Alser-On-Tour

Entlang des südlichen Wendekreises

14.02. – 20.02.2011: Von Salta nach San Pedro de Atacama erreichen wir neue Höhenrekorde


Am 10.02.2011 verlassen wir Salta Richtung Norden auf der Ruta 9. Kurz hinter der Stadtgrenze windet sich die Straße kilometerlang an einem Bergkamm entlang. Die Fahrt auf der meist nicht mehr als 4m breiten Straße in unendlich erscheinenden Kurven macht einfach Spaß. Wir fahren bis Purmamarca, einer auf 2200m Seehöhe gelegenen alten Inka-Siedlung. Von hier aus starten wir am folgenden Tag zur Überquerung des Paso de Jama, um nach San Pedro de Atacama in Chile zu gelangen.

Die Passstraße ist komplett asphaltiert und sehr gut befahrbar. Wir schrauben uns über dutzende Serpentinen auf über 4000m. Der Pass besteht genaugenommen aus mehreren einzelnen Passhöhen und wir bewegen uns kontinuierlich zwischen 3000m und 4700m. Es ist eine beeindruckende Berglandschaft, bestehend aus schneebedeckten Vulkankegeln und zahlreichen Hochplateaus. Wir queren auf einem Damm die Salzpfanne „Salinas Grandes“, wo in mühseliger Arbeit Salz abgebaut wird. Die Menschen hier wohnen in einfachen Lehmhütten und wir können uns nicht so Recht das Leben in dieser kargen und einsamen Landschaft mit der dünnen Luft vorstellen.

Die Grenze zwischen Argentinien und Chile ist nicht der höchste Punkt, diesen erreichen wir einige Kilometer später bei 4812m Höhe. Wie bei der Überquerung des Paso Agua Negra vertragen wir die Höhe auch heute sehr gut, wir sind nur etwas aus der Puste ob der dünnen Luft. Wir freuen uns, dass wir uns heute früh trotz warmer 18°C für die zwei extra Kleidungsschichten entschieden haben, denn auf den Höhen sind es kaum mehr als 2°C.

Nach ziemlich genau 400km erreichen wir San Pedro de Atacama. Direkt am Ortseingang ist die chilenische Grenzabfertigung. Es ist heiß und wir sind bald genervt von der schleppenden Zollkontrolle. Die Zöllnerin, die die Einfuhr unserer Mopeds bearbeitet, belastet ziemlich unsere Geduld. Nach 13 Grenzübertritten zwischen Argentinien und Chile sollten – in unseren Augen – sämtliche Informationen zu uns und unseren Mopeds im Zollsystem gespeichert sein, sie jedoch erfragt in langwieriger Prozedur sämtliche Informationen erneut ab.

Schließlich ist auch der 14. Grenzübertritt geschafft und wir können in den Ort fahren. Der erste Eindruck ist nicht allzu positiv, es wirkt etwas heruntergekommen und einfach nur sehr staubig. Willkommen in der trockensten Wüste der Welt! Wir beziehen das noch von Salta aus gebuchte Hostel, die Mopeds stehen auf dem Autoparkplatz verschlossen hinter einem Tor.

Am Sonntag suchen wir aus dem erschlagenden Angebot an Tour-Veranstaltern einen Ausflug in das Valle de la Luna, das Tal des Mondes. Angeblich ähnelt die Landschaft der des Mondes und bei Sonnenuntergang würden die Felsen vielfältig rot leuchten. Das wird also unser Programm am Montag. Im nicht sehr großen Ort reihen sich Souvenirläden, Tour-Veranstalter und Herbergen aneinander. Es scheint sich zu lohnen, denn die Straßen sind voll mit Touristen.

Wir werden nicht richtig warm mit dem Ort und vermissen an verschiedenen Stellen Serviceorientierung und Gastfreundschaft. Obwohl der Ort vom Tourismus lebt, sind diese zwei Kernelemente anscheinend in den Augen der Ladenbesitzer und Herbergsbetreiber nicht nötig. Die Hostels und Hotels sind alle belegt, wie wir an den Türschildern „Completo“ erkennen können. Es wird offenbar keinen Wert gelegt auf eine Kundenbindung, wie wir sie zum Beispiel aus den Alpenländern oder Deutschland kennen. Vielleicht ist man hier der Meinung, dass jeder Tourist nur einmal nach San Pedro kommt und man daher gleichgültig mit ihm umgehen kann.

 

Es gibt aber auch positives zu erzählen. Der Ausflug in das Valle de la Luna lohnt sich, nicht nur wegen der Farbvielfalt bei Sonnenuntergang. Wir erklimmen Sanddünen und laufen in einer kleinen Schlucht zwischen salzhaltigen Felsen, die beständig laut knacken.

 Eigentlich haben wir nach drei Nächten genug von diesem Ort und wollen wieder über den Pass zurück nach Argentinien. Am Morgen unseres geplanten Aufbruchs erhalten wir jedoch die Nachricht, dass unsere französischen Freunde Aurel und Marion heute nach San Pedro kommen. Wir wollen die beiden gerne treffen und bleiben kurz entschlossen einen weiteren Tag, um auf die zwei zu warten. Wir verbringen einen sehr netten Abend zusammen freuen uns schon jetzt auf das Wiedersehen mit den beiden in Bolivien.

 Am 16.02.2011 verlassen wir San Pedro de Atacama und damit auch als erstes Land unserer Reise Chile. Die Ausreise geht erfreulich schnell, in 160km wartet auf 4000m die argentinische Einreisestelle. Auch beim 15. und damit letzten Grenzgang zwischen Argentinien und Chile will man unsere Nerven strapazieren. Es ist uns unverständlich, warum erneut alle Angaben zu Person und Motorrad abgefragt werden, wenn doch alles bereits erfasst ist. Und dass diese Informationen vorhanden sind, haben wir beim argentinischen Zoll in Futaleufú erfahren, wo die Einreise ruckzuck erledigt war.

Gut, dass wir viele Fotos auf der ersten Fahrt über den Paso de Jama gemacht haben. Auf der Rücktour ist der Himmel bedeckt, es ist windig und kalt. Durch die Wolken schwingen wir uns die Serpentinen hinunter auf die Ruta 9. Im Örtchen Tilcara bleiben wir vier Nächte in der wirklich schönen Anlage der Jugendherberge und genießen die letzten Tage in Argentinien. Von Tilcara aus macht Uli noch einen Abstecher zurück nach Salta, um die Reifen zu wechseln, die endlich angekommen sind.

Wir haben in einem kurzen Video ein paar Eindrücke der bezaubernden Landschaft in diesem Teil des Kontinents zusammengestellt:


Am 20.02. lassen wir mit Argentinien das zweite Land unserer Reise hinter uns und reisen nach Bolivien ein. Wir sind sehr gespannt!

 

Zu den Fotos dieser Woche: Andenpässe III


zum nächsten Kapitel: Bolivien - Salar de Uyuni

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