Alser-On-Tour

Über den Torugart-Pass nach China

03.09.-06.09.2012 Vom Issyk-Kul See nach Tash-Rabat zum Treffpunkt mit der China-Gruppe


Auch auf den zweiten Blick gefällt uns Kirgisien noch immer richtig gut. Wir haben während unserer Zeit hier beeindruckende Landschaften durchfahren und noch immer nicht alles von diesem doch so ursprünglichen Land gesehen. Wir möchten gerne wieder hierher zurück kommen; mit den vereinfachten Einreisebestimmungen und bequemen Flugverbindungen ist das alles überhaupt kein Problem mehr.

Vom Issyk-Kul See machen wir uns in zwei Tagesetappen auf zu unserem Treffpunkt für die China-Passage. Über Kochkor geht es über die mehr schlechte als rechte Hauptstraße nach Naryn, der Hauptstadt der gleichnamigen Region. Über das örtliche Tourismusbüro wird uns eine private Unterkunft vermittelt, in der es zum Glück auch eine abschließbare Garage für die Mopeds gibt und diese über Nacht von der Straße verschwinden. Denn nach wie vor erregen wir große Aufmerksamkeit bei den Einheimischen. Wir fühlen uns regelrecht wie Berühmtheiten, wenn uns Erwachsene an der Straße zuwinken und Kinder jubelnd auf uns zu laufen. Motorisierte Zweiräder, besonders in dieser Größe, sind eine Seltenheit in Kirgisien.


Wir investieren unsere letzten Som an der Gasprom-Tankstelle in gutes 95-Oktan-Benzin und verlassen Naryn in südlicher Richtung. Kurz nach der Ortsgrenze geht es auf einer holprigen und sehr staubigen Schotterpiste über einen Pass. Vor uns liegen gut 100km bis zu unserem Treffpunkt Tash-Rabat – bei solchen Straßenverhältnissen wird das einige Zeit in Anspruch nehmen. Doch die Befürchtungen lösen sich in Luft auf, als hinter einer Kurve nach der Passhöhe der Schotterweg in eine fantastische Asphaltstraße übergeht. Die Mopeds schnurren beschwingt, wir können endlich mal wieder fahren ohne groß auf die Straße zu achten.

 

Tash-Rabat ist eine alte Karawanserei (Rastplatz der Karawanentrecks), die aufgrund der Nähe zur Hauptroute der Seidenstraße früher eine große Bedeutung hatte. Dorthin gelangt man über eine 15km lange Piste durch ein malerisches Tal, das von mehreren Jurten-Camps besiedelt ist. Am Abend ist die Gruppe tatsächlich vollständig, alle 12 Teilnehmer und 10 Mopeds sind am vereinbarten Treffpunkt. Zusammengefunden hat sich die Gruppe über einen Aufruf im Motorradreiseforum von Horizons Unlimited; über Monate haben wir lediglich Emails ausgetauscht und nun lernen wir uns alle persönlich kennen. Einige der anderen Reisenden hatten wir in der vergangen Woche unterwegs (per Zufall) getroffen, mit dem Finnen Marko und den Amerikanern Jeff und Si haben wir wie berichtet schon ein paar Tage verbracht. Ebenso treffen wir unsere Gastgeber aus Madrid wieder – Jose und Pilar.

Warum schließen wir uns zu einer Gruppe zusammen? Eine China-Durchfahrt mit dem eigenen Fahrzeug ist nicht einfach so machbar, neben dem obligatorischen Visum benötigt man ein Begleitfahrzeug und einen „Reiseführer“. Die Kosten dafür sind sehr hoch und so können wir die Kosten teilen. Wir sind eine sehr internationale Truppe; neben uns, Marko, Jeff und Si, Jose und Pilar sind noch die Polen Lucas und Max, die Briten Fern und John und der Italiener Marco dabei.

Nach einer kalten Nacht in 3000m Höhe kratzen wir am frühen Donnerstagmorgen eine Eisschicht von den Mopeds. Auf chinesischer Seite werden wir die Uhr um 2 Stunden nach vorne stellen und sitzen daher schon um 07 Uhr im Sattel. Das Thermometer am Moped zeigt frische 0,5°C an. Die Regenwolken vom Vortag haben sich aufgelöst – bei unserer Abfahrt taucht soeben die Sonne hinter den hohen Bergen auf und bietet uns ein atemberaubendes Panorama auf unserem Weg zur Grenze.

