Alser-On-Tour

Unterwegs auf Ruta 40 und Carreterra Austral

08.01. – 15.01.2011: Von El Calafate über die Carreterra Austral nach San Carlos de Bariloche


Nach 10 Tagen auf See hat uns die Straße wieder. Wir ruhen uns noch einen Tag in Ushuaia aus und befinden uns seit dem 08.01. endgültig auf  dem Weg nach Norden. In El Calafate steigen wir wieder auf die Mopeds um, die im Garten eines Hostels brav auf uns gewartet haben.

 

Die erste Fahrt nach der über zweiwöchigen Pause bringt uns nach El Chaltén, wo wir uns für zwei Nächte einquartieren. Der Ort ist erst knapp 25 Jahre alt und wurde aufgrund von Grenzstreitigkeiten mit den Chilenen gegründet. Bis zu dem Zeitpunkt erhoben die Chilenen alleinigen Besitzanspruch an das Fitz-Roy-Massiv. Dieser ewige, unterschwellige Grenzkonflikt zwischen Chile und Argentinien ist für uns bemerkbar, wenn wir in mühsamer Prozedur die Zollformalitäten erledigen müssen - und das bei jedem Grenzgang aufs Neue! Für uns EU-Bürger ist so etwas unvorstellbar und wir wissen das Schengen-Abkommen mittlerweile mehr als zu schätzen. Die Seiten unseres Reisepasses füllen sich mit Stempeln – und wir sind bisher lediglich in Argentinien und Chile unterwegs.

 

Auf dem Weg nach El Chaltén können wir während der Fahrt den Mt. Fitz-Roy bei wolkenlosem Himmel bewundern, der Auslöser am Fotoapparat ist im Dauereinsatz. Solche Gelegenheiten muss man nutzen, denn nichts ist so beständig wie die Wetterunbeständigkeit. Schon am nächsten Tag ist es ziemlich bewölkt, so dass man nicht viel vom Felsriesen sieht. Das hält uns allerdings nicht davon ab, die Wanderstiefel zu schnüren und eine tolle, abenteuerliche Runde über 15km am Fuße des Mt. Fitz-Roy zu wandern.

 

Es folgen mehrere Fahrtage am Stück. Wir nehmen die Routa 40 bis Perito Moreno, teilweise über hoppeligen Untergrund. Die Straße ist aber überwiegend gut befahrbar, den Schilderungen nach hatten wir es uns schlimmer vorgestellt. Auf halbem Weg nach Perito Moreno nächtigen wir auf einer richtigen Estancia und holen nach einem Monat wieder das Zelt aus der Tasche.

 

Den Staub der Routa 40 hinter uns lassend, fahren wir am Südrand des Lago Buenos Aires nach Westen und reisen mal wieder nach Chile ein. Der Papierkrieg ist schnell erledigt, wir freuen uns über eine rasche Abfertigung. Zu früh gefreut, denn wir müssen unser ganzes Gepäck abladen und durch das Röntgengerät laufen lassen. Dabei entdeckt man leider unseren argentinischen Honig, den wir bei den bisherigen Grenzkontrollen unbemerkt „schmuggeln“ konnten.

 

Nach einem Übernachtungsstopp in Chile Chico folgen wir dem Lago General Carrera, wie der Lago Buenos Aires auf chilenischer Seite heißt, bis wir auf die Carreterra Austral treffen.

 

Die kurvenreiche Schotterpiste macht richtig Spaß, nach der wochenlangen patagonischen Staubtristesse genießen wir den Blick über grüne Wiesen, tiefblaue Gewässer und schneebedeckte Gipfel. Was für eine schöne Szenerie!

 

Kurz vor Villa Cerro Castillo beugt sich Annaleens Vorderreifen dem endlosen Schotteruntergrund und wir haben den ersten Platten nach 10.000 Reisekilometern. Zum Glück finden wir in dem ansonsten nicht viel hergebenden Kaff direkt eine Gomería, wo wir das Loch flicken lassen. Leider nicht sehr ausdauernd, denn am nächsten Tag läßt der Reifen an selber Stelle wieder Luft raus. Ob die Reparatur in Puyuhuapi gründlicher und beständiger ist, wird sich in den nächsten Tagen zeigen :-)

 

Die Carreterra Austral ist bereits anteilig geteert und in sehr gutem Zustand. Abenteuerlich wird es dann wieder zwischen Coyhaique und Puyuhuapi, wo es auf 60km Länge mitten durch den Urwald über die teilweise sehr schmale Straße geht. Mit dem leichten Regen wirkt es wirklich wie im Dschungel. Puyuhuapi wurde 1935 von vier Sudetendeutschen gegründet, die auf den Spuren eines deutschen Geologen in diesem Teil von Chile unterwegs waren. Sie haben sich einen sehr einsamen, abgelegenen Flecken Erde ausgesucht. Wir bleiben nur eine Nacht und nutzen eine kurze Regenpause am Vormittag, um weiter Richtung Norden und vom Regen fortzukommen.

 

Unser nächstes Ziel, wo wir bei schönem Wetter auch ein paar Tage bleiben wollen, ist das Seengebiet rund um Villarrica.

 

Hier geht es zum Fotoalbum dieser Woche: Berge und Seen

 

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