Alser-On-Tour

Im Norden Südamerikas

25.04. – 01.05.2011: Unsere letzte Reisewoche in Südamerika


Der erste Eindruck eines Landes ist für uns wesentlich für den Gesamteindruck. Diesen ersten unvergesslichen Eindruck bekommen wir an der Grenze, im Falle Kolumbiens ist es der Grenzübergang Ipiales im Süden. Die Grenzer sind freundlich und höflich und bearbeiten unsere Einreise effizient. Dies setzt sich im Lande fort und wir treffen durchweg fröhliche, interessierte, freundliche und höfliche Menschen.

Vor wenigen Jahren stand Kolumbien ganz sicher nicht auf der Wunschliste der Reiseziele. Drogenwirtschaft und hohe Kriminalitätsrate waren die Stichworte, die einem direkt zu Kolumbien einfielen. Aus unserer Sicht gehört dies der Vergangenheit an. Es hat sich unglaublich viel getan, insbesondere hinsichtlich Sicherheit und Infrastruktur.

Entlang der Straßen stehen gefühlt alle 50km Militär- oder Polizeiposten, die einem mit „Daumen hoch“ und freundlichem Lächeln signalisieren, dass alles in Ordnung ist. Die Polizei nimmt Verkehrskontrollen vor und prüft Fahrzeugpapiere. Wir werden meistens durchgewunken. Die drei Kontrollen, die wir erleben, laufen sehr entspannt ab; man will eher wissen, wo wir herkommen und wo unsere Reise hingeht, als dass man sich wirklich für unsere Papiere interessiert.

Trotz der vielen Kontrollposten ist der Verkehr in Kolumbien gelinde gesagt chaotisch. Es gibt zwar Verkehrsregeln, sich aber an diese zu halten wäre eher gefährlich als sinnvoll, denn man wäre den anderen Verkehrsteilnehmern aktiv im Weg. Geschwindigkeitsbegrenzungen werden generell ignoriert, ebenso durchgezogene Linien zwischen den Spuren oder Überholverbote. Wir wundern uns wiederholt, dass wir keine Unfälle sehen. Das Chaos scheint grundsätzlich zu funktionieren, oder es gibt überdurchschnittlich viele Schutzengel, wenn Überholmanöver vor und in „blinden Kurven“ glimpflich und ohne Zusammenstöße mit dem nicht einsehbaren Gegenverkehr ablaufen.

 

Wir haben ein paar Fahreindrücke - bei wenig Verkehr! - als Video zusammengestellt:

 

Landschaftlich steht Kolumbiens Süden der beeindruckenden Region in Ecuador in nichts nach. Eine traumhafte Kurvenstraße bringt uns die ersten 600km nordwärts. Am Karfreitag fahren wir von Pasto nach Cali und passieren auf der Strecke mehrfach Osterprozessionen. Die Menschen folgen singend und betend einem großen Kreuz (bestehend aus einem Baumstamm), das von mehreren Männern geschultert getragen wird. Das ist eigentlich alles, woran wir merken, dass Ostern ist, denn wir sehen keinerlei Osterdekorationen oder Schokohasen, wie wir es von Zuhause kennen.

An Ostersamstag erreichen wir Medellín, mit ca. 5mio Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Sie erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung zwischen zwei Bergrücken in einem Flusstal und zeigt sich – typisch Millionenstadt – sowohl modern und wohlhabend als auch schäbig und arm. Medellín ist die einzige Stadt in Kolumbien mit einem Stadtbahn-System; eine dieser Metro-Linien besteht aus Gondeln, so dass man einen interessanten Ausblick oberhalb der Straßen hat.

In Medellín verbringen wir ein paar entspannte Tage mit Barbecue am Ostersonntag. Ostermontag ist in Kolumbien Arbeitstag (dafür ist der Gründonnerstag frei) und so können wir unsere Bikes zum Service und Reifenwechseln in der Werkstatt "Ruta 40" abgeben. Hier bekommen wir auch unser Paket mit den Ersatzteilen wieder zu Gesicht, welches wir von Valparaiso hierher geschickt hatten. Die Inspektion verläuft ohne Probleme und wir können am Dienstag unsere Bikes wieder in Empfang nehmen. Vielen Dank an die Jungs von Ruta 40!

Unsere Zeit in Kolumbien ist leider sehr begrenzt und damit wird Medellín der nördlichste Punkt unserer Reise in Südamerika bleiben. Wir entschließen uns, auf dem Weg nach Bogotá einen Zwischenhalt im entspannten Städtchen Salento einzulegen. Malerisch gelegen im grünen Hügelland zwischen Perreira und Armenia, lebt Salento sowohl vom Tourismus als auch von Landwirtschaft. Diese besteht hauptsächlich aus Bananen- und Kaffeeplantagen. Letztere besichtigen wir und lassen uns den langwierigen Prozess von der Pflanzung bis zum Einschenken des koffeinhaltigen Heißgetränks erklären.

Von Salento aus gelangt man, zum Beispiel wie wir in einem uralten Jeep, in das idyllische Cocora-Tal, wo wir während einer kleinen Indiana-Jones-Wanderung den üppig grün bewachsenen Nebelwald durchstreifen und die hochaufgeschossenen Wachspalmen sehen.

 

In Bogotá werden wir die letzte Woche in Südamerika verbringen. Die Fahrt dorthin führt uns noch einmal von Armenia aus über einen Andenpass in 3235m Höhe. Die Straße ist stark befahren von Gütertransportern aller Art, damit hatten wir an einem Sonntagvormittag nicht gerechnet. Die LKW kriechen zum Teil in Schrittgeschwindigkeit die Bergkehren hinauf und werden zu allem Überfluss von nur wenig schnelleren Trucks überholt. Entsprechend lange dauert ein Überholmanöver und die Fahrzeugschlange wird länger und länger. Schließlich haben wir alle hinter uns lassen können und rollen in das Großstadtchaos von Bogotá ein.

 

Link zu den Fotos dieser Woche: Kolumbien


zum nächsten Kapitel: Auf in die USA

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