Alser-On-Tour

Von Luang Prabang südwärts an die kambodschanische Grenze

12.11.-18.11.2012 Alte Königsstädte, das Erbe der französischen Kolonialzeit und der Versuch, Kommunismus mit touristischen Dienstleistungen zu verbinden


Laos bietet, wie bereits vergangene Woche beschrieben, besonders im Norden tolle Landschaft mit schönen Strecken zum Mopedfahren. Aufgrund der Straßeninfrastruktur und des wenigen Verkehrs sind Tagesetappen von 250km oder mehr ein Leichtes und wir haben am Nachmittag Zeit für das touristische Besuchsprogramm.


Von Phonsavan führt die Straße zunächst über die Hochebene und mit gefühlten 1000 Kurven, ehe wir auf den letzten 30km vor Luang Prabang gute 1200 Höhenmeter in das Tal abbauen und in der alten Königsstadt am Mekong eintreffen.

Etwas abseits des Touristenrummels beziehen wir ein schönes Gästehaus, in dem wir uns auf Anhieb wohl fühlen und vom netten Besitzer Willkommen geheißen werden. Nachdem wir die vergangene Woche täglich von Ort zu Ort gezogen sind und so einige Kilometer abgeschrubbt haben, genießen wir es, mal wieder für zwei Nächte (am Ende werden es dann auch drei) im gleichen Zimmer zu schlafen.

 

Wir sitzen auf der Terrasse unseres Gästehauses, als wir deutschen Besuch erhalten. René hat unsere Mopeds vor der Tür wiedererkannt. Er ist ein Radfahrer, den wir gemeinsam mit seiner Frau vergangene Woche in Thailand kurz vor der laotischen Grenze überholt haben. Die beiden (auch passionierte und ferngereiste Mopedfahrer) machen eine vierwöchige Radtour in Nordthailand und Laos und sind auf dem Weg nach Vientiane. Die letzten Tage haben wir nach langer Zeit wieder einige Fernradler getroffen, die tapfer bergauf strampeln – bei intensivem Sonnenschein und heißen Temperaturen ein extremer Kraftakt. Da loben wir uns doch unsere motorisierten Stahlrösser :-)

Luang Prabang ist über Jahrhunderte eine königliche Residenzstadt gewesen und wurde auch stark kulturell und architektonisch von der französischen Kolonialmacht geprägt. Vor diesem Hintergrund der kulturhistorischen Bedeutung ist die Stadt 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden, was natürlich viele Besucher anlockt. Die historische Altstadt ist übersät mit Hotels, Restaurants, Souvenirständen und Tourveranstaltern. Wir besichtigen den Königspalast, verschiedene Tempel und schlendern an den Abenden über den Nachtmarkt in der Altstadt, wo wir uns über leckere frisch geschmierte Baguette-Sandwiches oder reichhaltiges laotisches Büffetessen freuen.

 

Von Luang Prabang fahren wir in einem Tag die knapp 450km lange Strecke direkt nach Vientiane; lassen die Berge endgültig hinter uns und damit auch die angenehmen Temperaturen von unter 30°C. Vientiane entpuppt sich als ziemlich langweilige und leider nicht billige Hauptstadt; besonders die hohen Preise für Essen, Trinken und Übernachtungsmöglichkeiten erstaunen uns.

Unser Besichtigungsprogramm fällt recht kurz aus. Wir besuchen den Tempel Si Saket, wo über 2000 Buddhafiguren in allen möglichen Größen aufgestellt sind. Besonders die lebensgroßen Figuren erinnern leicht an die Terrakotta-Armee in China.

Vom Siegesdenkmal – einem dem Arc de Triomphe in Paris nachempfundenem (aber nie wirklich fertig gestellten) Triumphbogen - folgen wir dem breiten Boulevard zum Präsidentenpalast am Mekong. Von der Herrschaft der Könige zeugt nur eine große Statue auf der Uferpromenade. Hier wird es abends richtig voll, wenn Einheimische wie Touristen am Fluss entlang flanieren und über den Nachtmarkt schlendern.

Am zweiten Tag setzen wir uns in den Überlandbus und fahren zum Buddha-Park Xiang Khuan, ca. 25km südöstlich von Vientiane. Hier hat sich zwischen 1958 und 1975 der Schamane Luang Pu Bunleua Sulilat ausgetobt und Dutzende Buddhas und andere Figuren wie z.B. Schlangen oder Elefanten aus Zement erschaffen. Das Ziel des Künstlers, Elemente aus Buddhismus und Hinduismus zu verbinden, ist teilweise recht „kreativ“ und bizarr anzuschauen.

 

Ab Vientiane spulen wir viele Kilometer ab, um innerhalb von drei Tagen zur Grenze nach Kambodscha zu kommen, mit Übernachtungsstopps in Savannakhet am Mekong und Paksong auf dem Boliven-Plateau. Unsere Fahrpausen begrenzen sich auf kurze Stopps zum "Beine-vertreten" und der Mittagspause, in der wir meistens an einem Straßenstand die traditionelle Fö serviert bekommen - laotische Nudelsuppe.

Bald stellen wir fest, dass uns der Süden des Landes nicht halb so gut wie der Norden gefällt. Das liegt zum einen an der vergleichsweise langweiligen Strecke und Landschaft, zum anderen finden wir die Dörfer und Städte wenig ansprechend und die Landschaft zu sehr mit Müll verdreckt. Abfall wird sorglos an die Seite geschmissen – irgendjemand wird es schon entsorgen. Oder eben auch nicht, wie wir sehen; sonst würde das viele Plastik nicht am Straßenrand liegen.

Laos hat touristisches Potenzial, aber die damit einhergehende Serviceeinstellung fehlt in unseren Augen vielerorts. So passiert es uns in verschiedenen Situationen, dass wir abgewiesen bzw. ignoriert oder mit größter Unlust bedient werden. In Hotels bzw. Gästehäusern heißt es, dass man ausgebucht ist oder, noch besser, kein Gästehaus sei. Äääh, und warum steht dann ein großes Schild am Tor? Beim Frisör wird abgewunken, als wir nach einem Haarschnitt fragen. Die Bitte im Copy-Shop etwas auszudrucken, wird mit einem genervten Blick über die Schulter quittiert, ehe die Dame sich wortlos wieder ihrer Seifenoper im (ständig und überall laufenden) Fernsehen zuwendet. Ist es die sprachliche Barriere? Oder ist es zu viel Aufwand? Wir finden diese Einstellung gelinde gesagt irrititierend und fragen uns, wie der kommunistische Gedanke mit einem serviceorientierten Betrieb in Einklang zu bringen ist. Wenn der Gast/Kunde sich wie ein Bittsteller vorkommt, läuft doch etwas verkehrt.

 

Zu den Bildern der Woche geht es hier: Laos

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