Alser-On-Tour

Potosi, Sucre, La Paz

28.02. – 05.03.2011: Unterwegs in den Städten Boliviens


Endlich wieder Moped fahren. Nach vier Tagen und gut 900km im Jeep freuen wir uns, auf den eigenen zwei Reifen über die Straßen zu schwingen. Am Ortsausgang von Tupiza müssen wir eine Straßenmaut entrichten, umgerechnet ca. 1 EUR für beide Mopeds. Das zahlen wir doch gerne, wenn mit dem Geld die Schotter- und Sandstraßen im Land nach und nach geteert werden.

Wir wollen die 350km bis Potosí zügig hinter uns bringen, denn es ziehen wieder dunkle Wolken auf. Eine Stunde nach unserer Ankunft in Potosí öffnet der Himmel dann auch seine Schleusen. Mit nur wenigen Unterbrechungen regnet es bis zum nächsten Abend. Zudem ist es ziemlich kalt und so ist unser Aufenthalt in der Minenstadt in 4000m Höhe eher ungemütlich.

Am Samstag schließt Uli sich einer geführten Tour an in eines der vielen Bergwerke am Cerro Rico, dem Hausberg Potosís. Durch diesen Berg, bzw. die dort vorhandenen Bodenschätze, gelang Potosí im 17. und 18. Jahrhundert zu großem Reichtum und war zeitweise die größte Stadt Südamerikas. So schnell der Aufstieg, so rasant auch der Fall. Vom Reichtum ist bis auf ein paar hübsche Kolonialbauten nicht mehr viel übrig. Wie heißt es so passend in unserem Reiseführer: „Bolivien hat die Kuh, die Milch trinken andere.“

Die Minentour zeigt die bittere Realität von ca. 15000 Menschen, die hier unter schwersten Bedingungen eine nicht ungefährliche Arbeit verrichten. Um das ganze einigermaßen zu überstehen, stopfen sie sich die Wangen mit Koka-Blättern voll, die langfristig die Sinne abstumpfen. Zusätzlich gibt es reichlich Hochprozentiges (96%). Am schlimmsten ist, dass schon Kinder von 12 Jahren in der Mine arbeiten. Für sie sieht die Zukunft wirklich düster aus. Übrigens: Koka-Blätter, Alkohol und Dynamit gibt es direkt an der Straße zu kaufen. Eine Stange Dynamit mit Zündkapsel und Zündschnur kostet etwa 1EUR.

 

Ursprünglich wollten wir zwei Nächte in Potosí bleiben und am Sonntag weiter nach Sucre fahren. Der Plan wird durch einen üblen Magen-Darm-Infekt zunichte gemacht und wir müssen beide zwei Tage das Bett hüten. Ausgerechnet im kalten, ungemütlichen Potosí. Zunächst haben wir schlecht gewordene Lebensmittel im Verdacht, aber im Laufe der Woche verhärtet sich die Vermutung, dass wir uns einen Virus eingefangen haben. Tja, so was bleibt auch auf einer Reise nicht aus. Wir vertrauen auf alte Hausmittel und verspüren nach einigen Tagen langsam eine Verbesserung.

Am Dienstag sind wir wieder so weit fit, dass wir die 150km von Potosí nach Sucre fahren können. Die Straße ist in einem sehr guten Zustand, die Sonne scheint und die Landschaft gefällt uns richtig gut. So mögen wir Bolivien.

Entlang der Strecke kommen wir mehrfach an Bauern vorbei, die mit Ochsenpflug und Menschenkraft den Acker bearbeiten. Trecker und andere Landmaschinen sind weit und breit nicht in Sicht. Wir begegnen zudem kleinen Viehherden, die überwiegend von älteren Indio-Frauen in ihrer traditionell bunten Tracht mit dem Stoffbündel auf dem Rücken gehütet werden. Wir kommen uns vor wie vor hundert, zweihundert Jahren in Mitteleuropa.

Gleichzeitig trifft man in den größeren Orten und Städten auf die moderne Welt von Handys, Computern und großen Autos. Bolivien verbindet auf interessante Weise zwei gegensätzliche Lebensformen, die in unseren Augen jedoch friedlich nebeneinander/miteinander existieren.

