Alser-On-Tour

Mit den BMWs durch Nordspanien, Südfrankreich und die Alpen

Das Reisetagebuch unserer Sommertour 2009: 5000km durch 6 europäische Staaten in 18 Tagen.

(Part 1: 03-09.06.09)


03.06.2009 Bornheim (N49 46.867 E008 03.838) – Neu-Isenburg (N50 03.387 E008 41.700) (via Bad Kreuznach bzw. Mainz) / ca. 110 km

 

Wir sind pünktlich am Autoreisezug, das Verladen klappt reibungslos. Was fehlt ist der Personenzug, der nachmittags in Düsseldorf gestartet war. Wegen eines Böschungsbrandes bei Köln verzögert sich damit auch unsere Fahrt um ca. 45min.

Dann geht es gegen 21h aber endlich los. Wir haben nette Gesellschaft im Abteil, Susanne und Axel, zwei waschechte Rheinländer, fahren eine R65 bzw. eine Triumph und wollen zwei Wochen durch Südfrankreich touren.

Der Zug fährt an der Bergstrasse entlang über Mannheim, Neustadt/Weinstr. weiter nach Kaiserslautern, Saarbrücken und dann nach Metz weiter durch Frankreich. Wir verschlafen, so gut es beim dem Rattern halt geht, den Großteil der Bahnfahrt!

 

04.06.2009 Narbonne (N43 11.071 E003 00.121) – Besalú (N42 12.022 E002 41.937) / 219.00km

 

Eventuelle Befürchtungen, dass man während der doch etwas ruckeligen Bahnfahrt den Frühstückskaffee verschüttet, zerschlagen sich: von 8h bis 9h stehen wir im Bahnhof von Avignon, unsere Lok ist kaputt und muss ausgetauscht werden. Wir frühstücken derweil, es gibt ein Stück Baguette, ein Croissant, Marmelade, Schmelzkäse und O-Saft; im Fahrpreis inklusive.

 

Während wir warten überholt uns sogar der Autoreisezug aus Hamburg, bei pünktlichem Reiseverlauf wären wir bereits in Narbonne abgeladen, ehe die ankommen. So passiert aber alles parallel und entsprechend lange müssen wir warten. Um 13h sitzen wir endlich fertig gepackt auf den Mopeds.

 

Es geht an der Mittelmeerküste über einige schöne Kurvenstrecken nach Spanien, es ist sehr warm, selbst in den etwas höheren Lagen sind wir noch bei 28-30°C. Wir durchqueren den Stadtverkehr von Figueres und landen schließlich wie geplant gegen 18h in Besalú. Haben sofort ein passendes Quartier gefunden und so noch genug Zeit, vor dem Abendessen die im Reiseführer gepriesene Altstadt zu besichtigen. Es stimmt: einiges wirkt wirklich so, als hätte sich seit Jahrhunderten nichts verändert.

 

Nun heißt es sich an spanische Essenszeiten zu gewöhnen, die meisten Restaurants öffnen erst ab 20.30h für das Abendessen.

 

 

05.06.09 Besalú – Esterri D'Àneu N42 37.700 E001 07.381

 

Wir haben den fehlenden Schlaf nachholen können, trotz stickiger Luft, Straßenlärm (warum werden nachts um 3h die Mülltonnen geleert??) und morgendlichem Gewitter! Es regnete heftig, aber endlich kam die gewünschte Abkühlung. Das erste spanische Frühstück beinhaltet Smacks, Joghurt, Kaffee mit Milch, Baguette und Salami.

Um 11h starten wir die Tagesetappe. Nach einer „Aufwärmphase“ von ca. 30km geht es in die Kurven, ennuf und enunner. Wir fahren durch kleine Bergdörfer und treffen auf den kleinen Strassen manchmal kilometerlang keine anderen Fahrzeuge. Hat man gestern am Mittelmeer noch das ein oder andere deutsche Autokennzeichen gesehen, so ist diese Gegend doch eher wenig von deutschen Touris frequentiert. Doch natürlich gibt es eine Ausnahme: Um 15h sitzen wir in einem kleinen Bergdorf vor Odèn zur verspäteten Mittagsrast, da gesellen sich drei BMW’s zu uns, die auch gestern im Autozug dabei waren. So klein ist dann doch die Welt!

