Alser-On-Tour

Ein paar Tage in den Tropen

13. – 20.11.2010: Abstecher zu Pollo und der Nordosten Argentiniens


Wir verlassen Buenos Aires. Unsere erste Fahretappe führt uns nach Azul – ca. 300km südlich von Buenos Aires – zu Jorge alias Pollo (sprich: Poscho), einem Motorradfahrer, der die in der Reisewelt recht bekannte „La Posta de Viajero en Moto“ betreibt. Wir haben von vielen den Tipp bekommen, hinzufahren.

 

Ehe wir uns aber im Ort zu ihm durchfragen können, müssen wir telefonieren. Wir sind eh schon zu spät dran, da die Telefone in der Shell-Tanke vor 50km nicht funktionierten. Also stoppen wir in einer Einkaufsstraße im Zentrum an einem Kiosk und Uli geht telefonieren. Annaleen bleibt an der Straße bei den Mopeds stehen, da stoppt eine große Varadero neben ihr. Der Fahrer fragt halb spanisch, halb deutsch ob wir aus Deutschland sind. Wir kommen ins Gespräch, Annaleen erzählt von unseren Reiseplänen. Er fragt, ob wir Gieboldehausen kenne. Klar, das MRT. Und ob mir auch die Posta de Viajero was sagt. 

 

Wieder ein Ja und mit den drei Spanischbrocken versucht Annaleen zu erklären, dass wir genau dort hinwollen. Plötzlich macht es klick und es ist klar, dass sie Pollo vor sich hat. Was ein Zufall! Gut, dass wir genau hier zum Telefonieren angehalten haben.

 

Wir folgen Pollo durch die Straßen von Azul und stehen kurz darauf vor der Posta. Es handelt sich um sein Privatgelände, auf dem er den Reisenden seinen Garten sowie die Werkstatt mit angeschlossenem Bad und Küchenzeile zur Verfügung stellt. Also alles was man braucht für schlappe 20Pesos (unter 4EUR) pro Person für die Nacht. Wir schlagen unser Zelt im Garten auf und beschließen, zwei Nächte zu bleiben. Es ist ein entspanntes Wochenende, an dem wir entscheiden, doch noch wieder nach Norden zu fahren. Unser Ziel: die Wasserfälle von Iguazú, einem DER Touristenziele überhaupt in Südamerika.

 

Die nächsten dreieinhalb Tage spulen wir ordentlich Kilometer ab, entlang der gewählten Ruta 14 gibt es eh nicht viel Spannendes zu sehen. Am zweiten Fahrtag haben wir 1100km Strecke hinter uns gelassen und wir übernachten in Santo Tomé. Einen Campingplatz selbst gibt es gar nicht, aber für 20Pesos lässt man uns auf dem Gelände des örtlichen Boots/Angelvereins unser Zelt aufschlagen. Es gibt zwar keine Dusche, dafür ist das Areal beleuchtet und wir haben unsere Ruhe abseits vom Ort und direkt am Ufer des träge vor sich hin fließenden Rio Uruguay. Auf der anderen Seite ist schon Brasilien.

 

Hier sind auch mal wieder einige Fotos entstanden, die letzten Tage war es aufgrund der eher langweiligen Strecke eher mau mit Fotogelegenheiten.

 

Am nächsten Tag gehen wir die letzte Etappe nach Puerto Iguazú an, es liegen noch ca. 400km vor uns. Wir folgen weiter der Ruta 14 und sind langsam etwas genervt-gelangweilt von immer derselben Szenerie. Es erinnert ein bisserl an das südliche Australien; üppiges Grün, roter Sand und endlose Weite. Wirklich schön, aber nach mehreren Tagen eben auch nichts spektakuläres mehr. Wir hatten gehört, dass es entlang der Strecke viele Polizeikontrollen gibt, wo man versucht, Touristen Geld abzunehmen; die meisten Kontrollen winken uns durch, wir müssen lediglich drei Mal anhalten und Führerschein und Fahrzeugversicherung vorzeigen. Diese Kontrollen geschehen in unseren Augen nur aus Langeweile und Neugier, denn man will direkt wissen, wo wir herkommen, wo wir hin wollen und wie die Motorleistung der Motorräder ist.

