Alser-On-Tour

In den Anden Perus

14.03. – 20.03.2011: Wir bewegen uns auf den Pfaden der alten Inkas


Wir verlassen den Titicacasee und fahren eine 340km lange Strecke von Puno nach Chivay, dem Ausgangspunkt zum Colca Canyon. Wir überqueren dabei eine Hochebene auf knapp 4900m, um dann in langen Kurven hinab nach Chivay auf 3800m zu fahren.

Der Ort liegt malerisch im Tal des Rio Colca, der sich nur wenige Kilometer von hier entfernt eine tiefe Schlucht in die Berge gegraben hat. Ungeachtet der Tatsache, dass bereits vor zwei Tagen Aschermittwoch war, ist hier der Karneval noch in vollem Gang. Rund um den zentralen Platz ziehen die Karnevalsgruppen unter kräftiger Musikbegleitung ihre Runden. Uns macht es Spaß, den fröhlichen Menschen bei ihrer Parade zuzuschauen.

Am Plaza de Armas, dem Hauptplatz, beobachten wir, wie mehrere bunt geschmückte Bäume aufgestellt werden. Dieser Vorgang erstreckt sich über den halben Nachmittag und zieht sehr viele Zuschauer an. Umso mehr sind wir erstaunt, als wir am nächsten Tag feststellen, dass alle aufgestellten Bäume wieder entfernt wurden. Als wir bei einem der Umzüge bei Einheimischen nachfragen, können die uns nicht so recht einen Grund erklären. Das wäre halt so. Na dann.

Nach einem Ruhetag in Chivay, fahren wir am Sonntagvormittag zu einem 40km vom Ort entfernten Aussichtspunkt. Der Colca Canyon ist am tiefsten Punkt gut 2000m tief – oder hoch, je nach Betrachtungsweise – und damit um einiges tiefer als der Grand Canyon in den USA. Beide Canyons sind auf ihre Weise sehr imposant und Vergleiche passen in unseren Augen nicht.

Die Straße, die zum Aussichtspunkt führt, ist eine Katastrophe in Schotter. Uns begegnen einige Mercedes-Sprinter-Vans und sogar größere Busse, so dass uns die ausgefahrene und ausgewaschene Piste nicht verwundert. Die Fahrzeuge haben für unseren Geschmack eine viel zu hohe Geschwindigkeit für die Straßenverhältnisse, zumal unzählige Schafe, Schweine, Esel, Ziegen und Kühe entlang des Weges grasen.

Wie schon in Bolivien blinken uns auch in Peru beständig die entgegenkommenden Fahrzeuge mit Lichthupe an. Sehr freundlich grüßende Menschen, könnte man meinen. Tatsächlich wollen sie einen darauf aufmerksam machen, dass man mit Licht fährt und dies ja zu Lasten der Batterie gehen würde. Manchmal möchte man nur mit dem Kopf schütteln.

Als wir am Montag, den 14.03., Chivay verlassen, ahnen wir beim Blick in den Himmel, dass uns Wolken und eventuell Regen auf der Hochebene erwarten. 20 Kilometer später haben wir uns die Kehren hochgeschraubt und stehen plötzlich in Nebel und Schnee. Die Sicht wird zum Glück bald besser und wir können die weißgepuderte Landschaft richtig genießen. Unterhalb von 4500m Höhe ist der Schnee jedoch schnell wieder weg.

 

Nach 600 Tageskilometern erreichen wir Cusco, wo wir zwei Nächte bleiben werden. Die Stadt ist sehr touristisch und hier starten viele Touren Richtung Machu Picchu. Wir verbringen einen geschlagenen Tag damit, die verschiedenen Optionen für einen Besuch der alten Inka-Stadt zu filtern und die für uns beste Möglichkeit herauszufinden. Das Angebot ist erschlagend und wir bekommen zu viele unterschiedliche Preise und Möglichkeiten genannt. Es scheint ein großer zeitlicher und finanzieller Aufwand zu sein und wir sind kurz davor, den Ausflug komplett sein zu lassen. Schließlich kaufen wir uns doch Fahrkarten für den völlig überteuerten Zug von Ollantaytambo nach Aguas Calientes, dem Ausgangspunkt für die Machu Picchu-Besichtigung.

