Alser-On-Tour

3 Hauptstädte in einer Woche

14.01.-27.01.2013 Von Hanoi über Singapur nach Kuala Lumpur nähern wir uns den Mopeds


Mehr als die Hälfte der Moped-freien Zeit liegt bereits hinter uns. Es fehlt uns einerseits die Freiheit des selbstbestimmten Fahrens, andererseits ist es zur Abwechslung sehr angenehm, auch Unterkünfte ohne Parkplatz für unsere Bikes aussuchen zu können.

Vor uns liegt für die kommenden 10 Tage ein wahrer Städtemarathon in 4 Ländern. Den Anfang macht Hanoi, gleichzeitig unsere finale Station in Vietnam.

Nach dem warmen Sonnenwetter in der Ha Long Bucht erwartet uns in Hanoi wieder das nass-kalte Schmuddelwetter. So macht Sightseeing keinen großen Spaß. Wir laufen durch die Altstadt mit dem Französischen Viertel und schütteln den Kopf über Verkehrschaos und –lärm in den kleinen Straßen und Gassen. Von allen Seiten werden uns Souvenirs und Waren aller Art (Made in China lässt grüßen) angepriesen; man darf in keinen Laden, auf keine Ware länger als 1 Sekunde blicken – schon steht der Verkäufer neben einem und wittert Geschäft. Als wir über den Obst- und Gemüsemarkt gehen, kommt plötzlich ein Trupp Polizisten angestürmt und nimmt einige Marktfrauen und ihre Waren mit – anscheinend haben sie keine gültige Konzession.

Hanoi ist die letzte Ruhestätte von Ho Chi Minh. Er liegt aufgebahrt und einbalsamiert in einem pompösen Mausoleum. Das dürfte Onkel Ho sehr missfallen, denn: seine Anordnung, ihn nach dem Tod einzuäschern, hat man in allen Belangen ignoriert.

 

Im Ho-Chi-Minh-Komplex dreht sich alles, der Name sagt es bereits, um Ho Chi Minh. Das Herzstück des Komplexes ist das Mausoleum, in dem der einbalsamierte Körper von „Onkel Ho“ seit 1975 für 9 Monate im Jahr der Öffentlichkeit präsentiert wird. Die restlichen 3 Monate (September bis Dezember) ist der Körper zur Auffrischung und Präparierung in Moskau.

Der noch heute hoch verehrte Freiheitskämpfer ist streng bewacht. Im Abstand von 10-15m stehen Offiziere in Ausgehuniform und sorgen für Ruhe und Ordnung. Die Besucher traben im Gänsemarsch bzw. in zweier Reihen in das Innere über einen roten Teppich. Im konstanten Schritt geht es an dem Sarkophag, der von 6 Soldaten bewacht wird, vorbei. Fotos sind streng verboten, an der Sicherheitskontrolle am Eingang müssen wir die Kamera abgeben.

Es ist ein bizarres Erlebnis. Nicht unbedingt wegen des seit über 40 Jahren Verstorbenen, der ausgestellt wird; sondern eher wegen der hohen Anzahl an Soldaten, die den Aufgebahrten bewachen.  Interessant ist, dass Ho Chi Minh ausdrücklich gewünscht hatte, eingeäschert zu werden und seine Asche in Vietnam verteilt vergraben wird. Dieser Wunsch ist in allen Belangen ignoriert worden.

Im angeschlossenen Museum wird die jüngere Geschichte des Landes in Verbindung zu Ho Chi Minhs Leben erzählt. Zudem gibt es auf dem Areal die Wohn- und Arbeitsräume der letzten 15 Lebensjahre zu besichtigen.

 

Am Nachmittag nehmen wir endgültig Abschied von Vietnam. Unser nächstes Ziel heißt Singapur! Neben dem Temperaturschock (es ist hier doppelt so warm wie in Hanoi) ist es auch kulturell wie ein Sprung in eine andere Welt. Singapur ist nicht nur geografisch eine Insel in Südostasien: modern, sauber, strukturiert und sehr westlich geprägt. Letzteres merken wir besonders auf der Einkaufsmeile Orchard Road. Das könnte genauso eine Straße in New York City oder London sein.

Wir erkunden die Stadt größtenteils zu Fuß oder nehmen für die längeren Distanzen die Metro. Singapur besticht durch einen sympathischen Mix aus modernen Hochhäusern, kreativer Architektur (wo hat man schon mal ein Schiff quer über drei Wolkenkratzern gesehen?), Unterhaltungsmöglichkeiten und den ethnischen Vierteln wie Little India, Chinatown und arabisches Viertel.

