Alser-On-Tour

Osh und das Alau-Tal an der tadschikischen Grenze

06.08.-12.08.2012 Die Alau-Kette im Süden Kirgisistans ermöglicht uns den Blick auf über 7000m hohe Berge


Mit Kirgisien erreichen wir den 25. Staat seit dem Reiseneustart im April, im gesamten Reiseverlauf ist es das 33 Land. Die Einreise nach Kirgisien erweist sich als einen der umkompliziertesten Grenzübergänge überhaupt. Seit ein paar Tagen besteht für viele Länder keine Visumspflicht mehr, u.a. auch für deutsche Staatsbürger. Ein Stempel in den Pass, ein freundliches "Welcome to Kyrgyztan" und schon sind wir entlassen.

Die Stadt Osch liegt unmittelbar an der Grenze, in das Stadtzentrum sind es keine 5km. Unser erster Eindruck der Stadt ist sehr ernüchternd; es ist laut, dreckig und wirkt ziemlich heruntergekommen. Welch großer Kontrast zu den grünen Weiten der Fergana-Ebene, durch die wir von Taschkent kommend gefahren sind. Wir bleiben zwei Nächte in Osch und legen uns die Karten, wie es nun weiter gehen soll. Unsere Route sollte uns eigentlich von Usbekistan nach Tadschikistan führen und über den legendären Pamir-Highway im Süden des Landes wollten wir nach Kirgisien weiter reisen. Vor knapp drei Wochen gab es einige Gefechte zwischen tadschikischen Regierungstruppen und Rebellen (eine uralte Fehde), mit der Konsequenz, dass die Pamir-Region für Touristen geschlossen wurde und es allem Anschein nach auch weiter bleibt. Verbindliche Informationen sind schwer zu bekommen; am verlässlichsten sind da noch die Berichte uns entgegenkommender Reisender (vornehmlich Radfahrer), die die Sperrung bestätigen.

Es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Pamir-Strecke für dieses Jahr abzuschreiben. Sehr schade, hatten wir uns doch sehr auf dieses fahrerische Highlight gefreut. In Osch lernen wir den sympathischen Urs kennen. Urs bietet in der Sommersaison in Kirgisien Motorradtouren an und vermietet dazu die passenden Mopeds. Wir werden in einem der nächsten Sommer auf das Angebot zurück kommen!

Unsere beiden Highlights in Osch sind neben dem Kennenlernen von Urs das Treffen mit unseren Freunden Alexandra und Andre, die seit 26 Monaten mit ihren beiden Honda-Mopeds durch die Welt touren und das tolle Essen in einem schönen Gartenlokal. Das Steak ist das beste Fleisch seit vielen Wochen! :-)

Von Alex und Andre bekommen wir gute Tipps für Kirgisiens Süden und so machen wir uns auf in die Berge an der tadschikischen Grenze. Nach den vielen Kilometern durch die Wüste in den vergangenen Wochen ist die Bergkulisse eine echte Wohltat. Von Osch aus fahren wir durch das Gulcha-Tal Richtung Sary-Tash. Endlich wieder Berge, endlich wieder kurvige Strecken und das auf einer toll ausgebauten asphaltierten Straße! Ein Fest für alle Motorradsinne. Da können sich die Turkmenen und Usbeken ein Beispiel dran nehmen.

Weit kommen wir jedoch am ersten Tag nicht. Nach 130km sehen wir am Straßenrand den Mercedes-Kurzhauber von Tom und Verena. Wir hatten uns schon kurz in Osch gesprochen und daher beschließen wir, unser Zelt neben dem Truck aus Offenbach aufzubauen. Wir tauschen viele Reisegeschichten aus und verbringen einen unterhaltsamen Abend und den folgenden Vormittag miteinander. Unser Camp ist direkt an der M41 und so kommen am Morgen einige Radreisende an uns vorbei, die zu einem kleinen Plausch anhalten.

Vom Gulcha-Tal geht es über einen gut 3600m hohen Pass nach Sary-Tash, wo die Straßen Richtung China und Richtung Tadschikistan abzweigen. Wir bleiben auf kirgisischer Seite und fahren westwärts durch das Alau-Tal. In Sary-Moghul verlassen wir die Hauptstraße, decken uns mit Wasser ein und fahren über eine 20km lange Schotterpiste dichter an die Berge heran. Vor uns liegt der 7134m hohe Pik Lenin, die schnee- und gletscherbedeckten Berge der Alau-Kette sind ein imposanter Anblick.

 

 

Auf 3300m haben wir unser Ziel erreicht. Puh, hier ist die Luft schon deutlich dünner und man gerät schnell aus der Puste. Wir besuchen eine kirgisische Bauernfamilie, die hier im Sommer ihre Jurte aufschlägt und Viehwirtschaft betreibt. Wir sind sehr fasziniert von ihrem Lebensstil, der so völlig fremd und anders zu unserem mitteleuropäischen Leben ist. Diese Übernachtung wird über ein Netzwerk aus privaten Unterkünften angeboten, welches den sanften und nachhaltigen Tourismus fördert. Eine tolle Sache, zumal die Einkünfte im überwiegenden Teil beim Anbieter selbst verbleiben.

Wir spielen mit den Kindern, schauen beim Yakmelken zu und genießen abends und morgens das frisch zubereitete Essen. Gekocht wird auf dem Ofen, der die Küchenjurte mit Wärme versorgt. Auch in der Jurte, in der wir schlafen, steht ein kleiner Ofen, der ebenfalls mit getrocknetem Yak-Dung geheizt wird. Holz hacken ist hier oberhalb der Baumgrenze ein Fremdwort. Die Jurte ist spartanisch eingerichtet, es gibt keine Sitzmöbel und natürlich auch kein fließend Wasser. Dennoch fehlt es an nichts, über eine kleine Solarzelle wird Strom für die einzige Glühbirne, das Kofferradio und sogar das Handyladegerät erzeugt. Die absolute Ruhe und die Bergkulisse sind Idylle pur, uns geht es einfach gut.

 

Nach einer gemütlichen Nacht in der Jurte und einer kleinen Wanderung zu einem Bergsee machen wir uns am frühen Nachmittag wieder auf den Weg zurück Richtung Osch, was wir in zwei Tagesetappen erreichen wollen. Nicht ungewöhnlich im Hochgebirge ändert sich schnell das Wetter und es zieht zu. Die Alau-Kette verschwindet in den dunklen Wolken, wir schaffen es jedoch trocken über den Pass zurück ins Gulcha-Tal. Aber auch hier zieht ein Sturm auf und wir entscheiden uns schließlich, doch in einem Rutsch nach Osch zu fahren. Das Stadtgewusel ist ein großer Kontrast zu der Ruhe und Einsamkeit am Fuße des Pik Lenin, wo wir grad mal 4 Stunden vorher gewesen sind.

Zurück in Osch treffen wir uns wieder mit Alex und Andre, mit denen wir einen schönen Tag verbringen. Nach so langer Zeit gibt es viele Informationen und Neuigkeiten auszutauschen. Die beiden fahren am nächsten Tag nach Usbekistan während wir am Abend zum Flughafen aufbrechen, wo uns ein Flugzeug nach Istanbul und weiter nach Deutschland bringen wird. Wir machen zwei Wochen Heimaturlaub, da es mal wieder einige Dinge daheim zu regeln gibt, die unsere Anwesenheit erfordern. Und zusätzlich wird bei unserer Rückkehr nach Kirgisien einer von uns beiden einen neuen Nachnamen haben :-)

 

Zu den Fotos: Kirgisien - Süden

Zum nächsten Kapitel: Kirgisien - Norden

 

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