Alser-On-Tour

Im Dreieck der drei höchsten Gebirge der Welt

10.09.-16.09.2012 Unterwegs in faszinierender Landschaft zwischen Hindukush, Karakorum und Himalaja


Bereits seit Kashgar fahren wir auf dem legendären Karakorum Highway, kurz: KKH.

Unter diesem Begriff stellt man sich eine große, gut ausgebaute Schnellstraße vor. Man sollte sich nicht von Namen täuschen lassen :-) Der Highway ist vielmehr eine einfache Straße, teilweise nur einspurig, welche Pakistan mit China verbindet. Namenspate ist das Karakorum-Gebirge, das wiederum zwischen Hindukush und Himalaja liegt und zu den höchsten Gebirgen der Welt gehört.

Von unserem ersten pakistanischen Übernachtungsort Sost starten wir mit der gesamten Gruppe früh am 11.September Richtung Süden. Wir folgen dem Fluss Hunza auf seinem Weg Richtung Flachland. Die Straße ist überwiegend in sehr gutem Zustand und wir kommen auf dem neuen Asphaltbelag gut voran. Die Chinesen bauen diese Straße aus, da die Route mehr und mehr Bedeutung als Handelsstraße gewinnt.


Heute steht ein besonders heikler Abschnitt des KKH an. Wir müssen über den Attabad-See übersetzen. Dieser Stausee entstand im Januar 2010 nach einem massiven Erdrutsch, der den Hunza aufgestaut und mehrere Ortschaften überflutet hat. Seit dem ist die Straßenverbindung unterbrochen und über eine Distanz von 24km kommt man nur noch per Boot voran.

Am ersten Anleger finden wir keine Möglichkeit, die Mopeds sicher auf ein Boot zu verladen. Mehmood, ein junger Einheimischer, der ebenfalls über den See will, kennt einen zweiten Anleger in 5km Entfernung. Er schwingt sich bei Marco auf den Soziussitz und zeigt uns den Weg. Das ist auch gut so, denn die 5km winden sich über kleinste Wege einen Berg hoch, durch Mehmoods Heimatdorf und wieder hinab an das Seeufer. Alleine hätten wir das nicht gefunden.

An einer gut zugänglichen Stelle wartet bereits das Boot auf uns. Nun darf man sich keine Autofähre vorstellen, wie es sie z.B. am Rhein zwischen Bingen und Rüdesheim gibt. Unser Beförderungsmittel ist ein dieselbetriebener Holzkahn, auf den der Kapitän mit seinen 4 Helfern tatsächlich alle 10 Mopeds laden will. Wir sind skeptisch, aber lassen die erfahrenen Pakistanis mal machen. Wir erleichtern die Mopeds von den Seitenkoffern und schauen fasziniert der Beladung zu. Vom Ufersand wird jedes Moped über eine schmale Holzbohle geschoben und auf das Boot gehievt. Zwei Mopeds stehen im (offenen) Schiffsbauch, die übrigen 8 stehen in drei Reihen verteilt auf querliegenden Holzbalken. Schließlich folgen wir und das Gepäck und auf geht die Bootsfahrt. Das Wasser ist ruhig; wir entspannen ein wenig und gucken uns die Umgebung an. Einfach atemberaubend.

Nach einer Stunde erreichen wir das Ende des Stausees. Und vorbei ist es mit der Ruhe. Der (immer noch sehr provisorische) Anleger ist überfüllt mit anderen Booten, die entladen werden. Daher bleibt uns nur eine sub-optimale, weil sehr steile Anlege- und Entladestelle. Durch die anderen Boote ist das Wasser recht unruhig und bringt unsere Barkasse zum Schaukeln. Das Ufer ist voll mit Menschen, die natürlich bei unserem Auftauchen uns ihre ganze Aufmerksamkeit schenken. Es folgt eine spannungsgeladene und stressige Zeit, die gefühlt eine Ewigkeit dauert. Der Höhenunterschied vom Boot zum Ufer beträgt etwa 1 Meter. Dieser wir mit Hilfe von etwa 3 Meter lange Bohlen überbrückt. Endlich sind alle 10 Mopeds heil und unversehrt an Land und wir können nach einer Gesamtdauer von gut 3 Stunden die Fahrt auf der Piste fortsetzen.


 

Aufgrund seiner Lage direkt am Hang ist der KKH oft von Steinschlägen und/oder Erdrutschen betroffen. Entsprechend häufig ist der Asphalt unterbrochen bzw. kaputt, wir holpern über Geröll und umkurven tiefe Schlaglöcher. Das braucht natürlich seine Zeit.

Wir quartieren uns für zwei Nächte im „Eagle’s Nest“ Hotel ein, idyllisch auf einem Bergrücken hoch über dem Ort Karimabad gelegen. Alleine die Aussicht ist jeden Cent des Übernachtungspreises von 3000 Rupees (ca. 30 USD) wert. Unter uns das Tal mit dem tosenden Hunza, rings um uns herum die Bergspitzen von bis zu 7800m – wow!

Von Karimabad fahren wir weiter auf dem KKH südwärts und an der Provinzhauptstadt Gilgit vorbei. 35km südlich von Gilgit verlassen wir die Hauptstraße und biegen auf die Verbindungsstraße nach Skardu, die sich am Indus entlang windet. Auch diese Straße ist auf einem schmalen Streifen zwischen Fels und Fluss gehauen. Meistens ist nur Platz für eine Fahrspur und selbst diese ist häufig von alten Geröllabgängen und Hangrutschen zerrüttet.

Wir benötigen für die 160km lange Strecke auf der S1 gut 6 Stunden und kommen erst mit den allerletzten Sonnenstrahlen in Skardu an. Kaum haben wir unsere Mopeds im Hotelhof abgestellt, ist es stockfinster. Da merkt man, dass wir nur noch auf 36° nördlicher Breite sind und die Sonne ruckzuck untergeht.

Nun müssen wir uns überlegen, ob wir nach unserem Ruhetag in Skardu die gleiche Strecke wieder zurückfahren oder die Südroute über das Deosai-Plateau zurück zum KKH nehmen.

 

Zu den Fotos dieser Woche geht es hier: Karakorum Highway

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