Alser-On-Tour

Von La Paz über Copacabana nach Puno

06.03. – 13.03.2011: Unterwegs am hö.chstgelegenen schiffbaren See der Welt


La Paz begrüßt uns mit Regen und Kälte. Zum Glück haben wir ein Hotelzimmer mit Heizung, die wir die kommenden drei Tage und vier Nächte ausgiebig nutzen. In unseren bisherigen Quartieren in Bolivien gab es den Luxus Heizung nicht. Wir fragen uns, wie es zur Jahresmitte, wenn hier Winter herrscht, ohne Heizung auszuhalten ist.

Die Großstadt La Paz liegt in einem Talkessel, die Häuser schmiegen sich ringsum an die Felswände. Was besonders bei schönem Wetter sehr imposant aussieht, kann bei heftigem Regen zur Gefahr werden. Kurz vor unserem Aufenthalt hat ein Erdrutsch einige dieser Häuser weggeschwemmt; zum Glück ist niemand ernsthaft zu Schaden gekommen.

Hier in der Stadt wird der Unterschied zwischen Moderne und Tradition und natürlich auch zwischen Arm und Reich deutlich hervorgehoben. Man sieht es an den Hochhäusern, die direkt neben den einfachen Lehmhütten stehen. In La Paz herrscht ein Straßenverkehrschaos, wie wir es schon aus Potosi oder Sucre kennen. Aufgrund der Lage der Stadt in diesem Talkessel, gibt es leider keine Möglichkeit, die Stadt zu umfahren. Wir müssen also jedes Mal mitten durch den Trubel.

 

Am Montag den 07.03. machen wir uns auf zu den antiken Ruinen von Tiahuanaca, ca. 80km westlich von La Paz. Unser Reiseführer schreibt hierzu, dass es sich um die ältesten und bedeutsamsten Ausgrabungen präkolumbischer Siedlungen handelt. Das wollen wir uns doch nicht entgehen lassen. Die Stätte selbst ist allerdings für uns etwas enttäuschend, aufgrund der wenigen Informationen. Es gibt zwar ein kleines Museum mit unzähligen Ton- und Metallgegenständen, die die Menschen damals genutzt haben, die Außenanlage mit der Ausgrabungsstätte ist jedoch etwas luschig und uninteressant hergerichtet. Schade, da hatten wir uns mehr von versprochen.

Der nächste Tag beginnt vielversprechend mit Sonnenschein. Gemeinsam mit unserem Freund Aurel wollen wir die sogenannte „Straße des Todes“ fahren, die gut 50km östlich von La Paz beginnt und hinunter in die Yungas-Region führt. Der etwas haarsträubende Name bezieht sich darauf, dass in der Vergangenheit viele Unfälle auf dieser engen, kurvenreichen und zumeist nur einspurigen Straße passiert sind, bei denen die Fahrzeuge mangels Begrenzung die tief abfallenden Hänge hinab stürzten. Nach dem Bau einer neuen, größeren und besser ausgebauten Strecke, wird die alte Straße nach Coroico hauptsächlich von Mountainbikefahrern genutzt. Oder eben Mopedfahrern, die sich die tollen Aussichten und Kurvenstrecke durch den Dschungel nicht entgehen lassen wollen.

Leider meint es der Wettergott wieder nicht gut mit uns. Schon während der Anfahrt zur Yungas-Straße geraten wir in dichten Nebel und Regen. Als wir nach 50km die eigentliche „Straße des Todes“ erreichen, ist die Sicht nur unwesentlich besser. Wir fragen uns, wie hier bis vor wenigen Jahren überhaupt Autos, geschweige denn größere Fahrzeuge, mit Gegenverkehr fahren konnten. Es ist eine wirklich enge Schotterpiste mit nur wenig Platz zwischen Hang und Abgrund. Leider müssen wir nach nur wenigen Kilometern umkehren. Die Strecke ist nach einem Schlamm- und Erdrutsch blockiert.

Unseren wenig erfolgreichen Ausflug haben wir in einem kurzen Video dokumentiert:

Wir sind schon etwas enttäuscht, dass uns die Wetterbedingungen einen Strich durch die Rechnung machen. Langsam sind wir doch genervt von der Regenzeit, da nicht nur die „Straße des Todes“, sondern auch eine weitere Strecke durch die Yungas-Region buchstäblich ins Wasser fällt.

Unser Bolivien-Aufenthalt nähert sich nach knapp drei Wochen dem Ende. Unsere letzte Nacht in diesem Land verbringen wir in Copacabana am Titicacasee. Die Gegend gefällt uns richtig gut. Wir fahren entlang des Sees auf einem Bergkamm und haben fantastische Ausblicke auf Berge und See.

Am 10.03.11 reisen wir in das vierte Land unserer Reise ein: Peru. Am Grenzübergang zeigt sich wieder mal, dass die Reisewelt doch klein ist. Wir sehen einen Berliner Touristen, den wir Mitte Dezember auf der Fähre über die Magellan-Straße nach Feuerland getroffen haben.

Leider erleben wir an der Grenzstation das erste Mal Korruption auf unserer Tour. Die peruanischen Polizisten, die unsere Papiere kontrollieren, verlangen Geld, weil wir keine gültige Versicherung nachweisen können. Wir hatten vergeblich versucht, in Bolivien eine Versicherung für Peru abzuschließen. An der Grenze gibt es keine und ohne Fahrzeug kommen wir nicht in das 130km entfernte Puno, wo wir eine Versicherung bekämen. Ein Teufelskreis. Nach einigem Hin- und Her bekommen wir schließlich doch den nötigen Stempel. Die Polizisten erwarten jedoch im Gegenzug eine kleine Spende. Wir sind nicht bereit zu zahlen und diskutieren noch ein wenig weiter. Annaleen legt statt der geforderten 100 Soles (ca. 25 EUR) pro Moped 4 argentinische Pesos auf den Tisch und erklärt, dass dies unser letztes Geld sei, wir müssten erst mal zum Geldautomaten. Die Polizisten wollen sich damit nicht zufrieden geben. Erst als Uli die leere Geldbörse zeigt und noch den letzen 10 Boliviano-Schein (ca. 1 EUR) auf den Tisch legt, geben die Polizisten nach und händigen uns die Papiere aus.

Schade, dass der erste Eindruck dieses Landes so negativ behaftet ist. In Puno beziehen wir ein Hotel für eine Nacht und unternehmen noch am gleichen Nachmittag einen Ausflug zu den schwimmenden Inseln „Los Uros“. Diese sind komplett aus Schilf gefertigt, ebenso die Hütten und Boote der Bewohner. Die Inseln entstanden, als die am Ufer des Titicacasees ansässigen Indianer vor den spanischen Eroberern auf das Wasser flüchteten, um der Zwangsarbeit in den Minen zu entgehen. Heute existieren 40 dieser Schilf-Inseln, die knapp 2m tief ins Wasser reichen und ca. 10km vor Puno im See schwimmen.

 

Von Puno wollen wir zunächst zum Colca Canyon fahren, ehe es anschließend nach Cusco und zum Machu Picchu geht.

 

Die Bilder der Woche: Rund um den Titicacasee


zum nächsten Kapitel: Peru-Colca Canyon,Cusco u. Machu Picchu

Tagebuch Übersicht