Zwei Tage reichen uns für Singapur und wir ziehen weiter in die nächste Haupstadt. Die kommenden zwei Tage steht Kuala Lumpur auf dem Programm. So weit südlich waren wir mit den Mopeds Mitte Dezember in Malaysia leider nicht gekommen.

Wir können uns nicht so recht für Kuala Lumpur erwärmen. Vielleicht hat uns das geordnete Singapur zu sehr verwöhnt oder wir sind generell etwas asienmüde. Bei unserem Erkundungsgang durch die Innenstadt finden wir wenig Interessantes; mit Ausnahme der Petronas Twin Towers, die das Wahrzeichen der Stadt bilden.

Schließlich ist unser allerletzter Tag in Südostasien gekommen und wir verabschieden uns nach drei Monaten von der Region. Wir kommen unseren Mopeds einen weiteren Schritt näher! 8 Flugstunden später landen wir in Brisbane, wo wir einen Zwischenstopp auf dem Weg nach Neuseeland machen. Wir besuchen Hanka und Erik und ihre beiden kleinen Söhne. Es war die Webseite von Hanka und Erik, die während unserer Reisevorbereitung unsere Vorfreude gesteigert hat – wir haben ihre Reiseberichte seitenweise verschlungen. Vor unserem Reisestart haben wir uns auf dem Motorrad-Reise-Treffen in Gieboldehausen 2010 persönlich kennengelernt. Inzwischen ist die Familie nach Brisbane ausgewandert und wir verbringen dort drei entspannte und unterhaltsame Tage mit und bei ihnen. Es ist schön, nach vielen Wochen und Monaten in Gästehäusern und Hotels wieder mal in einem Zuhause zu sein und gutes, selbstgekochtes Essen zu genießen. Wir fühlen uns einfach wohl.

Die Tage vergehen schnell und wir müssen wieder Abschied nehmen. Nun sind wir aber nur noch einen Tag von unseren Mopeds entfernt, die bereits im Packschuppen in Auckland auf uns warten. Alle Papiere für die strenge Einfuhr nach Neuseeland sind vorbereitet und wir hoffen, dass die Abfertigung genauso problemlos und schnell klappen wird wie unsere eigene Einreise am Flughafen von Auckland.

Am nächsten Morgen gehen wir zum Zollbüro, wo auch die Quarantäne-Behörde sitzt, die unsere Mopeds und unser Gepäck auf Sauberkeit untersuchen wird. Die Inspektion unserer Kisten soll am gleichen Nachmittag erfolgen, das hatten wir bereits vor einigen Tagen angemeldet. Der Papierkrieg ist schnell erledigt und wir können uns zur nächsten Station aufmachen. Beim Spediteur bezahlen wir die offene Rechnung der Hafen-, Lager- und sonstigen Kosten – alles in allem kommen wir am Ende alleine in Auckland auf 2/3 der Kosten, die wir schon in Bangkok gezahlt haben. Mit dem erhaltenen Auslieferungsbeleg begeben wir uns zum Packschuppen, wo unsere Kisten auf uns warten. Um kurz nach 13 Uhr können wir mit dem Auspacken beginnen! Die Mopeds scheinen den Transport unbeschadet überstanden zu haben, die Kisten sind äußerlich unbeschädigt. Während wir dabei sind, unser Gepäck aus der Transportfolie auszuwickeln, kommt der Mitarbeiter der Quarantäne-Behörde. Er schaut prüfend auf die Mopeds, die  noch auf der Palette stehen. Bei seiner Frage „Wer hat die Bikes gewaschen?“ sinkt uns das Herz etwas in die Hose, aber seine Prüfung besteht lediglich aus einem Ausleuchten der Verkleidungsteile mit seiner Taschenlampe. Er fragt uns nach unseren Reiseplänen und verabschiedet sich kurz danach. Wir blicken uns an. Das war die ganze Quarantäne-Überprüfung?? Kein Blick in die Seitenkoffer, kein Zeigen des (gewaschenen) Zeltes. Puh, das war ja einfach!

Um 16.30 Uhr haben wir alles zusammengeschraubt und fertig gepackt. Auf geht es zu unseren ersten Kilometern in Neuseeland! Die Strecke zurück zum Hotel beträgt 10km. Morgen steht dann die erste richtige Etappe an. Wohin es gehen wird, werden wir uns später noch auf der Karte ansehen. Neuseeland hat unendlich tolle Landschaft und ebenso tolle Straßen zu bieten. Wir freuen uns auf die kommenden 50 Tage!

 

Für die mopedfreie Zeit gibt es hier schon mal ein Video aus Neuseeland:

 

Ein paar Fotos unseres Städtehoppings gibt es hier: Hauptstädte

Zum nächsten Kapitel: Neuseeland - Nach Süden


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