Alser-On-Tour

Der Weg nach Feuerland

06.12. – 12.12.2010: Entlang der Atlantikküste bis zum Ende der Welt


In den vergangenen vier Tagen haben wir 1800km von Trelew nach Ushuaia zurückgelegt und den ersten Meilenstein unserer Reise erreicht: das selbsternannte Ende der Welt – el Fin del Mundo.

 

Die erste Etappe führt uns, bei knapp 30°C, auf den städtischen Campingplatz im Küstenort Rada Tilly (bei Commodore Rivadavia im Süden der Provinz Chubut). Wir nutzen die warme Sonntagabendsonne für einen Strandspaziergang, das kalte Atlantikwasser lädt aber nur zum Fußbad ein.

 

Über Nacht zieht wieder heftiger Wind auf, der uns auch am Folgetag so einige Male kräftig auf dem Moped durchschüttelt.

Es gibt auch sehr ruhige Fahretappen, da macht die Tour entlang der Küste sogar richtig Spaß. Das südliche Patagonien ist landschaftlich sehr monoton und man freut sich, wenn man zur Abwechslung Guanakos oder Nandus am Straßenrand stehen sieht. Ortschaften gibt es so gut wie keine, das Land selbst ist ringsum eingezäunt und somit fest in den Händen der riesigen Estanzias. Alle 120 bis 160km kommt eine kleine Siedlung mit Tankstelle, die wie eine Oase in der endlosen Weite wirkt.

 

Als wir die Provinz Santa Cruz erreichen, werden wir polizeilich erfasst. Zunächst sind wir aufgrund der Erzählungen über korrupte Polizisten etwas skeptisch, aber man will tatsächlich nur die Motorräder und deren Fahrer registrieren und man notiert, wo wir zuletzt waren und wo wir hinwollen. Na ja, so können wir zumindest nicht verloren gehen.

 

In Puerto San Julian endet unsere Tagesetappe. Auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft müssen wir einsehen, dass unsere Vorstellung von Zimmerpreisen weit hinter den aufgerufenen Preisen zurück liegt und wir wohl oder übel unsere Schmerzgrenze nach oben schrauben müssen, wenn wir das Zelt nicht aufbauen wollen.

 

Mit jedem Kilometer mehr Richtung Süden nimmt die Temperatur kontinuierlich ab. Bei einem Tankstopp auf Höhe von Puerto Santa Cruz ziehen wir das Innenfutter in Jacke und Hose, wir haben kaum noch mehr als 12°C und kalten Wind. 100km später werden dann noch die langen Unterhosen, Fleece-Jacke und Winterhandschuhe aus der Tasche geholt (die Michelinmännchen lassen grüßen!). Würde man unsere momentane südliche Breite auf die Nordhalbkugel spiegeln, wären wir auf der Höhe von Mainz. Aber weder die karge Landschaft, noch das raue Klima oder die geringe Bevölkerungsdichte sind für das Rhein-Main-Gebiet vorstellbar!

 

Wir bleiben eine Nacht in Rio Gallegos. Die Stadt ist wenig ansprechend, aber wir brauchen ja auch nur ein Bett für eine Nacht. Am nächsten Morgen machen wir uns früh auf den Weg, da der Grenzübertritt nach Chile vermutlich einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Richtig getippt, wir verbringen insgesamt gut 1 Stunde mit den Formalitäten auf beiden Seiten der Grenze. 90% gehen allerdings bei den Argentiniern drauf, die chilenische Behörde wirkt insgesamt sehr viel organisierter.

 

Nun sind wir in Chile und nachdem wir mit der kleinen Fähre die Magellanstraße überquert haben, erreichen wir endlich Feuerland. La Tierra del Fuego begrüßt uns mit einem schönen blauen Himmel und der Wind lässt im Laufe des Tages nach. Bis zur argentinischen Grenze bei San Sebastian geht es über Schotterpiste, die gut befahrbar ist. Wir durchlaufen ein zweites Mal binnen sechs Stunden die Grenzformalitäten; das wird uns in den nächsten Wochen noch zur Routine werden.

 

Am 08.12. ist in Argentinien Feiertag und uns begegnet auf der Ruta 3 kurz vor Rio Grande eine Prozession mit Marienstatue. Was genau gefeiert wird, haben wir ehrlich gesagt nicht verstanden.

 

In Rio Grande folgen wir dem Tipp der Wüstenelche und suchen den „Camping Club Nautico“ zur Übernachtung auf. Der örtliche Ruderverein bietet Zeltmöglichkeiten oder Übernachtung im Fitnessraum mit Benutzung der sanitären Anlagen sowie des Küchenequipments an. Bestens! Wir nehmen die komfortable Variante in Anspruch und rollen im heizungswarmen Fitnessraum im ersten Stock unsere Luftmatratzen aus und lassen das Zelt heute eingepackt. Mit uns nächtigen noch andere Touristen hier, die ebenfalls Indoor-Camping gewählt und sogar ihre drei Zelte im Fitnessraum aufgestellt haben.

 

Die letzte Etappe führt uns bei 3,5°C über Tolhuin – wo es eine sehr empfehlenswerte Bäckerei gibt – nach Ushuaia. Die ersten 150km verlaufen problem- und ereignislos. Die Vegetation verändert sich, nun prägen wieder Bäume und Berge das Landschaftsbild.

 

Die Tour erinnert uns an die Eiszapfenausfahrten mit dem Rhein-Neckar-Chapter. Je mehr wir uns dem Paso Garibaldi nähern, umso kälter wird es und die 0°C Marke ist erreicht. Dazu kommt heftiger Schneefall bei zunehmendem Wind, die Passhöhe erwartet uns schließlich mit einer geschlossenen Schneedecke. Und das kurz vor Sommerbeginn!

 

Trotz aller Widrigkeiten bahnen wir uns unseren Weg. Ein auf der Passhöhe stehender LKW-Fahrer hält die ungewöhnliche Szenerie mit seinem Fotoapparat fest. Wir sind froh, ein schönes und vor allem warmes Zimmer im Hostel La Posta beziehen zu können, wo wir unsere nassen Sachen trocknen und uns akklimatisieren können.

 

Am nächsten Tag bummeln wir durch die Stadt am Ende der Welt. Leider hat sie durch das rasante Wachstum ihren Charme verloren. Die Umgebung allerdings ist der Wahnsinn, wir sind begeistert von der Berge-Meer-Kulisse, die man heute wunderbar sehen kann!

 

Wir klatschen am „Fin del Mundo“ ab, der südlichste Punkt unserer Moped-Reise ist erreicht! Von jetzt an geht es für ca. 8 Monate nordwärts, bis wir Alaska erreichen. Das Schild im Nationalpark zeigt an, dass es nur 17.848km bis Alaska sind.. Wir sind gespannt, was unser Kilometerzähler zeigen wird.

 

Hier geht es zu den Fotos dieser Woche: Suedpatagonien und Feuerland

 

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