Alser-On-Tour

Mit den BMWs durch Nordspanien, Südfrankreich und die Alpen

Das Reisetagebuch unserer Sommertour 2009: 5000km durch 6 europäische Staaten in 18 Tagen.

(Part 2: 10-15.06.09)


10.06.09 Larraine – Bièlle (N43 03.325 W000 26.038) // 330km

 

Gut, dass wir gut ausgeschlafen sind. Die Konzentration ist direkt gefordert, es geht wieder auf einer engen Bergstraße in die Kurven, bei ähnlichen Straßenverhältnissen wie gestern, nur kommt heute noch erschwerend starker Wind dazu, erster Kaffee-Stopp ist das 35km entfernte St.-Jean-Pied-de-Port. Es ist warm! Aber auf dem Col du Somport bzw. auf der Passstraße dorthin ist es doch angenehm, lange Klamotten unterm Anzug zu tragen.

 

Es geht also wieder mal nach Spanien, auf einem schönen Rundkurs über Jaca und Biescas; hier, allerdings in die entgegengesetzte Richtung, sind wir bereits am Sonntag gefahren. Die Mittagsjause haben wir übrigens am ehemals pompösen, aber nun schon ziemlich verfallenem Bahnhof von Canfranc – kurz hinter dem Col du Somport auf spanischer Seite – verbracht. Die Bilder sagen alles; auch im Reiseführer wird es als völlige Fehlplanung beschrieben und das ist es auch. Schade.

 

5km vor Jaca verlassen wir die gut ausgebaute Landstraße und die Route führt uns erneut über eine enge und holprige Straße. Erstaunlich, welche Wege alles offizielle und in Landkarten eingetragene Straßen sind – da ist manch Feldweg in Deutschland besser bestellt. Aber die Mopeds sind geduldig und wir gut trainiert.

Zurück in Frankreich, es ging über den Col Du Pourtalet, zieht es sich leider wieder zu und es fängt leicht an zu regnen. Der kurze Schauer macht uns eigentlich nichts aus, wir beschließen dennoch spontan, den Pass des 1035m hohen Col de Marie-Blanque auf morgen zu verschieben und finden nach nur wenigen Minuten in Bièlle ein hübsches B&B der französischen Chambre d’hôte Kette.

 

 

11.06.09 Bièlle – St. Lary (N42 55.703 E000 53.610) // 275km

 

Die Wettervorhersagen im Fernsehen beharren weiter drauf, dass es schön ist und wird. Aber davon merken wir auch heute nicht viel! Nach einem für französische Verhältnisse sehr reichhaltigen Frühstück starten wir auf die Route de Cols, einem kleinem Marathon von gut 10 Pässen. Lediglich zwei Passhöhen finden wir heute ohne Wolken vor, alle anderen liegen in dichter Nebel-Wolken-Suppe. So können wir uns das im Reiseführer beschriebene Bergpanorama nur anhand der gedruckten Fotos vorstellen. Den Col du Tourmalet müssen wir umfahren bzw. können nur auf der Ostseite hoch und wieder runter, die westliche Route ist gesperrt nach Murenabgängen. Unterhalb der Radler-Statue steht eine Triumph Tiger mit Kennzeichen AZ! Der Fahrer ist in der Auberge schnell gefunden, er stammt aus Bechtolsheim.

 

Wir können noch einmal günstig tanken, bei einer 20km langen Durchfahrt durch Spanien. Die Sicht wird nicht wirklich besser, je weiter wir nach Westen fahren und so halten wir vor Ende der eigentlichen Tagesetappe in St. Lary an und finden ein Hotelzimmer. Wir haben hier einige Fotos gemacht heute Abend, als Beispiel für die vielen Bergdörfer dieser Gegend: klein, grau, verfallene Häuser und eine Vielzahl mit „zu verkaufen“-Schildern. Aber vielleicht trügt auch der äußere Schein der Bruchbuden: als Uli bei einem wirklich unbewohnt aussehenden Haus, die Fensterläden waren alle verbarrikadiert und die Haustür kaputt, den Türknopf anschaut und ausprobiert, reißt urplötzlich der Hausherr die Tür auf und starrt uns an. Wir erklären uns zwar irritiert, aber gehen direkt weiter.. er hat uns wohl eh nicht verstanden.

