Alser-On-Tour

Entlang der Pazifkküste

21.03. – 27.03.2011: Auf der Panamericana geht es entlang der Küste Perus nach Norden


Von Cusco bzw. Ollantaytambo wollen wir in zwei Tagesetappen nach Nasca fahren. Die knapp 700km lange Strecke verläuft hauptsächlich auf einer Höhe zwischen 2000m und 4500m. Erst auf den letzten 96km geht es mehr als 3450m Höhenmeter rapide abwärts. Mit den sinkenden Höhenmetern steigt die Temperatur, das auf ca. 700m gelegene Nasca begrüßt uns mit 30°C und Sonne. Wir sind begeistert!

Zwei Fahrstunden hinter Cusco kommen uns zwei Honda Transalp entgegen. Jana und Patrick aus Berlin sind mehrere Monate in Südamerika unterwegs. Wir haben auf der gesamten Reise bisher nur wenige Motorradreisende getroffen und freuen wir uns umso mehr über diese unverhoffte Begegnung. Wir tauschen Infos zu Cusco bzw. Nasca aus und klönen eine gute Stunde miteinander, ehe wir die Fahrt in entgegen gesetzten Richtungen fortsetzen.

Die Straße zwischen Cusco/Ollantaytambo und der Provinzhauptstadt Abancay ist an mehreren Stellen durch abgerutschte Berghänge beschädigt; beim Anblick der Erdmassen vermuten wir, dass sich die Aufräumarbeiten hinziehen werden. Da kann man den Bewohnern nur wünschen, dass die Regenzeit bald endet und die Erde zum Trocknen kommt.

Fahrerisch ist die Strecke ein Traum. Kurve reiht sich an Kurve, mal geht es durch ein Flusstal, dann wieder hinauf auf die Hochebenen.

Ein paar Eindrücke von der Fahrt:

 

Als wir den Abstieg Richtung Nasca starten, verlassen wir nach gut einem Monat die Höhen der Anden. Die Landschaft bleibt zwar nachwievor baumlos, es wird aber plötzlich um fast 20°C wärmer.

Bei einem Ampelstopp in Nasca fragt die Frau im neben uns wartenden Auto, ob wir eine Unterkunft suchen und reicht uns einen Flyer durch das offene Fenster. Witzigerweise ist es genau das Hostel, in dem auch Jana und Patrick übernachtet haben. Wir folgen also dem Auto und quartieren uns nahe des Plaza de Armas für eine Nacht ein.

Wir kontaktieren Aurel und Marion und stellen fest, dass auch sie in Nasca sind. Wir verabreden uns zum Abendessen und feiern Marions Geburtstag. Gemeinsam besuchen wir das Planetarium „Maria Reiche“, um einen halbstündigen Vortrag zu den geheimnisvollen Nasca-Linien zu hören und zu sehen. Die Dresdener Wissenschaftlerin Maria Reiche hat ab den 1940er Jahren über vier Jahrzehnte die Geoglyphen, Linien und Figuren im Sand studiert und mögliche Theorien zur Entstehung erstellt.

20km nördlich von Nasca stoppen wir am nächsten Tag an einem kleinen Aussichtsturm, von dem aus man zwei der Nasca-Figuren gut sehen kann. Am besten sichtbar ist das gesamte Ausmaß der Linien aus der Luft, den teuren Flug sparen wir uns jedoch.

Stattdessen besuchen wir eine Stätte in der Wüste südlich von Nasca, wo Gräber mit mumifizierten Leichen gefunden wurden. Aufgrund der trockenen Hitze und der Lagerung im Sand sind die Mumien gut erhalten. Ein interessanter Ort!

