Alser-On-Tour

Montenegro, Albanien, Mazedonien

28.05.-02.06.2012 Im südöstlichen Europa


Sonntag, 27. Mai 2012: 50km südlich von Dubrovnik reisen wir nach kurzer Wartezeit an der Grenze in Montenegro ein. Schnell stellen wir fest, dass wir gar nicht in Slowenien unser ganzes Euro-Bargeld hätten ausgeben müssen. Montenegro führt ebenfalls den Euro als Währung, da es bis 2002 an die D-Mark angeschlossen war.

Der kleine Staat – seit 6 Jahren endgültig eigenständig – ist nicht ganz so groß wie Schleswig-Holstein, hat aber im Gegensatz zu Deutschlands nördlichstem Bundesland viel unzugängliches Hochgebirge mit tiefen Schluchten. Wir fahren weiterhin an der Adriaküste entlang, wo der Tourismus den Hauptwirtschaftszweig des Landes bildet.

Als wir in der Stadt Ulcinj ankommen, haben wir schon fast die südliche Grenze von Montenegro erreicht. Wir mieten uns für zwei Tage ein kleines Apartment und schauen uns das montenegrinische Leben an. Vor dem Jugoslawienkrieg vor 20 Jahren war Ulcinj ein beliebter Badeurlaubsort, auch für Deutsche, Franzosen oder Italiener. Wir fragen uns allerdings, wer den weiten Weg hierher auf sich genommen hat. Es gibt hier viele Unterkünfte, Restaurants und touristische Läden - die Blütezeit hat der Ort (wie überhaupt das gesamte Land) schon lange hinter sich, bereitet sich aber anscheinend auf eine Renaissance vor. Das bestätigt auch unser Vermieter, der übrigens gut Deutsch spricht wie so viele andere hier auch.

Wir verabschieden uns von Ulcinj und dem Mittelmeer und überqueren 20km östlich die Grenze nach Albanien. Auch hier gestaltet sich die Einreise mit unserem Personalausweis problemlos. Nun verabschieden wir uns langsam vom vertrauten Europa; insbesondere im Straßenverkehr wird es ziemlich chaotisch. Auf der Autobahn auf der Standspur in die falsche Richtung zur vorherigen Ausfahrt fahren? Klar. Laut hupen, um sich so die Vorfahrt zu sichern? Immer doch. Marode Straßen mit riesigen Löchern? Wir haben ein Bolivien-Deja-Vu :-)

Kurz vor der nordalbanischen Stadt Shkodra knickt die Hauptstraße nach Süden ab und führt uns in die Hauptstadt. Das Stadtgebiet von Tirana ist schon seit der Römerzeit besiedelt, heute ist es das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Albanien hat vor 20 Jahren den Kommunismus hinter sich gelassen und nach Jahrzehnten der Isolation wieder die Tore geöffnet. So richtig kommt das Land aber nicht in Schwung. Der Tourismus steckt im europäischen Vergleich noch in den Kinderschuhen; diese Ursprünglichkeit bietet gleichzeitig auch einen Hauch von Abenteuer.

Die Sehenswürdigkeiten der Innenstadt sind überschaubar. Die beiden wichtigsten Wahrzeichen der Stadt sind das Denkmal des albanischen Fürsten Skanderbeg (wurde zum Nationalheld im Kampf gegen das osmanische Reich im 15. Jahrhundert) und ein 35m hoher Uhrturm von 1830, dessen Glockenschlag das Ende des Markttages ankündigte. Von hier oben bekommen wir einen guten Ausblick über die Stadt.

Das positivste an Tirana sind seine Einwohner. Egal ob in der Kaffee-Bar, in der Bäckerei oder am Markt – jeder ist bemüht und freundlich; man legt Wert darauf, dass die Touristen einen positiven Eindruck von Tirana und Albanien mitnehmen. Das tun wir, auch wenn es schade ist, dass viele Gebäude nachlässig behandelt werden und sauberen Straßen und Nachbarschaften keinerlei Wichtigkeit beigemessen wird. Nach zwei Tagen in der albanischen Hauptstadt fahren wir nach Mazedonien.

 

 

Über Elbasan geht es durch grünes (und manchmal leider stark verdrecktes) Hügelland wieder hoch in die Berge auf knapp 1200m über NN. Die erste mazedonische Straße nach der Grenze begrüßt uns mit kratergroßen Löchern im Asphalt. In der Stadt Ohrid am gleichnamigen See ist die Infrastruktur jedoch deutlich besser, man merkt, dass hier Touristen für Einnahmen sorgen. Das ist wohl aber nicht der ausschließliche Grund, weshalb wir auch hier auf bemühte, freundliche Leute treffen. Zudem fällt uns auf, dass es kaum Bettler gibt. Laut Reiseführer ist Ohrid die Stadt der 365 Kirchen; wir haben nicht gezählt.

Unser Reisetempo hat sich stark verlangsamt, die Fahretappen kommen kaum über 150km hinaus und an unseren Zielorten bleiben wir jeweils zwei Nächte. So auch in Skopje, wo wir am 02.06. ankommen. Die Internetseite unserer gebuchten Unterkunft hat mehr versprochen als die Realität tatsächlich bietet. Aber wir haben einen sicheren Stellplatz für unsere Mopeds und ein sauberes Zimmer für uns mitten in der Großstadt.

Wie in den anderen Städten zuvor erkunden wir auch Skopje zu Fuß. Die Stadt hat eine gut zwei Jahrtausende alte, teilweise sehr turbulente Geschichte zu bieten, an die in unzähligen Denkmälern und Monumenten erinnert wird. Aus Skopje stammen Alexander der Große und Mutter Teresa, denen natürlich auch große Statuen gewidmet sind.

In der Innenstadt von Skopje werden noch immer neue Monumente und Museumsgebäude errichtet, dabei gibt es schon so viele. Das hierfür aufgewendete Geld sollte in unseren Augen lieber in die Infrastruktur investiert werden, die betagte und mit Mautgebühr belegte Autobahn zwischen Ohrid und Skopje hätte es dringend nötig.

Wer übrigens seinen vor ca. 20 Jahren verkauften VW Golf, Mercedes oder Opel Ascona sucht, wird in Montenegro (VW), Albanien (Mercedes in allen Klassen) und Mazedonien (Opel) fündig. Hier bestimmen alte deutsche Autos das Straßenbild.

Wir lassen nun auch Mazedonien hinter uns und freuen uns auf Bulgarien.


Zu den Fotos dieser Woche: Südlicher Balkan

zum nächsten Kapitel: Europa - Bulgarien

 

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