Alser-On-Tour

Weiter südlicher geht nicht

11.02.-17.02.2013 Rauhe Küste, glitzernde Gletscher und das abrupte Ende eines tollen Fahrtages


Mit einer nicht mehr fahrtüchtigen F800 aufgrund des gebrochenen Stoßdämpfers stehen wir am Freitagnachmittag vor einer logistischen Herausforderung. Uli hat in Haast einen Abschleppdienst aufgetan, der allerdings erst in 3 Stunden (das wäre 18 Uhr) Zeit hat. Haast ist für uns keine Option, auf den Stoßdämpfer zu warten. Der nächste Ort mit akzeptabler Infrastruktur ist Wanaka in 130km Entfernung. Da ist die Entscheidung leicht – wir fahren nach Wanaka. Die F 650 kann uns beide dorthin fahren, was aber machen wir mit unserem ganzen Gepäck?

Wir stehen zwar ziemlich im Nirgendwo, aber es handelt sich um die Hauptverbindung zwischen Westküste mit den Gletschern und den touristischen Gebieten Wanaka bzw. Queenstown. Es dürften also genügend Campermobile vorbeikommen, die Annaleen und das Gepäck mitnehmen könnten, während Uli die F650 nach Wanaka fährt. Eine Mitfahrgelegenheit aufzutreiben, erweist sich jedoch in der Praxis als gar nicht so einfach. Die ersten Wohnmobile fahren einfach vorbei. Endlich hält jemand an. Die Holländer sind zwar sehr nett, fahren aber leider nur bis 60km vor Wanaka. Das hilft uns nicht weiter. Schließlich klappt es und ein nettes australisches Pärchen fährt Annaleen bis vor die Rezeption des Campingplatzes in Wanaka, unseren vorab ausgemachten Treffpunkt. Wie schön die Strecke ist, lässt sich auf dem Rücksitz des Wohnmobisl zwar erahnen, aber es geht doch nichts darüber, diese Passage mit dem Moped zu fahren.

 

Währenddessen ist Uli aus dem Kaff Haast (einfacher Weg 14km) zu seinem Moped zurückgekehrt, er will während der Wartezeit auf den Abschleppdienst den defekten Stoßdämpfer ausbauen. Kaum angefangen, hält neben ihm ein Auto. Es ist der Sheriff aus Haast! Oha, hier bleibt auch nichts ungesehen. Uli erklärt das Problem und der Sheriff schlägt vor, als Begleitfahrzeug für die Fahrt nach Haast zu fungieren und Uli anschließend zur F650 zurück zu fahren. Prima, das spart reichlich Zeit und außerdem Geld für den Abschlepper. Auf halbem Wege dreht der Sheriff das Blaulicht an, dreht um und braust davon. Hm, so viel zur Eskorte. Kurz nach Ankunft an der Werkstatt in Haast, ist auch der Sheriff wieder da. Er erklärt, dass er einen entgegenkommenden Temposünder stellen musste. Während der Fahrt zurück zur F650 erklärt er stolz die Funktion seiner Radaranlage an Bord. Als einziger Polizist in der Gegend mit nicht sehr vielen Aufgaben außer Raser zu stoppen ist er wohl froh über ein wenig Abwechslung und genießt die Plauderei mit dem Tourist.

Den Samstagvormittag verbringen wir mit Recherche zum Stoßdämpfer. Ist eine Reparatur möglich? Wo gäbe es Ersatz? Wie lange dauert die Beschaffung? Wir telefonieren diverse Möglichkeiten ab, aber mit jedem Telefonat schwindet die Hoffnung auf schnellen Ersatz. Ein Ersatzstoßdämpfer über BMW Neuseeland würde weit über 1500EUR kosten, mit einer Lieferzeit aus Deutschland von knapp 2 Wochen. Nee Danke, in Deutschland können wir den auch selbst besorgen. Denn die Originalstoßdämpfer unserer Mopeds liegen daheim; wir hatten uns vor Reiseantritt verbesserte Wilbers-Stoßdämpfer einbauen lassen. Wir rufen also unser Support-Team - Annaleens Eltern - an, die noch am Vormittag (es lebe die Zeitverschiebung) den Stoßdämpfer zur DHL Express Station bringen. Wir haben extra einen ausführlichen Brief an den neuseeländischen Zoll beigepackt, damit es keine Unklarheiten bei der Einfuhr gibt. Die Laufzeit soll vier Tage betragen, das klingt doch deutlich besser als 14.

Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir noch nicht, welche Schwierigkeiten dieser Versand bereiten wird.

 

Wir wollen die Zeit nicht in Wanaka absitzen, sondern mieten uns für vier Tage ein kleines Auto und fahren unsere geplante Route ganz im Süden der Südinsel ab. Über Dunedin geht es zum südlichsten Punkt an der Porpoise Bay (18.500km Luftlinie von daheim), weiter durch Invercargill nach Te Anau, dem Ausgangspunkt für den Milford Sund. Die Strecken mit dem Auto statt mit den Mopeds zu fahren tut uns in der Seele weh, aber so können wir wenigstens sicher sein, alles wie geplant zu sehen.

In der Küche des Campingplatzes in Dunedin treffen wir übrigens die beiden Australier wieder, die vor ein paar Tagen Annaleen und das Gepäck nach Wanaka mitgenommen haben. So klein ist die Welt. Und wie klein sie wirklich ist, zeigt folgende Begegnung: Wir kommen in Te Anau mit unseren Zeltnachbarn ins Gespräch, einem jungen belgischen Pärchen, die eine einjährigen Weltreise machen. Im Laufe des Gespräches stellen wir fest, dass die zwei vor drei Monaten in Nepal unsere Reisefreundin Fern kennen gelernt haben, die mit uns drei Wochen durch China und Pakistan gefahren ist.

 

Während wir auf zwei Achsen durch die Lande gurken, nimmt das DHL Drama seinen Lauf. Mit jedem Tag sinkt unsere Hoffnung auf einen schnellen Erhalt des Ersatzstoßdämpfers. Das Paket verlässt erst nach vier Tagen Deutschland, soviel zur angegebenen Laufzeit. Nach sechs Tagen erreicht das Paket Auckland, aber wird nicht in der Verzollung verarbeitet. Warum? Das kann uns niemand bei DHL sagen, als wir die Call-Center in Deutschland und Neuseeland anrufen. Es würden Informationen zur Zollabfertigung fehlen. Welche, weiß niemand. Da es, wieder einmal, Freitagnachmittag ist, werden wir diese Fragen nicht vor Montag klären können. Frustriert müssen wir weiter abwarten.

 

Zu den Fotos dieser Woche geht es hier: Neuseeland - Der Süden der Südinsel

Zum nächsten Kapitel: Neuseeland - Christchurch

 

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