 

Wir passieren einige Ortschaften und haben dann tatsächlich für ca. 40km Fahrspaß auf einer etwas abwechslungsreichen Strecke auf der Ruta 11. Kurz bevor wir gegen 15 Uhr auf die Straße biegen, die uns final nach Puerto Iguazú bringen soll, entdecken wir in einem Café in einem Kaff die orangefarbene KTM von Aurel und Marion – die beiden Franzosen hatten wir letzte Woche bei Dakar Motos in Buenos Aires kennen gelernt, wo auch sie ihre gemeinsame Weltreise gestartet haben.

 

Die beiden erzählen uns, dass die Straße nach Norden heute gesperrt ist wegen einer Demo und erst ab 18 Uhr wieder geöffnet wird. Na super! Es ist ein kilometerlanger Stau von Fahrzeugen entstanden, die sich dann ab 18 Uhr wieder in Bewegung setzen. Wir beschließen, genau wie die zwei Franzosen erst morgen früh weiterzufahren, auch wenn es nur noch ca. 120km bis Puerto Iguazú wären.

 

Ca. 5km abseits der Straße, erreichbar über eine Sand/Lehmpiste, liegt ein kleiner gut versteckter Gemeindepark mit Campinggelegenheit am Rio Paraná. Das ist mal richtiges Urwald-Feeling. Es krabbelt und piept und zirpt, durchs Gebüsch huschen die Leguane.

In unserem Dschungel-Camp lassen wir uns zu viert unsere 1,7kg Asado schmecken und finden, dass das Leben als Reisende doch sehr angenehm sein kann :-)

 

 

Am nächsten Tag in Puerto Iguazú bauen wir für drei Nächte unser Camp auf, der Campingplatz ist auf Touristen eingestellt und bietet viele Annehmlichkeiten wie Stromgelegenheiten direkt am Zelt, Swimming Pool oder WLAN Zugang. Wir genießen diesen kleinen Luxus und nutzen die Gelegenheit, via Skype Eltern und Oma anzurufen und mal wieder ein paar Bilder hochzuladen.

 

Der Ort Puerto Iguazú lebt von den Touristen, was man an den Preisen und den zahlreich vorhandenen Unterkunftsmöglichkeiten merkt. Ansonsten finden wir den Ort eher uninteressant, es wirkt laut und dreckig. Wir geben unsere Schmutzwäsche ab, kaufen ein und ziehen uns dann wieder zurück auf unseren Campingplatz.

 

Am Freitag, 19.11., starten wir das totale Touristenprogramm mit einem Besuch bei den Wasserfällen von Iguazú.

Früh aufstehen, puh – lange nicht mehr gemacht. Gemeinsam mit Marion und Aurel fahren wir um 08 Uhr in der Früh die 14km bis zum Parkeingang zu den Wasserfällen. Der Eintrittspreis für Touristen ist achtmal höher als für Einheimische.

 

Am Ende des Tages ist unser Fazit, dass sich die umgerechnet 17EUR Eintritt gelohnt haben. „Beeindruckend“ ist ein treffendes Wort zum Beschreiben der Wasserfälle. Es ist unglaublich, wie viel Wasser – und mit welch lautem Getöse – rund um die Uhr über das Basaltplateau abwärts schießt.

 

Man kann es gar nicht in Worten beschreiben, die Bilder und insbesondere die Videos geben das sicher sehr gut wieder. Hier ein Ton- und Bildbeispiel:

 

Man bemüht sich, die Wasserfälle in die Liste der modernen Weltwunder aufzunehmen – in unseren Augen ein berechtigter Wunsch; es ist ein wirklich faszinierendes Naturschauspiel.

 

Die 32°C mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit machen uns zu schaffen, so dass wir den Nachmittag am Pool im Schatten verbringen. Abends legen wir wieder mit den beiden Franzosen 2,7kg Fleisch auf den Grill und putzen tatsächlich alles weg. Sightseeing macht halt hungrig.

 

Ein mehrstündiger Gewitterregen verwandelt den roten Sand in roten Matsch, es gibt also einiges zu reinigen, was wir in aller Ausführlichkeit an unserem letzten Tag hier tun. Das (Sub)Tropenklima ist nicht so unser Ding und wir werden jetzt wirklich den Weg nach Süden antreten. Grob ist die Route ausgelegt, die nächsten Ziele heißen Peninsula Valdes, Ushuaia und Punta Arenas.

 

Bilder haben wir auch einige, diese könnt ihr euch hier anschauen. Viel Spaß!

 

zum nächsten Kapitel: Argentinien - Richtung Süden

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