 

Leider wird das Wetter nicht besser, in den Bergen hängen die Wolken. Einmal fahren wir durch dichten Nebel, man kann keine 20m weit gucken. Hier ist es auch mit 11°C sehr kühl, welch ein Kontrast zu den 30°C vom Vortag.

In Sort beschließen wir um 17h, noch ein Stündchen weiter zu fahren. Doch nach 35km halten wir in Esterri D'Àneu, es gewittert wieder und fängt stark an zu regnen. Wir finden recht schnell mit der Pensió La Creu eine Herberge für die Nacht, das Doppelzimmer kostet 53EUR inkl. Frühstück. Und Internet :-)

 

Zum Abendessen setzen wir uns in eine Patisserie, die sehr beliebt ist bei den Einheimischen – hier ist ordentlich was los und viel Geschnatter ist zu hören. Nachdem der Pensionschef „sich geweigert“ hat, Englisch zu sprechen, klappt es auch mit dem Spanischen so langsam besser. Grundsätzlich ist die Verständigung aber nicht so einfach, viele Katalanen können wenn überhaupt nur schlecht Englisch. Gut, wir ja aber auch nur ein bisschen Spanisch, und dann auch noch Kastellan und kein Katalan. Aber wir haben bisher noch das bekommen, was wir glaubten bestellt zu haben. Esterri D'Àneu ist ein Wintersportort, hier ist nicht viel los momentan.

 

Hoffentlich zieht die Nässe schnell weiter, denn auch morgen geht es direkt weiter mit Kurvenfahrten und es gibt so einige Pässe in den Zentralpyrenäen zu erklimmen.

 

06.06.09 Estarri D’Àneu – 0km

 

Es regnet morgens immer noch, teilweise heftig. Wir beschließen während des Frühstücks, nicht weiter zu fahren. Vor uns liegt eine anspruchsvolle Bergstrecke, da wäre trockenes Wetter besser. Es geht auf über 2000m hoch, da oben ist es zudem sehr kühl. Also verbringen wir den Tag mit Lesen, Sudokus lösen und nutzen die Regenpausen am Nachmittag für einen Spaziergang durch den Ort. Wenn wir die Wettervorhersage in der Zeitung richtig entziffern, dann wird es ab morgen besser. Das wäre schön!!

 

07.06.09 Estarri D’Àneu – Sangüesa (N42 34.280 W001 16.836) / 357km

 

Wir haben die spanische bzw. katalanische Zeitung richtig interpretiert, der Wettergott meint es heute gut mit uns. Auf trockener Strasse schrauben wir uns die ersten 30km hoch auf über 2000m – hier oben sind grad mal 7°C, da freut man sich über die lange Unterwäsche :-)  Wir verweilen nicht lange, schon geht’s wieder abwärts. Gut, dass ich nicht angefangen habe, die Kurven zu zählen, da hätte ich heute ziemlich viel zu tun gehabt: der Großteil der ersten Wegstrecke heute besteht aus Kurven, da aber so gut wie kein Autoverkehr herrscht, macht es richtig viel Spaß!

 

Die Zentralpyrenäen sind landschaftlich sehr reizvoll, aber die Beschaffenheit mancher Straße ist wirklich grauenvoll. Aber wir haben ja gute Mopeds! An einigen Straßenschildern sieht man, wie nahe wir der französischen Grenze sind, Toulouse ist ausgeschildert. In Ainsa, einem auf den ersten Blick sehr unscheinbaren Ort, machen wir gegen 13h Rast und laufen durch die historische Altstadt.

 

Unser hier erstandenes Baguettebrot verspeisen wir mit der noch vom Lidl aus Alzey importierten Salami bei herrlichem Blick auf Broto. Während unserer Jause schnauft eine Gruppe Rennradfahrer an uns vorbei den Berg ennuf, da freue ich mich erst Recht über mein motorisiertes Zweirad!!

 

Wir machen heute noch zwei Mal kulturellen Stopp, am Kloster St. Juan de la Pena (in die Felsen gehauen vor über 1000 Jahren! Von hier plante Aragón die Niederschlagung der Mauren-Besatzung) und dann noch die Ritterburg Javier im gleichnamigen Ort.

