Alser-On-Tour

Nördliches British Columbia und Yukon Territorium

12.07. – 19.07.2011 Großartige Landschaft, tolle Natur und wilde Tiere im nordwestlichen Kanada


Das nordwestliche British Columbia ist dünn besiedelt und landschaftlich ein Traum. Der Stewart-Cassiar-Highway führt entlang der Coastal Range durch riesige Wälder. Im vergangenen Jahr hat es in einem Forststück einen schweren Waldbrand gegeben, was die schwarzen Baumgerippe links und rechts der Straße bezeugen.

In Stewart bauen wir unser Zelt auf und fahren anschließend in den Nachbarort Hyder, der allerdings zu Alaska gehört. Weil Hyder aber eine Enklave ist, gibt es keinen US-Grenzposten und man wird nur durch ein Schild informiert, dass man sich auf US-Boden befindet.

Hyder ist noch kleiner als Stewart und nennt sich selbst „die freundlichste Geisterstadt“. Das rührt daher, dass die wenigsten Häuser bewohnt sind und es nur ein, zwei Souvenirshops, eine Poststelle und eine Art Kolonialwarenladen gibt.

 

Am Fish Creek etwas nördlich der Siedlung wollen wir eigentlich Bären beobachten. Dafür ist es leider zu früh – die Lachse, die die Bären fischen, werden erst in einigen Wochen hier sein. Also folgen wir der Schotterstraße weiter Richtung Salmon-Gletscher. Überhaupt ist diese Gegend mit vielen Gletschern umgeben, die ein tolles Panorama entlang der Straße bilden.

Am frühen Abend kehren wir via Hyder nach Stewart zurück. Das befindet sich bekanntlich in Kanada und die Kanadier haben einen Grenzposten, wo man uns ausführlich zu unserer Reiseintention in Kanada befragt und uns tatsächlich einen weiteren Stempel in den Pass drückt, auch wenn nirgendwo registriert wurde, dass wir Kanada für zwei Stunden verlassen haben. Außerdem will er – so sind nun mal die Routinefragen an der Grenze – wissen, ob wir Waffen, Alkohol oder Tabak in Großpackungen dabei haben. Da wir mit einem Moped fahren und überhaupt kein Gepäck dabei haben, fragen wir uns in Gedanken, wo wir das Zeug bitte verstecken sollen… Na ja, das ist sein Job, das muss er wohl fragen.

 

Von Stewart geht es weiter nordwärts. Der Highway ist problemlos zu befahren und wir kommen gut voran. Wie schön die Landschaft ist - und wie manchmal schön staubig die Straße - zeigt folgendes Video:

 

Ab und an sehen wir Bären am Straßenrand, die sich aber rechtzeitig verziehen, ehe wir den Fotoapparat griffbereit haben. Dann  kommt unsere große Gelegenheit. Eine Bärenmama mit zwei Kleinen taucht aus dem hohen Gras links der Straße auf. Sie mustert uns zunächst kritisch, trottet dann aber langsam weiter als sie erkennt, dass wir in genügendem Abstand keine Gefahr bedeuten. Sehr beruhigend, denn die Launen einer Bärenmutter in Verteidigungsstimmung sind definitiv nicht zu unterschätzen.

 

Etwas westlich von Watson Lake stoßen wir auf den Alaska Highway und biegen nach links auf diesen ab. In Teslin decken wir uns mit ein paar Lebensmitteln ein und treffen auf dem Supermarkt Parkplatz die deutschen Fahrradfahrer Nils und Bettina, die von Anchorage nach Ushuaia radeln. Die letzten Wochen haben wir kaum Fahrradreisende getroffen, auf dem Alaska Highway sind jedoch einige unterwegs. Die Straße geht beständig auf und ab, dazu kommt teilweise heftiger Wind und ab und zu ein kräftiger Regenschauer. Wir bewundern die Radler, würden aber nicht mit ihnen tauschen wollen. Wir klönen eine ganze Weile mit Nils und Bettina, ehe wir weiterziehen und schließlich eine Stunde später in Johnsons Crossing unser Zelt aufschlagen. Der Ort besteht hauptsächlich aus einer Tankstelle mit angeschlossenem Campingplatz.

Wir sitzen an unserem Zelt, als plötzlich ein weiteres BMW Motorrad angefahren kommt. Es ist Björn, der bereits seit drei Jahren auf Weltreise unterwegs ist. Er hat ebenfalls in Südamerika unseren Freund Mark kennengelernt und war nur einige Tage vor uns bei ihm in Chilliwack zu Gast. Zusätzlich stellt sich heraus, dass wir in Anja und Holger weitere gemeinsame Reise-Bekannte haben. Die (Reise)Welt ist halt ein Dorf.

Björns Ziel ist ebenfalls Prudhoe Bay und wir setzen am anderen Morgen gemeinsam den Weg fort. Wie in den letzten Tagen geraten wir auch heute in einen kräftigen Schauer und freuen uns über unsere gute Regenschutzkleidung. Während wir in Whitehorse unsere Lebensmittelvorräte aufstocken, wird der Regen draußen immer stärker. Wir warten ein paar Stunden ab und befragen das Internet zur Wettervorhersage. Die gibt leider kaum Hoffnung auf Besserung in unseren angepeilten Zielen und so beenden wir kurzerhand den Fahrtag in Whitehorse. Nach kurzer Suche finden wir ein einigermaßen günstiges Hostel für uns drei und sitzen den Regen im Warmen und Trockenen aus. Als es am nächsten Morgen immer noch regnet, verlängern wir unseren Aufenthalt um eine weitere Nacht und nutzen die Gelegenheit, am Premierentag den letzten Teil der Harry-Potter-Serie im Kino von Whitehorse zu schauen.

 

Am folgenden Morgen ist es trocken und wir sind um 10.30Uhr zurück auf dem Alaska Highway. Bei gutem Wetter kommt die fantastische Weite der Landschaft im Yukon prima zur Geltung. Wir sind umgeben von schneebedeckten Bergen, vielen Flüssen und Seen. Die Straße ist überwiegend in gutem Zustand, wird aber an einigen Stellen in den kurzen Sommermonaten repariert und neu geteert. Weil es keine Straßen zum Umleiten gibt, müssen wir daher ab und zu mitten durch die Baustelle fahren. Damit alles sicher zugeht, folgt man in so einem Fall einem Pilot-Car, das den Konvoi von Autos, Wohnmobilen und Motorrädern zwischen den Baufahrzeugen durch leitet.

Eigentlich hatten wir für diese Nacht einen (kostenfreien) State Park Campingplatz in Alaska angestrebt, aber kurz vor der Grenze beugen wir uns dem wieder eingesetzten Regen und übernachten im Motel in Beaver Creek.

Die Einreise nach Alaska am nächsten Morgen ist schnell erledigt und wir rollen in den nördlichsten US-Staat ein.

 

Zu den Fotos dieser Woche: Kanada - Yukon


zum nächsten Kapitel: USA - Anchorage

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