Alser-On-Tour

Rund um den totalen Motorausfall der F800

07.08. – 22.08.2011: Wie bekommt man eine fahrunfähige F800 und eine leicht lädierte F650 von Whitehorse nach Vancouver und bewältigt nebenbei den administrativen Aufwand


Die F800 hat keinen günstigen Ort und Zeitpunkt gewählt, um den Geist aufzugeben. Dies stellen wir bald fest, nachdem wir zwei Tage intensiv recherchiert haben, wie wir jetzt von Whitehorse weiter kommen. Die nächste BMW Werkstatt ist 2500km entfernt in Vancouver. Anchorage und Fairbanks haben zwar auch eine BMW Niederlassung, diese scheiden für uns aus verschiedenen Gründen jedoch direkt wieder aus.

Luftfracht und LKW-Transport kämen zwar preislich in Frage, die logistischen Aspekte sprechen jedoch dagegen. Die Mopeds müssten in Kisten und entsprechend aller Gefahrgutbestimmungen verpackt werden. Das schließt auch das Ablassen aller Flüssigkeiten aus den Maschinen ein. Wie sollen wir das fahruntüchtige Moped und die Materialien ohne Fahrzeug zum Flughafen bzw. Frachtdepot außerhalb der Stadt bekommen? Die Mopeds müssten dann auch irgendwo in Vancouver abgeholt werden. Diese Möglichkeiten erscheinen zwar zunächst günstig, sind am Ende allerdings sehr zeitaufwändig und logistisch anspruchsvoll und kommen ebenfalls nicht in Frage. Wir finden eine U-Haul Mietstation für Umzugstransporter und fahren mit Annaleens Moped hin, um uns die verschiedenen Transporter anzuschauen.

Nach dem Verlauf der letzten Tage glauben wir, dass es eigentlich nicht mehr viel schlimmer kommen kann. Wir werden bald eines besseren belehrt. Ein großer Pick-up Truck fährt auf dem Parkplatz von U-Haul rückwärts gegen die F650 und die fällt um. Auf den ersten Blick scheint bis auf einige Schrammen an diversen Teilen kein größerer Schaden passiert. Da wir aber nicht genau wissen, wo der Truck das Moped getroffen hat, ist nicht ersichtlich, ob der Rahmen verbogen oder der Motorblock getroffen wurde. Der Verursacher hat zum Glück eine Kfz-Versicherung (nicht unbedingt selbstverständlich in Nordamerika), so dass wir hier hoffentlich keine Probleme bei der Schadensregulierung haben werden. Es ist in jedem Fall ein weiterer administrativer Umstand und Zeitaufwand, der uns die nächsten Tage beschäftigen wird.

Bei all den Telefonaten und Emails mit Transportunternehmen, BMW und Versicherungen fällt es uns schwer, die gute Laune zu behalten. Wir sind ziemlich frustriert über die ungewisse Lage. Ein Lichtblick ist die Ankunft unserer französischen Freunde in Whitehorse. Marion und Aurel sind auf dem Weg nach Alaska und leisten uns für zwei Tage Gesellschaft. Wir entscheiden uns zwischenzeitlich, die Mopeds mit einem U-Haul Truck nach Süden zu bringen. Aurel und Uli verladen die Bikes transportsicher und am 11.08. geht es endlich für uns weiter. Die dreitägige Fahrt im Fordtransporter ist gelinde gesagt öde. Einen Vorteil des überdachten Transportes müssen wir aber zugeben: die ersten Stunden unterwegs werden wir von Dauerregen begleitet und wir sind froh, im Trockenen und Warmen sitzen zu können.

Unser fahrbarer Untersatz hat einen Verbrauch von ca. 4 Liter. Auf 25km! Das macht das Reisen wirklich keinen Spaß, wenn man für eine Strecke von 2500km Tankkosten in Höhe von 900 Dollar hat.

In Dawson Creek machen wir das obligatorische Foto am Ende – oder Beginn – des Alaska Highway, dessen 2288km wir komplett gefahren sind. Nach drei Tagen erreichen wir Chilliwack und beziehen erneut das Gästezimmer von Mark und Julie.

Wir bringen die Mopeds zu BMW Vancouver und stellen eine Garantie- bzw. Kulanzanfrage für die F800 (EZ 12/2008 und 76.000km). Die Garantie- bzw. Kulanzanfrage kann nur dann durchgeführt werden, wenn das Motorrad auf dem Hof eines BMW-Händlers steht. So gingen bereits 2 Wochen verloren. Schließlich schickt BMW Vancouver nur unser Video zu BMW Kanada und wir bekommen wenige Tage später die Info, dass BMW Kanada uns bzw. unsere Kulanzanfrage an BMW Deutschland verweist. Ganz toll! Das Hin-und-Her geht weiter und artet so langsam zur unendlichen Geschichte aus.

Eine gute Nachricht gibt es zwischendrin aber doch: Annaleens F650 hat keinen gravierenden Schaden durch den Fall erlitten. Wir reichen die Rechnung für die Werkstatt und für die Transporter-Miete bei der Kfz-Versicherung des Unfallverursachers ein und bekommen diese schließlich erstattet. Auf unserer langen Liste der ungeklärten Punkte können wir endlich zumindest ein Häkchen setzen.

Mit der Reparatur der F800 sind wir indes noch keinen Schritt weiter. In den einschlägigen Foren erfahren wir von einigen weiteren Schadensfällen dieser Art; gibt es etwa ein verbreitetes Motorenproblem an der F800?

 

Aber es gibt auch schöne Erlebnisse in dieser Woche. Wir besuchen die BMW-Fahrer Daniel und Sara, die uns zu sich nach Port Moody eingeladen haben. Die beiden sind nicht nur äußerst sympathische Personen, sondern haben die gleichen BMW Modelle wie wir und planen ebenfalls eine lange Reise um den Globus. Sie interessieren sich sehr für unsere Erfahrungsberichte und so verbringen wir zwei wunderbare Tage bei und mit ihnen.

Dank der Internetforen haben wir auch recht bald einen gebrauchten Motor zum Kauf in der Nähe von Seattle gefunden. Der Besitzer bietet uns an, bei sich im Garten zu zelten und in seiner Garage die Reparatur zu erledigen. Hier könnte uns auch unser Freund Aurel helfen. Das sind doch mal gute Nachrichten.

Zunächst treten wir jedoch einen lange geplanten dreiwöchigen Heimaturlaub an, um die Hochzeit von Annaleens Bruder zu feiern. Bei unserer Rückkehr Mitte September gehen wir dann den Motoraustausch an.


Die letzten zwei Wochen gab es viel zu organisieren, klären, bedenken und so ist das Fotografieren leider sehr kurz gekommen.

Ein paar Bilder haben wir aber gemacht und die befinden sich hier: Kanada - Equipment Check

 

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