Alser-On-Tour

Motorradspass und Geschichtsunterricht

05.11.-11.11.2012 Über den Mekong im Westen nahe an die vietnamesische Grenze im Osten


Es ist an der Zeit, Thailand zu verlassen, um Laos und anschließend Kambodscha zu erkunden. Allerdings ist es nur ein temporärer Abschied, wir werden in den kommenden 6 Wochen noch zwei Mal nach Thailand zurück kehren.

Nahe Chiang Saen – auf thailändischer Seite – stehen wir am Ufer des Mekong, wo dieser die Grenze zwischen Thailand, Laos und Burma und damit das sogenannte „Goldene Dreieck“ markiert. Früher ein Opium-Umschlagsplatz und Geldquelle für die Einheimischen ist das Grenzgebiet heute ein beliebter Anlaufpunkt für die Touristen.

 

60km flussabwärts erledigen wir in Chiang Khong die Ausreiseformalitäten, was reibungslos klappt. Um nach Laos zu gelangen, müssen wir über den Mekong. Der Personentransport erfolgt mit schmalen Booten – nichts für uns, da unsere Mopeds für diese wohl zu schwer wären. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als die große 25EUR teure Fahrzeugfähre zu nutzen, mit der auch die LKW über den Fluss transportiert werden. „Fähre“ ist vielleicht etwas übertrieben; es ist vielmehr ein etwas altersschwacher Schlepper, der einen großen Ponton zieht und gegen die starke Strömung schwer zu tun hat.

Der Anleger zur Auffahrt auf die Fähre ist im Prinzip nicht vorhanden, wir wühlen uns durch tiefe Schlammspuren, die von den schweren LKW ausgefurcht sind. Augen zu und durch, heißt es da. Auf laotischer Seite in Huay Xai ist das ganze viel komfortabler, hier reicht die Bootsrampe bis an die betonierte Auf-/Abfahrt heran. Ebenso einfach ist die Einreise für Mensch und Moped; nach wenigen Minuten ist der Papierkram erledigt und wir sind offiziell im 38. Land unserer Reise - der Demokratischen Volksrepublik Laos. Wie demokratisch ein kommunistisch regiertes Land wirklich sein kann, wird sich in den nächsten Tagen zeigen :-) Aber immerhin können wir für ca. 2 Wochen endlich mal wieder auf der "richtigen" Seite der Straße fahren.

 

Unsere ersten Kilometer in Laos am nächsten Tag bieten uns eine überraschend fantastisch ausgebaute Straße. Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet, aber der Grund ist schnell klar: es handelt sich um die Haupttransitstrecke für den Warenverkehr aus China Richtung Thailand und so haben die Chinesen kurzerhand die Straße fernverkehrsgerecht ausgebaut. Als wir in Udomxai auf die Straße 1 ostwärts abbiegen, ist es damit auch leider wieder vorbei.

Wir müssen zwar das Tempo den etwas schlechteren Straßenverhältnissen anpassen, dennoch ist das laotische Hügelland genau wie das Pendant in Nordthailand ein wahres Motorradparadies. Ständig geht es hinauf und hinunter, die Straße windet sich in unzähligen Kurven entlang der Berge. Der geringe Straßenverkehr erhöht den Fahrspaß zusätzlich.

 

Die Straße führt durch viele Dörfer, die uns interessante Einblicke in das traditionelle Leben bieten und uns gefühlt um 100 Jahre zurück versetzen. Hier ist die Land- und Viehwirtschaft vorherrschend; am Straßenrand und zwischen den Bambushütten grasen Kühe und Schweine, Hunde liegen im Schatten und wir müssen aufpassen, dass wir keine Hühner, Enten oder anderes Federvieh zwischen die Speichen kriegen, wenn diese hektisch über die Straße rennen. Wir werden frenetisch von den unzähligen Kindern mit „Sabaidee“ begrüßt, wenn wir durch die Dörfer kommen. Sie winken und johlen uns zu, einige wollen sogar „high five“ abklatschen.

 

Über Vieng Thong, einem verschlafenen Nest, wo mit Einsetzen der Dunkelheit die Bürgersteige hochgeklappt werden, fahren wir nach Vieng Xai nahe der vietnamesischen Grenze im Nordosten von Laos. Die üppig-grüne Landschaft mit den interessant geformten Kalksteinfelsen ist richtig malerisch. Im Inneren der Felsen befindet sich ein weitläufiges Höhlensystem, welches wir für eine anschauliche Geschichtslektion besichtigen.

Denn der idyllische äußere Anblick der Landschaft täuscht darüber hinweg, dass hier vor gut 40 Jahren ein jahrelanger Krieg tobte. Der Osten von Laos war ein Nebenschauplatz des Vietnamkrieges, da sich hier der laotische kommunistische Widerstand (welcher seit 1975 die offizielle Regierung inklusive Staatspräsident stellt) in einem großen Höhlensystem in den Kalksteinfelsen versteckt hielt. Um die Unterstützung für das kommunistische Nordvietnam zu unterbrechen, flogen amerikanische Truppen über einen Zeitraum von 9 Jahren täglich Luftangriffe in dieser Region und warfen Millionen Tonnen an Streubomben über Ostlaos ab. Und das, obwohl Laos im Rahmen der Genfer Konferenz von 1954 zur neutralen Zone erklärt wurde und damit offiziell kein Kriegsteilnehmer war.

Hauptleidtragender des Krieges ist wie immer die Zivilbevölkerung, die noch heute die Auswirkungen dieser schweren Bombenangriffe im Alltag zu verkraften hat. Denn rund ein Drittel der abgeworfenen Sprengsätze liegt nach wie vor als Blindgänger in den Feldern und ist eine tödliche Gefahr für die Bauern. Noch immer gibt es jährlich viele Verletzte oder sogar Tote; auf dem Stundenplan der Schulkinder steht neben Schreiben und Rechnen auch der richtige Umgang mit den verlockend farbigen Gegenständen.. Vor diesem Hintergrund ist es erst Recht unfassbar, dass die USA noch immer Streubomben in ihren Kriegen einsetzen, z.B. in Afghanistan.


Auch im 280km entfernten Phonsavan treffen wir auf Überbleibsel der amerikanischen Luftangriffe in Form von großen Bombenkratern und abgesperrten Gebieten, als wir die „Plain of Jars“, die Ebene der Tonkrüge besichtigen. Auf einer Fläche von mehreren Hektar verteilt liegen große Steinkrüge (die Bezeichnung „Tonkrüge“ im Deutschen hat sich im fälschlicherweise eingebürgert), deren Bedeutung und Herkunft historisch nicht gesichert ist. Archäologen halten die Krüge für 1500 bis 2000 Jahre alte Urnen, auf uns wirken sie eher wie Wasserspeicher.

Phonsavan hat außer der Plain of Jars nichts interessantes zu bieten und so ziehen wir hier nach nur einer Übernachtung weiter. Die tolle Motorradstrecke hält weiter an, beschwingt geht es durch unzählige Kurven durch das Hügelland und schließlich hinab an den Mekong nach Luang Prabang, wo wir ein paar Tage in der alten Königsstadt verbringen werden.

 

Zu den Fotos geht es hier: Laos – Der Norden

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