müssen, sondern wieder durch die schöne Natur mit den Mopeds fahren können.


01.06.2010: Edinburgh – Ballater / 330km

Wir werden von Dauerregen geweckt, der auch nicht bis ca. 12 Uhr aufhören sollte. Ab dann wird es aber stündlich besser, so dass wir bei schönstem Sonnenschein in Ballater im B&B Creag Meggan ankommen.

Uwes Sporty ist leider so kurzfristig nicht wiederbelebbar, er fährt die kommenden Tage mit einem Opel Corsa. Nachdem der Edinburgh Harley Händler die nötigen Ersatzteile nicht rechtzeitig beschaffen kann, erweist sich der ADAC – nach mehreren Telefonaten – als Retter in der Not: Die Ersatzteile sollen binnen zwei Tagen nach Edinburgh geliefert und hier verbaut werden, währenddessen Uwe mit dem Mietwagen auf Kosten des ADAC die Reise fortsetzen kann.

Die heutige Etappe führt uns über Perth in die Grampian Mountains. Single track roads, wir kommen. Wir fahren über schmale Wege entlang des Loch Rinnoch, hinter jeder Kurve – und von denen gibt es viele – muss man mit Schafmüttern mit Lämmern rechnen. Die Landschaft ist großartig! Wasser, saftig grüne Wiesen, Hügel, Wald – so wie man sich Schottland halt vorstellt.

Dann bleibt kurz das Herz stehen, als an unebener Stelle Josef mit der E-Glide wegrutscht und an einem Straßenschild zum Stehen kommt. Zum Glück ist Marlene und ihm nichts passiert, das Moped ist leicht lädiert. Irgendwie ist dieser Tage der Wurm drin. Das war es dann hoffentlich mit „Moped-Zwischenfällen“!! Das Moped ist aber schnell wieder aufgerichtet und die abgefallenen Teile eingesammelt. Weiter geht’s!

Die als „wohl einsamster Bahnhof Schottlands“ beschriebene Rinnoch Station ist tatsächlich etwas einsam; es führt nur eine einzige schmale Straße dorthin und der nächste Ort ist ca. 15km entfernt. Es gibt aber einen Tea Room, so dass man jederzeit vor oder nach der Bahnfahrt ein Tässchen trinken kann.

Nachdem wir den langen Loch Rinnoch an der Nordseite befahren haben, geht es etwas in die Berge, am „Devil’s Elbow“ gibt es sogar eine kleine Liftanlage. Durch das Tal des Flusses Dee geht es weiter Richtung Ballater; ein weiteres Streckenhighlight, denn die Landschaft ist wunderbar. Nachdem wir an Balmoral Castle vorbei sind, haben wir dann auch bald unsere Unterkunft für die nächste Nacht erreicht. Am Schwierigsten erweist sich noch die Abendessen-Beschaffung: die angefragten Restaurants sind entweder komplett belegt oder bereits in der Küche geschlossen. Also decken wir uns beim Fish&Chips Shop ein und setzen uns mit dem Essen in den kleinen Park mitten im Ort.


02.06.2010: Ballater – Nairn / 357km

Sonnig und warm, so mögen wir das. Um 09 Uhr ist Abfahrt, es geht über einen schönen Schlenker nach Stonehaven. Auf dem Weg halten wir an einem Steinkreis an, zum Glück verschwindet niemand in die Vergangenheit als wir quer durchlaufen. Es erinnert an den weiten Osten, als wir an einer Stelle tatsächlich den „River Don“ überqueren. In Stonehaven bewundern wir das Dunnottar Castle, eine nicht mehr genutzte Festung direkt am bzw. teilweise im Wasser.

Der Wind weht stramm, man muss sich teilweise ganz schön gegen legen. Nur hinter Hecken und hohen Steinmauern gibt es einen kurzen Moment der Erholung.
Die Strecke ist aber fantastisch, man weiß gar nicht, wo man zu erst hinschauen soll.

Nach einer abwechslungsreichen Fahrstrecke erreichen wir zu um 18 Uhr die Ferienwohnung, um genau zu sein: ein Cottage, auf der Easter Daziel Farm. Es ist idyllisch gelegen, weit ab der Straße. Der einzige Lärm kommt ab und an von landenden Flugzeugen, auf dem in der Nachbarschaft gelegenen Flughafen.
Da wir hier die kommenden 4 Nächte bleiben und uns selbstversorgen, packen wir das Auto im Supermarkt voll und haben die nächsten Tage lecker Essen.

 

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