Alser-On-Tour

Mit den BMWs durch Nordspanien, Südfrankreich und die Alpen

Das Reisetagebuch unserer Sommertour 2009: 5000km durch 6 europäische Staaten in 18 Tagen.

(Part 3: 16-21.06.09)


16.06.09 Entrechaux – Isola N44 11.097 E007 03.111 // 401km

 

Welch ein perfekter Start in den Tag: Frühstück im Garten bei Sonne und blauem Himmel, dazu ein Blick über die Obstbäume und Wingerts zum Mt Ventoux! Das Frühstück schmeckt, es fällt auf dass in dieser Gegend das Baguette mit dunklerem Mehl gebacken wird, denn später haben wir ähnliches Brot zur Mittagsrast.

 

Um 10.30h haben wir den Gipfel des Mt. Ventoux erreicht, auf dem Weg nach oben haben wir so einige Radfahrer hinter uns gelassen. Der Berg scheint ein beliebtes Ziel zu sein. Verständlich, denn der Blick von oben ist grandios. Es erinnert irgendwie an den Mt. Rainier, in Washington State denn genau wie der steht auch der Ventoux alleine da, so dass man eine tolle Fernsicht genießen kann.

Auf dem Weg runter auf der Südseite kommen wir an der Gedenkstätte für Tom Simpson vorbei, der hier während einer Tour de France Etappe verstarb. Da fällt mir ein… hatte gar nicht erwähnt, dass wir auch am Denkmal für Fabio Casartelli vorbei kamen… leider hab ich nicht mehr parat, wo genau das war.

 

Die Fahrt zum Lac de St. Croix geht durch die Provence, wie man sie sich vorstellt: typische Stein-Bauweise der Häuser in der hellen Farbe (die Fensterläden verbarrikadiert, um die Hitze draußen zu halten), Mohnwiesen, Getreidefelder und der viele Lavendel, der nun auch bald anfängt zu blühen.

 

Mittagspause am Lac de St. Croix, das türkisfarbene Wasser lädt zum Baden ein, aber uns ist es zu umständlich die Sachen heraus zu kramen. Außerdem ruft die Gorges du Verdon; eigentlich heißt es Grand Canyon du Verdon und genau das ist es auch! Die Fotos werden es hoffentlich gut wiedergeben; der Ausblick von oben in die tiefe Schlucht ist gigantisch. Ein echtes Tageshighlight.

 

Die Unterkunftssuche gestaltet sich etwas schwierig, da unsere eigentliche Strecke durch die Gorges du Cians führen sollte, die Strasse aber gesperrt ist. Also fahren wir gezwungenermaßen einen Umweg und auf der Strasse zum Col de la Bonnette sind viele ausgewiesene Herbergen geschlossen. Aber in Isola finden wir dann doch noch um kurz nach 20h und gut 400km Tagesetappe einen soliden Campingplatz; schnell noch ein Süppchen gekocht und das Zelt aufgestellt, da es in den Bergen noch schneller dunkel wird.

 

 

17.06.09 Isola – Villarodin (N45 12.432 E006 42.553) // 257km

 

Die Sonne ist heute verschwunden im Tineé-Tal, als wir nach 15km St. Etienne erreichen, um uns etwas zum Frühstücken zu besorgen, fängt es sogar leicht an zu tröpfeln. Als wir auf etwas unter 2800m Seehöhe ankommen, sind es grad noch 4°C. Ganz auf die 2802m des Col de la Bonnette kommen wir jedoch nicht, zwei Schneewände verbarrikadieren den Weg. Schade, aber wir fahren jetzt der Sonne entgegen und als wir im L’Ubaye-Tal ankommen ist es richtig warm. So bleibt es auch den Rest des Tages.

 

Der Bonnette war der Anfang einer 6-Pässe-Tour: Col de la Bonnette, Col de Vars, Col de l’Izoard, (Col de L…), Col du Galibier, Col de Telegraphe

 

Bei einer Pause kurz hinter Modane am Rande des kleinen Örtchens Villarodin erblicken wir gegen 17h das Gite de France Symbol und wir entdecken mitten in Villarodin die fantastische B&B Pension „Che Catrine“; der Fahrtag ist somit schnell beendet und die müden Knochen können noch im Whirlpool entspannen.

 

Das Abendessen im „Rittersaal“, naja es war wohl eher mal ein Weinkeller, teilen wir mit drei Mopedfahrern aus dem Westerwald. Es ist urig-gemütlich bei Catrine, wir fühlen uns wohl und die Herberge landet auf dem ersten Platz unserer favorisierten Übernachtungsstätten.

 

18.06.09 Villarodin – Termen (N46 19.668 E008 01.335) // 345km

 

Heute ist nach Frankreich-Andorra-Spanien letzten Freitag unser zweiter „internationaler Tag“: Frühstück in Frankreich, Mittagessen in Italien und Abendessen in der Schweiz!

 

Die ersten 50km der heutigen Tagesetappe führen uns auf den Col d’Iséran, ein toller Blick dort oben. Die grauen Hotelbunker in Val d’Isère passen überhaupt nicht ins ansonsten wunderbare Hochgebirgs-Panorama.

