Alser-On-Tour

Über den Paso de Francisco, 4725m

07.02. – 13.02.2011: Von Copiapó nach Fiambala geht es über einen der höchsten befahrbaren Andenpässe


Am 06.02.11 klingelt der Wecker um 06 Uhr morgens. Was man nicht alles tut, um einen der höchsten Andenpässe überhaupt zu überqueren: den Paso San Francisco. 480km Strecke liegen vor uns, mit Höhen zwischen 500m und über 4700m. Wir planen ausreichend Zeit ein für die Strecke und sitzen um 07.30 Uhr auf den Mopeds.

Zwischen Copiapó und Fiambala, dem nächsten Ort auf argentinischer Seite, gibt es keinerlei Möglichkeiten, an Benzin oder Lebensmittel zu kommen. Wir decken uns daher gut ein und nehmen insgesamt knapp 15l zusätzlichen Sprit an Bord. Die ersten 5l aus zwei Plastikflaschen verteilen wir nach 50km in die Tanks, nach weiteren 70km füllen wir die 5l aus Annaleens Ersatzkanister ein.

Wir genießen die tollen Farben der Berge im Sonnenaufgang und fahren die ersten 170km über gute Piste. Um 11 Uhr erreichen wir die chilenische Grenzabfertigung in knapp 3000m, spektakulär an einer großen Salzfläche gelegen.

Ab hier wird die Straße erheblich schlechter und anstrengender mit vielen Sandpassagen. Eine Entschädigung ist der Blick auf die salzwassergefüllte Laguna Verde ca. 30km vor der Passhöhe. Dort verbringen wir unsere Mittagspause. Traumhafte Farben! Wir bewegen uns nun schon seit längerer Zeit auf einer Höhe zwischen 4000 und 4500m und spüren die dünne Luft und die Anstrengung, wir haben beide ziemlich Herzrasen und Kopfschmerzen.

Nach 100km ist die schlechte Schotter/Sandpiste geschafft und wir haben die Passhöhe in 4772m Höhe erreicht. Annaleen macht einnen Kniefall auf dem hier beginnenden Asphalt.

Es geht in schönen Kurven über 30km zur argentinischen Grenzstation. Hier sind wir immer noch knapp über 4000m hoch. Insgesamt werden wir am Ende dieser Etappe gut 4 Stunden in über 4000m Höhe gewesen sein, kein Wunder, dass uns der Kopf brummt.

Wir haben gut mit unserem Benzin gewirtschaftet, von den 15l zusätzlichen Sprit sind noch  5l übrig und in den Mopeds ist auch noch Benzin für knapp 100km. Auf der Gesamtstrecke von 480km haben die Mopeds also ca. 18,5l verbraucht.

Endlich erreichen wir Fiambala, ein kleines Kaff mitten in der Wüste. Es liegt an einem Fluss und ist erstaunlich grün. Es ist Sonntagabend in Argentinien und daher ist es schwer, ein geöffnetes Restaurant oder einen Kiosko (Tante-Emma-Laden) zu finden. Eines hat dann doch geöffnet und wir können unsere Getränkevorräte auffüllen. Zum wiederholten Male geschieht es, dass wir unser Wechselgeld zum Teil in Naturalien ausgezahlt bekommen. Wenn es keine passenden Münzen gibt, wird das Wechselgeld einfach in Form von Süßigkeiten gegeben. Irgendwie pfiffig.

Wir finden in einer ruhigen Straße eine Hosteria und fallen nach einem kleinen Abendessen erschöpft in die Betten und nehmen eine kräftige Mütze voll Schlaf.


Am nächsten Tag lassen wir es ruhig angehen und fahren nur 200km bis zum Ort Belén an der Ruta 40. Wir genießen den fahrfreien Nachmittag im Hotel und erledigen einiges am PC. Wolken bedecken den Himmel und es fängt schließlich leicht an zu regnen. Als der Regen aufhört, zieht ein kleiner Sandsturm auf und statt Regen fällt nun Staub vom Himmel. Das Licht ist orange gefärbt, recht bizarr. Als auch das vorbei ist, fängt es wieder an zu regnen. Sehr interessante Niederschlagskombination.

