Alser-On-Tour

Im Land der Khmer

19.11.-25.11.2012 Kambodscha entpuppt sich als das Indien Südostasiens


Der erste Eindruck eines Landes entsteht bei der Einreise an der Grenze. Der Eindruck von Kambodscha bekommt einen ersten negativen Beigeschmack, als wir während der Erledigung der Einreiseformalitäten an drei verschiedenen Stellen dreist nach Geld gefragt werden. Schmiergeld, was direkt in die Tasche des Beamten wandern würde. Wir lehnen die Bezahlung direkt ab, verbunden mit der Bitte um eine Gebührentabelle bzw. die Ausstellung eines Beleges. Insgesamt verlangt man von uns 8 USD zusätzlich zu den offiziellen 20USD für das Einreisevisum. Während wir uns der Bezahlung verweigern, da natürlich keine Gebührentabelle vorgelegt werden kann, bekommen wir mit, wie andere Touristen ohne zu zögern das Geld auf den Tisch legen.

Davon abgesehen ist die Einreise kein Problem und wir sind binnen 30min offiziell in Kambodscha. Die Hauptstraße ist in recht gutem Zustand und wir kommen am frühen Nachmittag des 20. November in Stung Treng an. Erneut treffen wir auf den kakaobraunen, träge fließenden Mekong, der uns schon 12 Tage immer wieder etappenweise begleitet und dieses noch bis Phnom Pen tun wird.

 

Wir quartieren uns im Gästehaus Le Tonlé direkt am Mekong ein. Es handelt sich um einen Lernbetrieb für sozial-benachteiligte junge Menschen, die hier in sämtlichen Facetten des Hotelwesens ausgebildet werden. Wir werden zuvorkommend von motivierten, gleichzeitig schüchternen jungen Azubis bedient und es macht uns Spaß, ein Teil ihrer Ausbildung zu sein. Ein schönes Projekt!

Von Stung Treng geht es in einer Tagestour von knapp 400km nach Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas. Als wir von einer gut zu befahrenen Landstraße auf die Hauptstraße abbiegen, nimmt das Verkehrschaos rapide zu. Ab jetzt herrscht wieder Anarchie auf den Straßen; jeder fährt wie er will ohne Rücksicht auf andere. Erinnerungen an den Indischen Subkontinent kommen hoch!

 

 

 

Wir sind aber noch gut im Training und kommen unbeschadet in unserem Gästehaus in Phnom Penh an, wo bereits Marko auf uns wartet. Wir werden die kommenden drei Tage zusammen verbringen und uns über den vergangenen Reisemonat austauschen.

Die Menschen hier gehören übrigens mehrheitlich der Ethnie der Khmer an, genauso heißt auch ihre Sprache. Mit dem Begriff Khmer eng verbunden sind leider auch die „Roten Khmer“, eine radikal maostische-nationalistische Guerillabewegung unter Führung Pol Pots, die ab 1975 eine knapp 4jährige Schreckensherrschaft in Kambodscha führte, nachdem das Land schon vom Bürgerkrieg zerrüttet war. Die Roten Khmer benannten den Staat ironischerweise in „Demokratisches Kampuchea“ um, wobei ihr Regime von Demokratie weit entfernt war. Sie wollten mit Gewalt einen kommunistischen Agrarstaat erzwingen und haben zu diesem Zweck die Stadtbevölkerung aufs Land zur Zwangsarbeit verschleppt und sämtliche Intellektuelle ermordet. Jeder, der in Augen der Roten Khmer „gefährlich“ war (es reichte schon, wenn man Lesen/Schreiben konnte oder eine Fremdsprache beherrschte), wurde ermordet.

Pol Pot wird mit den unfassbaren Worten zitiert: „Lieber einen Unschuldigen zu viel getötet, als einen möglichen Schuldigen laufen gelassen.“ Uns läuft es kalt den Rücken herunter, als wir das berüchtigte Gefängnis S21, heute ein Museum, besichtigen. Hier spielten sich barbarische Gräueltaten ab, genauso wie auf den sogenannten „Killing Fields“ 15km südlich von Phnom Penh. Hierher wurden die Gefangenen, wenn sie denn S21 überlebt haben, transportiert und auf grausame Weise ermordet. Es ist nicht mit Worten zu fassen, wie sich so ein Völkermord (2mio Tote bei einer Gesamtbevölkerung von 7mio!) vor 35 Jahren ereignen konnte ohne Wissen der übrigen Welt. Die Geheimhaltungstaktik der Roten Khmer ging also auf. Einen ausführlicheren, gut beschriebenen Artikel liefert Wikipedia zum Terror der Roten Khmer.

 

Unser letztes Ziel in Kambodscha ist die Stadt Siem Reap - unser Ausgangspunkt für den Besuch der Tempel von Angkor. Der größte und bekannteste Tempel ist Angkor Wat, der allerdings nur einen Teil der viel umfassenderen Gesamtanlage bildet. Wir starten früh um 7 Uhr mit einem gecharterten Tuk-Tuk zu einer ganztägigen Tour durch die Tempelanlagen, wo wir ausgiebig durch die Ruinen streifen, auf Tempelspitzen klettern und die Atmosphäre des Dschungels auf uns wirken lassen.

Zur Blütezeit des Khmer-Königreiches zwischen dem 9. und dem 15. Jahrhundert lebten in einigen Tempelanlagen gut 200.000 Menschen! Wie schon die Inka wussten auch die Khmer beeindruckende, riesige Gebäude zu konstruieren. Eine beachtliche Architektur- und Ingenieursleistung; und nicht zu vergessen die menschliche Arbeitskraft, die dahinter steckt. Eine Beschreibung aller besichtigten Tempel würde Seiten füllen, wir beschränken uns daher auf ein extra Bilderalbum unseres Tages in Angkor und dieses Video:

 

Der Lärmverursacher ist übrigens ein Insekt! Der Junge, der neben Uli steht, ist einer der zahlreichen Souvenirverkäufer, die uns überall in der Anlage begegnen und teilweise recht aufdringlich in ihren Kaufaufforderungen sind. Wir bleiben aber standhaft :-)

 

Zu den Kambodscha-Fotos geht es hier: Kambodscha

Zum Angkor-Fotoalbum führt dieser Link: Die Tempel von Angkor


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