Alser-On-Tour

Über die hohen Pässe der Anden

31.01. – 06.02.2011: Von Valparaíso nach Mendoza und von Las Flores nach Vicuña geht es über zwei der höchsten befahrbaren Andenpässe


Am 30.01.2011 verlassen wir die Pazifikküste und steuern nördlich von Santiago die Anden an, die wir über die Ruta 60, etwas nördlich vom alten Bermejo-Pass, überqueren wollen.

 

Wir schrauben uns in 29 Kehren aufwärts und sind durch den Betrieb auf der Straße mit Überholen beschäftigt. Keine Ahnung, warum am Sonntag hier so viel los ist.

 

Auf 3300m ist schließlich die Passhöhe erreicht. Nun geht es in einen etwas schäbigen 4km langen Tunnel. Im Tunnel, irgendwo zwischen Ein- und Ausfahrt ist die offizielle Grenze zwischen Argentinien und Chile. Kurz nach der Ausfahrt erblicken wir den Aconcagua, den mit 6959m höchsten Gipfel Amerikas. Wir sind zu diesem Zeitpunkt knapp 3000m hoch, daher wirkt der Berg gar nicht so überwältigend hoch. Ein schöner Anblick bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel ist es allemal.

 

Die Grenzkontrolle beider Länder ist diesmal in gemeinsamer Abfertigung auf argentinischer Seite, aber es dauert trotzdem seine Zeit bis wir alles erledigt und die nächsten Stempel in unseren Pässen haben.

 

Abwärts durch das Tal wird es immer heißer und – je mehr wir uns Mendoza nähern – grüner. Mittels künstlicher Bewässerung werden riesige Weinberge bewirtschaftet und der gute argentinische Wein angebaut.

 

In Mendoza beziehen wir für zwei Nächte Quartier in einem Hostel. Wir sind etwas erschlagen von der Hitze, am frühen Abend sind es immer noch über 30°C.

 

Die Stadt selbst ist nicht sonderlich interessant, eine Sache fällt uns allerdings auf: es sind keine Hunde auf der Straße zu sehen. In allen anderen Orten von Buenos Aires bis Ushuaia, von Punta Arenas bis Valparaíso prägen Hunde (die meisten sind Streuner, einige sind Haushunde, die umherlaufen) das Stadtbild. Warum hier nicht, wissen wir nicht.

 

Der Ruhetag in Mendoza ist ein kleiner Arbeitstag, denn wir müssen für Annaleens Moped die neuen Reifen abholen und aufziehen lassen. Javier von Dakar Motos in Buenos Aires hatte den Satz Reifen via Bustransport nach Mendoza geschickt.Am Busbahnhof nehmen wir das Paket bei der Busgesellschaft in Empfang. Diese Art von Pakettransport ist in Argentinien völlig normal und eine gute Alternative zur Post.

 

Von Mendoza geht es am 01.02. über 360km nordwärts bis Las Flores, unserem Ausgangspunkt zur Überquerung des Paso Agua Negra am folgenden Tag. Auf 1900m können wir uns über Nacht etwas akklimatisieren.

 

Die argentinischen Grenzformalitäten werden direkt hinter Las Flores erledigt, 90km vor der tatsächlichen Passhöhe. Ab hier geht’s stetig aufwärts auf einer gut zu befahrenen Schotterpiste. 3 Stunden und knapp 2900 Höhenmeter später sind wir auf dem Paso Agua Negra in 4780m Höhe über NN. Die Luft ist merklich dünner. Auch wenn es Annaleen ein bisschen schwindelig ist, verkraften Mensch und Maschine diese außergewöhnliche Höhe erfreulich gut. Die Mopeds schnurren brav die Schotterstraße hoch und auf chilenischer Seite wieder runter, wobei die Straße von den Argentiniern viel besser in Schuss gehalten wird.

 

Strahlendblauer Himmel und Sonne pur lassen die Umgebung in intensiven Farben leuchten, wir sind sehr beeindruckt von dieser faszinierenden Landschaft.

 

Auf argentinischer Seite hatten wir auf 4000m Höhe zwei bepackte Radfahrer getroffen, die nicht vor der extremen Passhöhe zurückschrecken und tapfer in die Pedale treten. Sie haben unseren höchsten Respekt, denn auch ohne die dünne Luft ist eine Passüberquerung auf Schotter schon anstrengend genug.

 

Einen kleinen Zusammenschnitt der zwei Pässe haben wir in folgendem Video erstellt:

 

Der chilenische Grenzposten liegt auf 2000m Höhe und ist gut 160km vom argentinischen Pendant entfernt. Das ist mit Abstand die weiteste Entfernung, die wir zwischen zwei Grenzposten zurück zu legen haben. Die Chilenen meinen es wieder mal sehr genau mit ihren Kontrollen und so müssen wir unser gesamtes Gepäck abschnallen und Taschen und Koffer öffnen. Sie sind insbesondere auf der Suche nach frischen Lebensmitteln. Honig steht auch auf der schwarzen Liste, er ist uns bereits einmal abgenommen worden. Wir präsentieren also unser ganzes Gepäck von Schlafsack bis zu den Wanderschuhen und öffnen auch die Essenstasche. Oben auf steht die Plastikdose Honig, aber der Zöllner schaut geflissentlich dran vorbei und so dürfen wir ohne weiteres wieder einpacken.

 

Kopfschüttelnd über diese überflüssige Kontrolle setzen wir die Fahrt fort und schwingen uns über die gut geteerte Straße über 85km durch das Tal des Rio Elqui bis nach Vicuña.

 

In einer Hosteria finden wir Unterkunft und buchen uns für den Abend eine Tour zu einem Observatorium 17km oberhalb des Ortes in den Bergen. Der Wüstenhimmel bietet ideale Vorraussetzungen, die Sterne zu betrachten und wir finden es insgesamt sehr beeindruckend, was man schon mit bloßem Auge erkennen kann. Satelliten ziehen blinkend vorbei und Annaleen sieht sogar eine Sternschnuppe herunter sausen. Durch das Teleskop betrachten wir eine Supernova, eine Gruppe von neugeborenen Sternen und weit entfernte Galaxien. Eine wirklich spannende Sache.

 

Die Hosteria La Elquina gefällt uns sehr gut, es gibt einen gemütlichen Garten mit großen schattenspendenden Bäumen und so beschließen wir, für weitere zwei Nächte unser Zelt in ebenjenem Garten aufzustellen und zwei Tage auszuspannen. Hier treffen wir auf Adrian, der mit einer kleinen Honda für einige Wochen durch die Lande fährt und dem wir begeistert vom Paso Agua Negra berichten können.

Der Ort Vicuña hat touristisch nicht viel im Angebot, allerdings findet grad ein kleines Stadtfest statt und wir gehen einen Abend zum Open-Air Konzert auf dem zentralen Platz.

 

Am 05.02. packen wir wieder zusammen und fahren über die Ruta 5 (die Panamericana) nordwärts bis Copiapó. Von hier aus starten wir am anderen Morgen Richtung Paso San Francisco, der wie der Agua Negra ebenfalls eine Passhöhe von über 4700m hat. In Copiapó decken wir uns mit reichlich Wasser und Benzin ein, denn der nächste Ort nach Osten ist gut 500km entfernt.

 

Hier geht es zu den Fotos dieser Woche: Chile und Argentinien – Andenpaesse I

 

zum nächsten Kapitel: Chile und Argentinien - Andenpässe II

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