 

Wir lassen Bourg-St-Maurice links liegen und biegen auf die Passstraße zum Petit Bernard; hier oben lassen wir Frankreich endgültig hinter uns, fahren durch das italienische Aosta-Tal und überqueren dann die Grenze in die Schweiz über den Grand St. Bernard. Die Fahrt ab Martigny durch das Rhône-Tal wird der anstrengende Teil des Tages, es sind über 30°C und die Fahrt durch die Ortschaften (für die Autobahn benötigt man ja die Vignette) zieht sich wie Kaugummi im Feierabendverkehr.

 

Sabine hat uns eine sehr passende FeWo in Termen bei Brig organisiert, hier werden wir zwei Nächte bleiben. Das Abendessen wird uns heute beim guten Freund in Blitzingen, kurz vor Münster, serviert: das vielgepriesene Cordon-Bleu ist wirklich gut, da nimmt man auch in Kauf dass wir auf dem Rückweg in einen kurzen Schauer geraten.

 

19.06.09 Ruhetag in Termen/Brig // 0km

 

Der Ruhetag kommt genau richtig, schont nicht nur das abgefahrene Reifenprofil, wir wären auch in einige kräftige Regenschauer gekommen. So nutzen wir den Vormittag in der FeWo, die mittlerweile angesammelten knapp 800 Fotos durchzusehen und uns von ca. 300 schon mal zu verabschieden.

 

Nach einem späten Mittagessen schwingen wir uns mit der F 800 runter nach Brig, laufen ein bisserl durch die Innenstadt (jippieh, eine neue Sonnenbrille ist endlich gefunden) und fahren dann zu um 16.30h nach Naters zum 26. Westschweizer Jodlerfest; Loriot hätte hier seine wahre Freude mit seinem Jodeldiplom!

Wir treffen Sabine und ihre Alphorn-Mitspieler – wir klönen, sind beim Auftritt vor der Jury dabei und sehen uns noch die anderen Wettbewerbe „Fahnenschwingen“ und „Jodeln“ an. Das ist echtes schweizer Kulturgut!

Schade, dass es immer wieder regnet, bei besserem Wetter wäre wohl mehr los auf den Straßen.

 

20.06.09 Termen – Häusern (N47 45.248 E8 10.182) // 276km

 

Mit der Tagesetappe heute erklimmen wir den letzten Alpen-Hochgebirgspass: den Grimsel! Pünktlich um 12h sind wir oben, hier auf über 2400m ist es mit 2°C wirklich fröstelig, nach einem kurzen Fotostopp fahren wir direkt weiter. Das Wetter in der Schweiz ist besser als vorhergesagt, wir kommen trocken durchs Eidgenossenland. Weil wir die Autobahnen vermeiden, wir haben schließlich Zeit und können so die Maut umgehen, schickt uns das Navi über die sogenannte Panoramastraße (einspurige Bergstraße, LKW und Busse dürfen hier nur zu ungeraden Stunden fahren), nördlich vom Brienzer See. Am Nachmittag haben wir dann die „richtigen“ Berge hinter uns gelassen, es geht an Luzern vorbei weiter nach Norden. In Waldshut-Tiengen hat die Bundesrepublik nach 17 Tagen Abwesenheit uns dann wieder. Es geht auf die B500, die Schwarzwaldhochstraße. Deutschland begrüßt uns allerdings mit Regen, trotz Regenjacke beschließen wir in Häusern dann nicht weiterzufahren. Es ist nämlich auch ziemlich kühl hier oben im Schwarzwald. Wir nisten uns im Hotel Schwalbennest ein und hoffen, dass wir an unserem letzten Fahrtag morgen die verbleibenden ca. 350km weitestgehend trocken nach Hause kommen.

 

21.06.09 Häusern – Bornheim // 335km

 

Die Entscheidung, gestern um 17.30h bei strömendem Regen nicht weiterzufahren, war genau richtig. Heute lugt die Sonne zwischen den Wolken hervor und so macht die Fahrt durch den Hochschwarzwald sicherlich sehr viel mehr Spaß als bei Regen. Die Strecke macht Spaß, die Kurven lassen sich gut fahren und die Straßen sind doch sehr viel angenehmer, weil breiter, zu befahren als beispielsweise oberhalb von St.Jean-Pied-de-Port :-)  Aber das hatte ja irgendwie auch seinen Reiz.

 

Man merkt dass Sonntag ist, viele Mopedfahrer aus BW sind unterwegs. Aber auch einige Schweizer Kennzeichen begegnen uns, die vielleicht eine Wochenendtour machen.

 

Wir fahren neben der Schwarzwaldhochstraße B500 auch auf einigen „Nebenstrecken“ und kommen bei Baden-Baden schließlich in die Rheinebene. Noch einmal geht es für kurze Zeit nach Frankreich, bei Iffezheim queren wir den Rhein und fahren ca. 30km auf der A35. Auf der B9 bei Germersheim geraten wir in einen kurzen Regenschauer, aber als wir in Schifferstadt ankommen, sind wir schon wieder so gut wie trocken.

 

In Schifferstadt gibt es praktischerweise noch ein Mittagessen für uns, Evelyne hat wie immer sehr lecker gekocht. Kurz erzählt und nach Kaffee&Kuchen machen wir uns auf die letzten Kilometer der Reise. Auf der Weinheimer Talbrücke hat das bisher so viel besser als vorhergesagte Wetter dann ein Ende: die letzten 10km geht es dann doch noch durch Regen.

 

Aber wir und die Mopeds landen schließlich wohlbehalten, heil und gesund nach nicht ganz 5000km durch 6 europäische Staaten wieder Zuhause. Um es kurz zu halten: SCHÖN WAR’S!!!!

 

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