 

12.06.09 St. Lary – Alet-les-Bains (N42 59.823 E002 15.255) // 355km

 

Heute hätten wir das Bergpanorama von der gestrigen Tour in aller Pracht genießen können – die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel und wird es auch den Rest des Tages tun. Eine kleine „Drei-Länder-Tour“ steht heute an, es geht über die Berge zum „Dach Europas“ nach Andorra. Die Idee hatten so einige Leute mehr außer uns, insbesondere viele Mopedfahrer – meist mit einheimischen Kennzeichen – nutzen das Wochenende für einen Ausflug, wahrscheinlich um günstig zu tanken und steuerfrei zu Shoppen. Andorra selbst ist schnell durchfahren, die Berglandschaft ist traumhaft, aber leider ist dieses kleine Land völlig verbaut.

 

Wir verlassen Andorra nach Spanien, nachdem wir erfolglos versucht haben, neue Hinterreifen zu bekommen. So muss der Pneu noch 2000km bis Deutschland halten.

 

Regen ist nicht in Sicht und so beschließen wir zu campen. Im dritten Anlauf haben wir dann auch eine gute Herberge für uns und unser Zelt gefunden, unser heutiges Tagesziel heißt also Alet-les-Bains, ein kleiner mittelalterlicher Ort mit leider sehr vielen verfallen und verlassenen Häusern im inneren Kern. Die Stadtmauer ist noch gut erhalten, die Gässchen lassen die lange Geschichte erahnen.

Heute Abend können wir auch den ersten erfolgreichen Kochvorgang mit dem Hobo-Ofen vermelden! Beeindruckend, wie schnell das Wasser warm wurde. Die Töpfe waren zwar ziemlich rußig am Ende, aber wozu gibt’s denn Spüli!

 

13.06.09 Alet-les-Bains – Lapanouse (N44 20.078 E003 01.934) // 254km

 

Unser erster Halt ist heute Carcassone mit seiner mittelalterlichen Festung. Die kleinen Gassen ähneln irgendwie schon denen von Alet-les-Bains, hier jedoch wimmelt es von Touristen und Geschäften, Restaurants und Fremdenführern. Klar, hier will jeder Geschäft machen. Dieser „Touristen-Nepp“ ist aber ziemlich anstrengend, zumal es schon um 11h sehr heiß ist, und so ziehen wir nach gut eineinhalb Stunde wieder weiter. Fotos sind im Kasten, die Festung wirkt auch aus einiger Distanz sehr imposant! Der Fahrtwind kühlt nicht wirklich, nachmittags steht das Thermometer zeitweise bei 34°C. Während der Fahrt durch eine hübsche Gegend mit Kornfeldern, Weinhängen und Pinienwäldern schafft die 650er die 10.000km-Marke!!

 

Kurz vor Millau halten wir noch einmal, um den Viadukt – Teil der A75 – zumindest von schräg-unten zu fotografieren und zu bestaunen. Hier sind auf 2,5km gut 205000 Tonnen Beton und gut 400mio Euro verbaut.

 

Nach 254km halten wir in Lapanouse, hier werden wir die kommenden zwei Nächte bleiben. Das B&B wird von der Deutschen Ute Jahn geführt, das bedeutet, dass auf jeden Fall ein nicht-französisches Frühstück in Aussicht ist!

 

14.06.09 Rundkurs Lapanouse // 193km

 

Der gestrige Abend dauerte noch etwas länger als üblich, wir haben uns nett mit den drei Engländern Alan, Peter und Mark (erstere bereits im Rentner-Alter) unterhalten und über verschiedene Dinge von Moped-Fahren über Gordon Brown bis zum schottischen Wetter unterhalten. Wie gut also, dass es erst ab 08.30h Frühstück gibt.