Bei großer Hitze und starken Windböen geht es weiter nordwärts auf dem Panamerican Highway. Unsere heutige Etappe endet im verschlafenen Fischerörtchen Paracas und wir freuen uns, mal wieder am Pazifik zu sein. Am folgenden Mittag erreichen wir Lima und erleben – wie auch in allen anderen Städten, die wir durchfahren – das ganze Ausmaß von chaotischem peruanischem Straßenverkehr. Jeder fährt wie er will. Verkehrszeichen werden großzügig ausgelegt oder ganz ignoriert. Wer hupt, hat Vorfahrt. Das ist nichts für schwache Nerven oder Choleriker.

Unser Hotel liegt im historischen Zentrum von Lima. Die Mopeds können wir in der Lobby parken. Wir hatten diese Adresse von John aus Alaska erhalten, den wir in Südbolivien kennen gelernt haben. Ein guter Tipp! Unser Zimmer ist auf der Etage der Dachterrasse, wo ein kleiner Zoo beherbergt ist: zwei Pfauen, drei Schildkröten, zwei Papageien und fünf Wellensittiche erfüllen die Bude mit Leben.

Lima ist eine Großstadt wie alle anderen und wir haben unseren Bedarf an Besichtigungen und Städtetourismus schnell gedeckt. An unserem letzten Abend treffen wir erneut Aurel und Marion, die auf unseren Tipp hin ebenfalls in unserem Hotel nächtigen. Unsere Mopeds freuen sich über die Gesellschaft der KTM.

 

Wir verlassen Lima und setzen Weg nach Norden auf der langweiligen, aber gut befahrbaren Panamericana fort. Wir machen nur kurze Stopps zum Tanken und Beine ausstrecken. Bei unseren Übernachtungsstopps in den trostlos wirkenden Städten Chimbote und Lambayeque finden wir günstige Hostals. Sie sind sauber und dem Preis angemessen ordentlich, wir haben aber das Gefühl, dass man die Zimmer auch stundenweise mieten kann.

Da es kein Frühstück im Hostal gibt, gehen wir in Chimbote in den Markt gegenüber unserer Unterkunft. Während wir in einer kleinen Bude unser Brötchen mit Spiegelei essen und genüsslich die morgendliche Tasse Kaffee trinken, wird am Stand gegenüber einem Huhn das Ende bereit. Ein letztes Gackern, ein gezielter Hieb mit dem Beil und dann werden die Federn gerupft. Kurze Zeit später kommt es zu den anderen verkaufsfertigen Hinkel auf dem Tisch.

 

Weiter geht es auf der Panamericana nach Norden. Die Landschaft ist öde und leider an vielen Stellen völlig mit Müll verdreckt. Überall liegt Abfall und es fliegt das Plastik durch die Luft.

Wir beobachten mehrfach, wie Leute ihre Mülltüten einfach vor die Tür bzw. auf die Straße werfen. Ordentliche Müllentsorgung sieht anders aus.

Nicht nur mit ihrer Umwelt gehen viele Peruaner ignorant um, auch im täglichen Miteinander fehlt uns oft die Rücksichtsnahme. Der chaotische Straßenverkehr ist ein Beispiel. Aber auch in den Unterkünften erleben wir es immer wieder, dass ab 6 Uhr laut gesprochen, Fernseher/Musik laut aufgedreht oder mit Türen und anderen Gegenständen geklappert wird. Ob die Gäste noch schlafen, wird dabei völlig ignoriert. Andere Länder, andere Sitten – aber in solchen Fällen ist Toleranz nicht immer einfach und wir vermissen das für uns normale Verhalten in Hotels.

Die letzten zwei Nächte in Peru verbringen wir im Strandort Máncora. Sonne, Palmen, Strand, Meer, Hängematte und Swimming Pool – so lässt sich das Reiseleben gut aushalten.

Am 30.03. überqueren wir die Grenze nach Ecuador und reisen damit in das 5. Land auf unserer Reise ein.

 

Der Link zu den Fotos dieser Woche: Nasca, Lima und die peruanische Nordküste


zum nächsten Kapitel: Ecuador - Die Küste

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