 

Wenig später finden wir in Sangüesa einen Campingplatz und schlagen um 18h unser Zelt auf. Außer uns kampiert hier nur ein Ehepaar aus HH-Bramfeld, das mit seinem VW-Bus unterwegs ist.

 

Das Camperleben ist ja doch etwas mühselig, aber es schont ungemein die Reisekasse. Nun muss es nur noch trocken bleiben heute Nacht und wir sind rundum zufrieden.

 

08.06.09 Sangüesa – Lumbier (N42 39.008 W001 18.700) // 170km

 

Es ist leider nicht trocken geblieben, gegen 5h weckt uns leichter Regen, der aufs Zelt tropft. So müssen wir das gute Stück leider nass verpacken, als wir gegen 10h Richtung Pamplona starten. Aber jetzt lugt endlich wieder die Sonne zwischen den Wolken hervor und es wird schnell warm. Auf der Schnellstraße nach Pamplona überholen wir noch den Hamburger VW-Bus, schließlich treffen wir uns noch einmal, als sie an der gleichen Tankstelle in Pamplona halten wie wir.

 

Wir bleiben nur ca. 1 Stunde in der Altstadt, kaum vorstellbar wie Menschenmassen und Stiere in gut einem Monat sich durch die engen Gassen zwängen wollen bzw., aus Sicht der Stiere, müssen.

 

Es geht in einem großen Bogen gegen den Uhrzeigersinn um Pamplona herum, wir treffen auf den Camino de Santiago und damit auf den einen oder anderen Pilger. Kurz hinter Puente de la Reina bedaure ich alle, die per Rad oder zu Fuß unterwegs sind und kein Helmvisier runterklappen können wie wir: es gießt wie aus Kübeln und statt eines kurzen Schauers erleben wir mehrstündigen heftigen Regen, so dass wir gegen 15.30h ein Hotelzimmer in Lumbier buchen. Wenig später hört es dann doch auf zu schütten und schließlich scheint sogar wieder die Sonne. Naja, wat soll’s. Immerhin konnten wir noch mal das Zelt auspacken aufm Balkon und größtenteils trocken kriegen. Und um dem ganzen noch etwas Gutes abzugewinnen: es hat sich erneut bewiesen, dass unsere Bekleidungswahl gut getroffen ist: die wasserdichten Socken halten die Füße warm und trocken, auch wenn meine Stiefel mittlerweile ziemlich undicht sind. Auch der Arai Helm hält die Nässe gut ab, ebenso der BMW Anzug.

 

09.06.09 Lumbier – Larraine (N43 01.142 W000 57.390) // 386km

 

Wir werden wieder mit Sonne geweckt, da steigt man doch noch viel beschwingter aufs Moped. Erster Stopp ist die Schlucht von Arbayún. Und dann geht es eigentlich den Rest des Tages nur noch durch Kurven, bergauf und bergab. Aber die Strecke ist sehr abwechslungsreich, wir passieren zum Beispiel drei Mal die spanisch-französische Grenze. Der wahrscheinlich spannendste Abschnitt ist die tatsächlich öffentliche Straße D128, die uns auf abenteuerliche Weise abseits der Hauptstraße zwischen Roncesvalles und St.-Jean-Pied-de-Port in letzteres, einem weiteren Pilger-Mekka, bringt. Zum Glück kommt uns in den sehr schmalen Kehren insgesamt nur ein Auto entgegen, auch sonst trifft man mehr Pilger als Fahrzeuge, und es lässt sich für den gesamten Tag sagen: hier ist wenig los. Einzige Ausnahme: die Bundesstraßen N 121a, die auch noch durch Baustellen belastet ist, so dass wir hier nur den LKWs hinterher zuckeln können.

Nach 386 Tageskilometern und 9 Stunden im Sattel finden wir in Frankreich in Larraine (baskisch: Larrau), einem ebenfalls unscheinbar wirkendem Bergdorf, eine Unterkunft, nachdem auf spanischer Seite bereits alles belegt war und wir dann doch noch gut 30km fahren mussten und so „nebenbei“ noch den 1300m hohen Col d’Erroymendi überwinden mussten. Aber nach den vielen Kurven heute machten diese auch nichts mehr :-)  Auffällig ist das intensive Grün der Berghänge! Uli erinnert es an Schottland.

 

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