 

Am folgenden Morgen satteln wir die Mopeds und fahren durch das sogenannte Heilige Tal - hier gibt es viele wichtige Inka-Stätten - nach Ollantaytambo. Ab hier kommt man (als Tourist) nur mit dem Zug weiter. Wir können Mopeds und Gepäck in unserer Herberge sicher unterstellen und am nächsten Mittag mit dem Zug nach Aguas Calientes weiter fahren. In unserem Waggon treffen wir zufälligerweise den Holländer Ben und seine Freundin Tessa. Ben haben wir Ende Januar viele Kilometer südlich in Valparaíso in der Villa Kunterbunt kennengelernt; er ist für ca. 8 Monate mit seiner Honda Transalp und einem Surfbrett unterwegs. Wieder mal der Beweis: die Welt ist ein Dorf.

Die Zugfahrt führt über gut 90min durch das schöne Tal des Rio Urubamba nach Aguas Calientes. Nach über einem Monat in Höhen von mehr als 2500m fühlen wir uns auf nun 2000m richtig „tief“. Wir suchen uns ein Zimmer und kaufen die Eintrittskarten für Machu Picchu für den nächsten Tag. Am Ende belaufen sich die Kosten für Transport und Eintritt auf 91EUR pro Person. Das ist ein teurer Spaß für das Reisebudget.

Wir wollen früh zum Machu Picchu starten und stellen uns den Wecker für 04.45 Uhr. Beim Aufwachen regnet  es kräftig und wir beschließen kurzerhand, noch eine Runde weiter zu schlafen. Auch um 06 Uhr und um 07 Uhr kommt es nach wie vor nass vom Himmel, so dass wir erst um kurz nach 08 Uhr in den Bus steigen, um uns den Berg hinauf kutschieren zu lassen. Unsere Entscheidung zu warten, entpuppt sich als goldrichtig, denn der Regen hört endlich auf.

Im Eingangsbereich tummeln sich sehr viele Menschen, die sich zum Glück auf dem ganzen Gelände gut verteilen. Wir suchen uns oberhalb vom Inka-Dorf an einem wenig besuchten Bergpfad einen guten Ausguck und warten, dass sich die Nebelschwaden verziehen. Der Nebel lässt das ganze zwar recht mystisch erscheinen, und es passt ja auch zum Regenwald, aber der Blick auf den bekannten Berggipfel bleibt  uns dadurch verwehrt. Wir genießen die Ruhe und lauschen den Geräuschen der Natur. Unsere Geduld macht sich bezahlt, denn wir haben ab 10.00 Uhr schönes Wetter und einen tollen Blick auf das gesamte Gelände. Wir schlendern durch die weitläufige Anlage und sehen uns die Wohngebäude, Tempel und heiligen Steine an. Am Nachmittag machen wir uns auf einen einstündigen Abstieg (600 Höhenmeter), über einen schlecht zu gehenden Pfad, ins Tal. In einem Café schlagen wir die Zeit tot und warten auf die Rückfahrt mit der Bahn um 19 Uhr.

Ein kurzer Rundblick per Video:

 

 

Die gesamte Anlage von Machu Picchu ist gut erhalten und man bekommt eine Vorstellung von der Bau- und Lebensweise der Inkas. Wir vermissen allerdings Informationsmaterial zum Leben und Wirken der Inkas. Weder sind die einzelnen Tempel und interessanten Punkte ausgeschildert bzw. mit Infoschildern versehen, noch gab es am Eingang eine Broschüre für den Besucher. Um an die entsprechenden Informationen zu gelangen, müsste man – gegen eine weitere Gebühr – einen der Tourguides anheuern, die am Eingang ihre Dienste anbieten.

 

Nach einer erholsamen Nacht in Ollantaytambo verlassen wir die Region Cusco am 19.03. und steuern die Küstengebiete an.

 

Link zu den Fotos dieser Woche: Colca Canyon, Cusco und Machu Picchu


zum nächsten Kapitel: Peru - Nasca,Lima u die Nordküste

Tagebuch Übersicht