Noch einen kurzen Stopp im Supermarkt, der sonntags bis 12h geöffnet hat, und mit Wasser versorgt, dann geht es auf die „Tour des Gorges“: Tarn-Schlucht, Dourbie-Schlucht, Jonte-Schlucht – dazwischen immer mal wieder auf die Hochplateaus zwischen den Schluchten. Wir genießen die Aussichten und sind beeindruckt von diesen Werken der Natur.

Die Sonne knallt nicht ganz so doll wie gestern, trotzdem ist die kühlste Temperatur heute 24°C, ansonsten bewegen wir uns immer so bei 27-30°C.

 

Trotz des Sonntags ist es nicht so überlaufen wie vorab befürchtet, auch die Anzahl der Moped-Fahrer hält sich noch in Grenzen.

Dafür dass heute eigentlich „Ruhetag“ ist, klingen 193km recht viel – wir sind die sechseinhalb Stunden jedoch gemütlich gefahren und starten dann morgen Richtung Seealpen.

 

 

15.06.09 Lapanouse – Vaison-la-Romaine (N44 14.517 E005 04.376) // 375 km

 

Wir hatten die Unterkunft in Lapanouse, ein selbstdeklariertes „Motorrad-Hotel“, ja auf Empfehlung unserer Zugabteilgenossen aufgesucht, aber diese Empfehlung können wir definitiv nicht weitergeben – es fängt an beim fehlenden Hinweisschild im Dorf, geht über die Garage am Dorfrand und nicht am Haus und endet beim zu hohen Zimmerpreis (Bad zu fünft teilen und statt wie auf dem Flyer angepriesenen „deutschen Frühstück“ gab es dann doch Croissants und Baguette und das für 7EUR pro Person). Es waren viele Kleinigkeiten, die sich aufaddiert haben und die uns zu dem Schluss kommen lassen: da müssen wir nicht noch einmal hin.

 

Um 09.40h saßen wir schließlich auf den Mopeds und es ging nach 20km direkt ins erste Highlight: die Durchfahrt der Gorges du Tarn und das auch noch bei angenehmen 19°C! Auf der hier nachfolgenden gut ausgebauten Landstraße ließen sich die Mopeds wunderbar in die Kurven legen.

 

Das Navi hatte sich noch ein besonderes Schmankerl ausgedacht und schickte uns (auf insgesamt ca. 100 km über den Vormittag und Mittag verteilt) über sehr schmale, kurvige Bergsträßchen. Die Fahrbahn war für beide Richtungen gedacht, aber eigentlich doch noch schmaler als eine „normale“ Fahrspur. Man konnte sich nicht vorstellen, dass hier außer uns noch mehr Leute die Wege nutzen, aber doch kam uns das ein oder andere Fahrzeug entgegen, was in die kleinen Bergdörfer wollte.

Das Fahren war recht anspruchsvoll und wenn man sich nicht wirklich konzentriert in jeder Kurve, so kann es vorkommen, dass man sich plötzlich im Graben stehend wieder findet – aber weder Moped noch Fahrerin haben irgendwelche (bleibenden) Schäden davon getragen :-)

 

Es wird dann voller auf den Straßen, was bedeutet, dass wir uns der Gorges de l’Ardèche nähern und schließlich auch befahren. Oben am Aussichtspunkt könnte man auch meinen, dass man an der Moselschleife steht und nicht an der Sarre-Schleife. Der Blick ist aber in jedem Fall sehr schön, und wie auch bei der Tarn-Schlucht gilt es: beeindruckend, was Mutter Natur in Millionen (?) von Jahren da geschaffen hat. Und der Mensch baut die Straßen, um dort hinzufahren und sich das anzuschauen.

 

Wir lassen das Massif Central hinter uns, überqueren etwas nördlich von Orange die Rhone und fahren am späten Nachmittag schließlich die ersten Kilometer in der Provence. Abends können wir den knapp 2000m hohen Gipfel des Mt. Ventoux mit seinem Fernmeldeturm, oder was auch immer genau da gesendet und empfangen wird, von unserer Unterkunft sehen, wir quartieren uns bei einem freundlichen Monsieur in seiner Chambre d’Hôtes Herberge ein.

 

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