In Sucre quartieren wir uns im gleichen Hotel ein wie unsere KTM-Freunde Aurel und Marion aus Frankreich und verbringen dort die nächsten zwei Tage miteinander. Sucre ist die offizielle Hauptstadt Boliviens, Regierungssitz und Parlament befinden sich allerdings in La Paz. Die Stadt hat viele hübsche Kolonialbauten, die im Stadtkern alle weiß getüncht sein müssen. Das macht die Stadt gleich viel freundlicher. Der Straßenverkehr ist aber so chaotisch wie in allen anderen bolivianischen Städten auch. Verkehrsregeln werden grundsätzlich missachtet, Verkehrszeichen scheinen nur als Vorschläge zu gelten. Aber seht selbst, wir haben ein paar Szenen im Video zusammengestellt:

 

Wenig außerhalb von Sucre wurden 1994 versteinerte Fußabdrücke von Dinosauriern gefunden, die wir am Mittwoch besichtigen. Ein kleines Museum gibt Hintergrundinfos und über eine Terrasse kann man die Fußspuren über einige hundert Meter Luftlinie an einer glatten Wand ansehen. Näher ran kommt man leider nicht. Zu unserem großen Erstaunen erfahren wir, dass einige dieser einzigartigen Zeitzeugen in den letzten Jahren der Erosion zum Opfer gefallen und Teile der Steinwand abgebrochen sind. Wir sehen die riesigen Schuttberge unten im Steinbruch liegen. Damit sind die Spuren unwiederbringlich verloren. Auf unsere Frage, wie denn die Spuren vor Erosionsschäden geschützt werden, zuckt der Museumsmitarbeiter die Schultern und meint, dass man da nicht viel machen könnte. Aha. Zudem wird im Steinbruch, wo die Spuren gefunden wurden, weiterhin durch eine Zementfirma gearbeitet. Uns ist das wirklich unverständlich.

Es ist Karnevalswoche und wie in Potosí erleben wir auch in Sucre einen kleinen Straßenumzug. Das ganze ist leicht chaotisch, aber gleichzeitig absolut friedfertig und fröhlich. Gesperrte Straßen? Fehlanzeige. Die Jecken ziehen gröhlend und tanzend durch den Autoverkehr, begleitet von einer meist leicht schräg aufspielenden Blas- und Trommlerkombo. Kostümiert ist so gut wie keiner, dafür schmeißt man mit Wasserbomben um sich oder spritzt die anderen dosenweise mit weißem Schaum voll.

Autofahrer sollten lieber die Fensterscheiben oben lassen. Außerdem brauchen sie gute Geduld, denn der Zug bewegt sich nicht so schnell vorwärts.

Am 04.03. sagen wir Adios Sucre. In zwei Tagesetappen wollen wir die 700km nach La Paz fahren. Viele Übernachtungsmöglichkeiten gibt es nicht unterwegs und so fällt die Wahl auf den Minenort Poopo. Schöner Ortsname! Es gibt ein recht großes Hotel, was allerdings noch nicht ganz fertig zu sein scheint. An den Waschbeckenarmaturen kleben noch die Herstelleraufkleber; so oft kann dies noch nicht in Benutzung gewesen sein.

Bei einem Besichtigungsspaziergang durch Poopo werden wir direkt als Ortsfremde entlarvt, als ein Auto laut hupend an uns vorbei fährt und die Insassen uns fröhlich ein „Hola Turistas“ zuschreien :-)

Auch in Poopo dreht sich alles rund um den Karneval. Eine der Partys findet im Erdgeschoß des Hotels statt und wir werden den Großteil der Nacht mit lauter Musik und Böllerschüssen wach gehalten. Um 04 Uhr ist die Party vorbei, nach einer einstündigen Pause startet aber leider direkt die nächste.

Etwas übernächtigt fahren wir am nächsten Morgen die zweite Etappe nach La Paz und beziehen etwas außerhalb der Stadt das schöne Hotel Oberland, das von Schweizer Auswanderern betrieben wird.

Die bisher durchfahrenen Städte glänzten durch chaotischen Straßenverkehr und wir lassen daher vorsorglich die Mopeds stehen, um mit Taxi bzw. Bus die 12km Distanz in die Innenstadt von La Paz zu fahren. Wir sehen eine typische südamerikanische Großstadt; die modernen Hochhäuser der Banken und Hotels stehen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Baracken der ärmeren Bevölkerung an den Hügeln. Es ist Sonntag und so ist nicht viel los in der Stadt. Wir schlendern rund um die Kirche San Francisco über einen Straßenmarkt und sind erschlagen von dem Angebot an Kleidungsstücken aus Alpaka- und Lamawolle, Kräutern, Gemüse und Kunstgegenständen. Etwas befremdlich sind die unzähligen Lama-Föten in unterschiedlichen Größen, die zum Verkauf angeboten werden.

Nach einem weiteren Ruhetag in der schönen Hotelanlage führt uns die kommende Fahretappe über die sogenannte "Straße des Todes" in das Städtchen Coroico.

 

Zu den Fotos dieser Woche geht es hier: Boliviens Städte

 

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