Alser-On-Tour

Eine Schiffsreise zum Eiskontinent

26.12.2010 – 02.01.2011: Von El Calafate über Ushuaia in die Antarktis


Nach 7 Wochen auf Reisen ist es Zeit für einen kleinen Urlaub. Um unser Urlaubsziel zu erreichen, steigen wir vom Moped auf das Mietauto um und verlassen El Calafate in Richtung Südosten. 900km und einen Tag später sind wir zum zweiten Mal in Ushuaia und beziehen erneut Quartier im schönen Hostel La Posta, diesmal in Begleitung von Annaleens Eltern.

 

Wir machen am Nachmittag des 27.12. etwas Sightseeing und bekommen den guten Tipp, dass man nach 20 Uhr kostenfrei in den Nationalpark kommt. Das lassen wir uns nicht entgehen und kommen so also doch noch zu dem obligatorischen Foto am Ende – oder Anfang, je nach Sichtweise – der Ruta 3. Von hier sind es genau 3090km bis nach Buenos Aires und wir sind jeden einzelnen Kilometer davon gefahren.

 

Der folgende Tag ist von Vorfreude geprägt, denn wir gehen auf große Fahrt. Um 18 Uhr verlassen wir an Bord der „Antarctic Dream“ den Hafen von Ushuaia. Unser Ziel? Die Antarktis!

 

Mit uns wagen dieses 10 tägige Abenteuer 60 weitere Passagiere und 35 Besatzungsmitglieder aus insgesamt 20 Nationen.

 

Durch den Beagle Kanal steuern wir auf das offene Meer zu und schaukeln uns gut zwei Tage durch die Wellen der Drake Passage. Zu Annaleens großer Erleichterung halten sich die Wellen ziemlich in Grenzen, dennoch erreichen diese eine Höhe von 6-8 Metern. Wir vertreiben uns die Zeit mit entspannen, gutem Essen und interessanten Vorträgen zur antarktischen Halbinsel und den Gebieten dort, die wir ansteuern werden.

 

Der letzte Tag des Jahres 2010 beginnt früh. Um 07 Uhr sitzen wir in den Zodiac Booten, die uns zu unserem ersten Landgang auf die antarktische Halbinsel bringen. Hier sehen wir aus allernächster Nähe eine Pinguinkolonie (hauptsächlich Adeliepinguine und einige Eselspinguine) und können uns gar nicht satt sehen an den drolligen Tieren. Im Wasser sind sie pfeilschnelle, elegante Schwimmer, an Land watscheln sie etwas unbeholfen über Schnee, Eis und Steine.

 

Nach Brown Bluff steuern wir am Nachmittag die argentinische Forschungsstation „Esperanza“ in der Hope Bay an. Die Basis ist ganzjährig besetzt und bei unserem Besuch können wir uns ein Bild vom Leben hier machen. Um die hier lebenden 16 Kinder zu unterrichten gibt es eine Grundschule, die älteren Schüler werden via Skype von einem Lehrer in Buenos Aires unterrichtet. Wir erleben den Polartag und haben kaum Dunkelheit. Man kann sich fast nicht vorstellen, wie es hier sein muss, wenn es niemals hell wird für lange Wochen.

 

Am heutigen Tag gehen wir noch ein drittes Mal an Land. Bis 21 Uhr besuchen wir Paulet Island, eine Vulkaninsel. Hier leben 100.000 Adelie-Pinguinpaare, von denen einige noch brüten, während andere schon ihre Küken groß ziehen. Entsprechend hoch ist der Lärmpegel :-)  Die Nester bestehen hauptsächlich aus kleinen Steinen, welche die Pinguine einzeln im Schnabel heran tragen. Sie liegen eng beieinander, was unter anderem aus Schutzgründen gegen die Feinde aus der Luft geschieht. Die Nähe bedeutet aber auch, dass man gerne Steine beim Nachbarn klaut, um sein eigenes Nest noch besser ausbauen zu können.

 

Während wir über ein steiles Schnee- und Geröllfeld steigen, beobachten wir eine Raubmöwe, die, aus der Luft kommend, ein Pinguinküken aus dem Nest klaut. Die Pinguineltern sind machtlos gegen den großen Raubvogel, der etwas entfernt landet und das Küken mit Krallen und Schnabel tötet und anschließend mit seinem Partner verspeist.

Es wirkt grausam auf uns, aber das ist der Kreislauf der Natur – die Raubmöwen wollen schließlich auch überleben. Untereinander sind die Pinguine allerdings auch nicht immer freundlich, wir werden Zeuge, wie vier erwachsene Pinguine ein Jungtier zu Tode hacken.

 

Als wir von unserem letzten Landgang des Tages auf die „Antarctic Dream“ zurück kehren, wartet bereits das Silvestermenü auf uns. Während wir entlang von Eisbergen durch die antarktische See schippern, begrüßen wir mit einem Gläschen Sekt das neue Jahr. Kein Feuerwerk dieses Jahr, aber eine Wahnsinnskulisse!

 

2011 startet so grandios, wie 2010 geendet hat. Wir unternehmen zwei Ausflüge mit den Zodiacs und kommen sehr dicht an große schwimmende Eisberge heran. Die Farben im Wasser sind fantastisch, die hellen Wasserstellen zeigen deutlich, dass ein Großteil der Eisbrocken unter Wasser liegt.

 

 

 

Während unserer Zodiacfahrt am Nachmittag entlang der Gourdin Inseln entdecken wir einen einzelnen Goldschopf-Pinguin inmitten einer Gruppe von Zügelpinguinen. Wir fragen uns, wie der kleine Kerl hierher kommt, denn Macaroni Penguins – so der viel niedlichere, englische Name – sind eigentlich viel weiter nördlich zu Hause.

 

Wale halten sich bisher etwas zu sehr bedeckt für unseren Geschmack. So lösen die riesigen Meeressäuger jedes Mal große Begeisterung im Gemeinschaftsraum aus und wir kleben am Fenster, wenn doch mal ein Buckelwal vorbei zieht.

 

Wenn wir nicht unterwegs zu Landgängen sind, genießen wir das Leben an Bord. Die Mahlzeiten sind mit viel Liebe zum Detail angerichtet und inhaltlich sehr kreativ. Man kann sich schnell dran gewöhnen, rund um die Uhr mit reichhaltigem Essen und Trinken versorgt zu sein und die einfache Campingküche der letzten Wochen rückt in weite Ferne. Nun ja, in der Kälte und für die Exkursionen benötigt man natürlich Fett- und Kalorienreserven :-)

 

Am 02.01. kommen wir an die Westseite der antarktischen Halbinsel. Unsere heutigen Landausflüge bringen uns am Vormittag zum Spigot Peak, am Nachmittag nach Couverville Island und kurz vor dem Abendessen sind wir in Neko Harbor. Wieder erleben wir tausende Pinguine, sehen Robben, Kormorane und weitere fliegende Seevögel.

 

Der südlichste Punkt unserer Antarktisexpedition und unserer Reise ist erreicht, ab dem 03.01. geht es nordwärts. Die Tage vergehen schnell und wir sind bei jedem Land- bzw. Inselgang immer aufs Neue fasziniert von der Umgebung.

 

Bilder können nur teilweise das Erlebte wiedergeben, die folgende kleine Auswahl einer großen Bildergalerie gibt hoffentlich einen guten Eindruck über die Faszination Antarktis

Zum zweiten Teil des Reiseberichtes geht es hier

 

zum nächsten Kapitel: Expedition in die Antarktis II

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