Alser-On-Tour

Zwischen Provence und Piemont

05.05.-11.05.2012: Von Toulouse geht es durch die Provence über die Cote d'Azur weiter nach Norditalien und quer durch die Schweiz


Die Provence steht für antike Städte, weitläufige Lavendelfelder, üppige Zitronenhaine und Pinienwälder oder für die Camargue-Landschaft mit den gleichnamigen Pferden. Für uns sind aber die Hauptattraktionen die Gorge du Tarn, Gorges d’Ardèche, Gorge du Verdon und der Mont Ventoux. Die drei genannten Schluchten haben wir bereits bei vorherigen Urlauben durchfahren und auch dieses Mal erliegen wir wieder ihrem Ruf. Es ist einfach gewaltig, wie die Flüsse sich im Laufe von Jahrtausenden (Millionen?) ihren Weg gesucht und das Gestein entsprechend ausgewaschen haben.

Der knapp 2000m hohe Mont Ventoux ist nicht nur für den Radsport von Bedeutung, auch für den Motorradfahrer ist die Bergstrecke mit den unzähligen Kurven und Kehren ein wahrer Genuss:

 

Wir nähern uns der Welt der Schönen, der Reichen und der ganz schön Reichen als wir die Kehren hinab Richtung Nizza schwingen und weiter nach Monaco fahren. Bei unserer Fahrt durch die Straßen des kleinen Fürstentums fühlen wir uns wie auf der internationalen Automobilausstellung; Maserati, Ferrari, Porsche, Lotus, Lamborghini – hier ist alles vertreten, was Rang und Namen hat. Zudem liegen im Yachthafen so einige Millionen im Wasser, die Boote sind teilweise größer als Einfamilienhäuser.

Der Verkehr ist zäh und wir fragen uns, ob das immer so ist oder mit den Vorbereitungen für das in zwei Wochen stattfindende Formel 1-Rennen zusammenhängt. Die Rennstrecke ist zum Teil schon fertig und wir fahren tatsächlich über die Pole Position bzw. die Start- Zielgerade.

Die Sonne lacht vom Himmel und lässt die Temperaturen in die Höhe schnellen. So hatten wir uns das die letzten drei Wochen gewünscht. In der Straßenhitze von Monaco stellen wir aber schnell ein Problem fest: der Lüfter von Annaleens Moped hat die Grätsche gemacht. Na wunderbar. Die nächsten 250km geht es Motortemperatur-schonend in gemäßigtem Tempo nach Turin, in die nächste BMW-Werkstatt. Dort wird uns sofort und sehr freundlich geholfen. Wir sind froh über die schnelle und unkomplizierte Hilfe, so wünscht man sich das überall.

 

Wie wichtig eine funktionierende Lüftung ist, zeigt sich am folgenden Tag, als wir bei sommerlicher Hitze die Schweiz auf der Autobahn durchqueren, da alle Pässe noch gesperrt sind. Im 17km langen Gotthard-Tunnel steigt das Thermometer auf 37°C! Nahe Luzern schlagen wir am Abend bei immer noch 30°C unser Zelt auf und genießen das von der Sonne angestrahlte Bergpanorama. Unser Camp-Nachbar bietet uns an, sein Wohnwagen-Vorzelt zu benutzen, wenn es am nächsten Morgen regnen sollte. Wir bedanken uns für das freundliche Angebot, können uns beim Blick in den wolkenlosen Himmel aber nur schwer Regen vorstellen.

Beim Aufwachen am nächsten Morgen ist jedoch rasch beschlossen, das Angebot des alten Herrn anzunehmen: es schüttet gewaltige Regenmassen vom Himmel! Wir packen unseren Zeltinhalt und ziehen in das geräumige Vorzelt unseres Nachbarn. Dort können wir in aller Ruhe frühstücken und unsere Sachen zusammenpacken, während wir (letztendlich vergeblich) auf Wetterbesserung warten. Wieder einmal ist uns durch die Großzügigkeit und Freundlichkeit eines völlig Fremden sehr geholfen worden. Als wir uns zum Abschied noch einmal herzlich für die Hilfe bedanken, erzählt uns der 83jährige, dass ihm früher bei seinen Motorradtouren in Schweden ebenfalls bei Regen und Kälte von fremden Menschen Unterschlupf angeboten wurde. „Wissen Sie, das verpflichtet.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

Zu den Fotos dieser Woche: Südfrankreich und Norditalien

 

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