 

Leider endet bald die schöne Asphaltstraße und wir quälen uns ca. 60km über eine von Schlaglöchern und Furchen übersäte Piste. Straße kann man das schon gar nicht mehr nennen – jeder Feldweg rund um Alzey oder Immenbeck ist in besserem Zustand.

Wir brauchen sehr viel länger als gedacht, was auch an insgesamt zwei Pannen anderer Mopedfahrer unserer Gruppe liegt. Zum Glück ist es aber nur ein Platten und ein „eingefahrenes“ Federbein. Diese Probleme lassen sich an Ort und Stelle zumindest provisorisch lösen.

Die Grenze von Kirgisien überqueren wir ohne längere Wartezeit und verabschieden uns mit einer weiteren positiven Erfahrung von diesem wunderschönen Land.

 

Schließlich liegt es vor uns: China, das Land der Mitte. Aber noch sind wir nicht offiziell eingereist. Am ersten großen Kontrollpunkt halten wir Ausschau nach unserem Begleitfahrzeug, wir sind mittlerweile eine gute Stunde zu spät. Von Ali ist jedoch weit und breit nichts zu sehen, er taucht erst eine weitere Stunde später auf. Es stellt sich heraus, dass die vereinbarte Uhrzeit von 11.30 Uhr doch die kirgisische und nicht die chinesische Zeit war. Und dabei haben wir extra mehrfach bei der Agentur nachgefragt… Nun ja, mit den Pannen und dem langsamen Vorankommen haben wir eh die extra Zeit gut gebrauchen können.

Mit Ali durchlaufen wir die erste Kontrolle des Militärs, bei der unsere Pässe zwar kontrolliert aber nicht abgestempelt werden. Lediglich das Gepäck wird – mehr oder weniger – intensiv durchleuchtet; sowohl mittels eines mobilen Röntgengerätes als auch durch die Zollbeamten persönlich. Auch unsere Computer werden gecheckt; der ausführende Beamte wirkt aber ziemlich orientierungslos und kann mit den deutschen oder englischen Begriffen der Programme und Dateien nicht viel anfangen. Wie sie auf diese Weise verbotenes politisches oder religiöses Material finden wollen, bleibt schleierhaft.

Endlich haben wir wieder aufgepackt und fahren die ersten Kilometer in China. Es geht entlang eines Flusses durch ein Tal abwärts Richtung Kashgar. Wir kommen durch einige kleine Bauernsiedlungen, ansonsten ist hier nicht viel los außer Landschaft.

 

Nach 100km erreichen wir den nächsten Kontrollpunkt. Hier wird mit einer kleinen Handspritze ein bisschen Desinfektionsmittel auf unsere (sehr dreckigen!) Mopeds gesprüht – und im Anschluss ein Haufen Geld für die paar Tropfen verlangt. Wenige hundert Meter weiter ist die eigentliche Passkontrolle und wir erhalten den chinesischen Einreisestempel. Wieder müssen wir alles Gepäck abschnallen (unsere Seitenkoffer lassen wir aber bewusst und ungefragt dran), damit es ein weiteres Mal geröntgt werden kann. Nun beginnt eine längere Wartezeit auf den einen Zollbeamten, der unsere Motorennummer prüfen wird.


Auch diese Kontrolle ist nach 2,5 Stunden geschafft und wir können uns endlich auf den Weg zu unserer Unterkunft in Artush nahe Kashgar machen. Unser Begleitfahrzeug fährt allerdings in einem so geringen Tempo, dass ein Nachfahren sehr anstrengend ist und wir uns fragen, ob wir noch bei Helligkeit in Artush ankommen werden. Mit den letzten Sonnenstrahlen erreichen wir dann unser Ziel, nachdem wir uns mehrfach verfahren hatten, weil weder der Reiseleiter noch der Fahrer jemals in Artush gewesen sind.


Nach diesem leicht chaotischen und mit viel Warterei verbundenen Tag sind wir gespannt, was uns die kommenden 4 Tage in China erwarten wird.

 

Zu den Fotos dieser Woche geht es hier: Kirgisien – Osten

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