Wir genießen die Abkühlung, nicht ahnend, was es für uns bedeuten wird…

Von Belén geht es am 08.02.11 weiter auf der Ruta 40 nordwärts, wir wollen in zwei Tagesetappen Salta erreichen. Hinter Belén führt die Straße in schwungvollen Kurven durch eine kleine Schlucht zwischen grünbewaldeten Bergen. So macht das Fahren Spaß und wir genießen den guten Asphalt, wohl wissend dass uns noch Schotterabschnitte heute erwarten werden. Durch den Regen am Vortag ist der nicht-asphaltierte Bereich gut befahrbar, der Sand ist schön fest.

Der Regen hat allerdings auch die kleinen Bergflüsse gefüllt und wir stehen hinter einer Kurve plötzlich vor einem ziemlich stark fließenden Wasserlauf, der mitten über die Schotterstraße strömt. Diese Flussbette kennen wir, aber nur im trockenen Zustand.

Was bleibt uns anderes übrig, wir müssen durch das Wasser. Auf der anderen Seite steht ein PKW, der die Wasserdurchfahrt leider nicht gepackt hat und nun nicht mehr anspringt. Das macht ja Mut! Uli fährt voraus und bringt das Moped sicher durch das Wasser. Er watet durch das Wasser zurück, um auch Annaleens Moped rüber zu fahren. Die starke Strömung drückt ziemlich gegen das tiefe Fahrgestell, aber auch hier geht alles gut. Der Auspuff ist nicht vollgelaufen mit Wasser, dafür Ulis Stiefel. Zum Glück kommt ein LKW vorbei, der Annaleen auf die andere Seite mitnimmt, so dass nur einer von uns nasse Hosen und Füße bekommen muss.

Es sollen noch weitere Wasserdurchfahrten folgen, die erste war jedoch die schwierigste. Einmal können wir das Wasser umgehen und über eine enge Fußgängerbrücke fahren. Das ist Millimeterarbeit. Unsere Ausflüge durch Wasser und Matsch haben wir in einem Video zusammengestellt:

 

 

Das viele Wasser und die teilweise sehr schlechte Straße hat uns viel Zeit gekostet, so dass wir für die 245km fast 6 Stunden benötigen und am späten Nachmittag in Cafayate ankommen. Die Zimmersuche gestaltet sich schwer, entweder sind die Hostals ausgebucht oder uns zu teuer. Wir stehen an der Straße und beratschlagen, ob wir noch weitere 190km bis Salta fahren sollen, als neben uns zwei Jungs auf Fahrrädern anhalten und fragen, ob wir eine Unterkunft suchen. Ihr Angebot klingt gut und so kehren wir kurzentschlossen im kleinen Hostal Benjamin ein.

Von Cafayate fahren wir am folgenden Tag durch die landschaftlich reizvolle Quebrada de las Conchas, eine lange Schlucht mit den unterschiedlichsten Felsfarben und –formen. Auch an diesem Tag werden unsere Flussdurchfahrt-Fähigkeiten auf die Probe gestellt. Wir haben nicht nur Wasser von unten, auch von oben wird es nass und wir geraten auf den 190km bis Salta in zwei dicke Regenschauer.

Die Provinzhauptstadt Salta ist eine typische argentinische Großstadt, in der wir zwei Nächte bleiben wollen, um neue Reifen auf Ulis Moped zu ziehen. Als wir am ersten Abend durch das Stadtzentrum bummeln, treffen wir auf eine kleine Karnevals-Prozession. Die Menschen sind bunt kostümiert und machen mit Trommeln und Trillerpfeifen ordentlich Krach. Das farbenfrohe Spektakel gefällt uns gut.

Als wir unsere Schmutzwäsche in die Wäscherei bringen, treffen wir zufällig an der Straßenecke auf Kathy und Buster - die beiden Briten waren unsere Kabinennachbarn während der Antarktis-Tour! Wir hatten sie schon in El Chaltén getroffen. Tja, die Welt der Reisenden ist manchmal gar nicht so groß.


Leider verzögert sich die Ankunft der neuen Reifen um einige Tage, so dass wir Ende nächster Woche noch einmal nach Salta zurück kehren werden.


Nun geht es über einen weiteren hohen Pass über die Anden nach Chile. Der Paso de Jama führt uns nach  San Pedro de Atacama. Dort werden wir ein paar Tage bleiben.


Hier gibt es wie immer den direkten Link zu den Fotos der Woche: Andenpässe II

 

zum nächsten Kapitel: Chile und Argentinien - Andenpässe III

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