Alser-On-Tour

Richtung Süden

21. – 28.11.2010: Vom Nordosten Argentiniens durch die Pampa bis zur Sierra de la Ventana im Süden der Provinz Buenos Aires


Am Sonntagvormittag ist alles gepackt und wir fahren nach drei Tagen in Puerto Iguazú nun wirklich nach Süden.

 

Leider ist nach 300km für heute Schluss, da es keinen Sinn macht, im strömenden Regen weiterzufahren. Wir kehren in einer Hosteria ein, die von zwei Schweizer Auswanderern geführt wird und trocknen die nächsten Stunden uns und unsere Sachen.

 

So schnell wie die Regenfront aufzog, ist sie auch am nächsten Tag komplett weg und wir können trocken unseren Weg bis nach Azul fortsetzen.

 

Unterwegs treffen wir mitten in BFN (= Einöde) die beiden Kanadier Mark und Mike. Vater und Sohn sind auf einer sechsmonatigen Reise durch Süd- und Mittelamerika zurück nach Vancouver. Die kommenden zwei Tage fahren wir gemeinsam und übernachten einmal im Provinznest Federál sowie bei Dakar Motos in Buenos Aires.

 

In Azul angekommen, begrüßt uns unser Freund Pollo und wir genießen nach 1500km in den letzten drei Tagen die kommenden zwei fahrfreien Tage. Der Aufenthalt kommt zur rechten Zeit, denn am Donnerstag gibt es einen kleinen Regenschauer. Wie die Straßen von Azul anschließend aussahen, zeigt folgendes Video:

 

 

In einem Obst- und Gemüseladen erfährt Annaleen, dass der ehemalige Bundesliga/HSV-Profi Rodolfo Cardoso in Azul aufgewachsen ist. Wie kommt man zu einer solchen Information? In einer Kleinstadt bleibt nicht lange etwas geheim und so waren die beiden Ausländer auf den großen Motorrädern schon von vielen gesichtet worden. Als Annaleen also den kleinen Laden betritt, fragt der Besitzer, ob sie aus Deutschland sei. Ja. Aus Hamburg? Äh, ja. Anscheinend ist das die einzige Stadt, die dem Obsthändler bekannt ist, eben aufgrund der Verbindung durch Cardoso.

 

Spontan kommt es am Donnerstagabend zu einer Paella-Party. Mitten in Pollos Werkstatt zwischen Mopeds und Werkzeug steht die große Pfanne, welche von 12 Personen bei reger Diskussion in der guten Stube geleert wird. Nur 24 Stunden später kommt die ganze Meute wieder zusammen, denn jeden Freitagabend ist in der Posta „Party Time“ angesagt und es gibt Asado vom großen Grill!

 

Nach drei Tagen in Azul geht es weiter südwärts, unser nächster Stopp ist die Sierra de la Ventana. Nicht sonderlich hoch, aber dadurch dass rundherum die Pampa total flach ist, wirken auch die knapp 1000m hohen Hügel groß. Die Landschaft - nicht nur wegen des vielen Ginsters - erinnert uns an Schottland.

 

Unser kommendes großes Ziel ist die Peninsula Valdés mit ihrer vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt.

 

 

Da wir diese Woche nichts besichtigt haben oder interessante Fahrstrecken hatten, wollen wir die kleinen Dinge des Reisealltags und unsere Beobachtungen von unterwegs zum Besten geben.

 

Wäsche waschen:

Für ca. 4-5 EUR bekommt man einen Korb Kleidung in der Wäscherei gewaschen. Aber nicht nur einfach gewaschen, sondern auch ausreichend gestärkt. So kann man die Hosen anschließend auch als „Hitrabrettsche“ (für die Nicht-Rheinhessen: ein Tablett) benutzen; wir hätten am Vorabend die brettharte Hose auch als Fächer für unsere Grillkohle gut gebrauchen können.

 

Reparaturen:

An Annaleens Mopedsche fielen bereits vor der Reise (leider bemerkten wir es erst buchstäblich einen Tag vor Verschiffung) die Zusatzscheinwerfer aus. Nach zwei Wochen unterwegs funktionierte auch der elektronisch gesteuerte Kettenöler nicht mehr und an Ulis Moped gab es einen Kabelbruch an der Funkanlage. Ja ja, die Tücken der Elektronik.

In Deutschland hätte man das Ganze in die Werkstatt verfrachtet, hier jedoch kann man mit viel Zeit und Geduld an fahrfreien Tagen die Probleme selbst orten und sogar beheben.

 

Begegnungen:

Die Kommunikation ist nach wie vor etwas schwierig aufgrund unserer minimalen Sprachkenntnisse. Aber bisher haben wir uns wacker geschlagen und fast immer das bekommen, was wir wollten.

In einer Bäckerei in einem kleinen Ort fragte Uli nach einem Geldautomat, verstand aber die wortreiche Antwort der Bäckereifachverkäuferin nicht wirklich. Also wurde kurzerhand ein stummer Mitbürger, der vor der Bäckerei saß, abkommandiert, der Uli zum Geldautomat führte. Auch wenn er nicht sprechen konnte, war deutlich zu merken, wie stolz er unterwegs den anderen Menschen auf der Straße zeigte, dass er den Gringo mit dem großen Motorrad zur Bank bringen konnte.

 

Es gibt auch weniger schöne Beispiele der Sprachbarrieren, so haben wir schon einige Menschen getroffen, die sich überhaupt keine Mühe geben, dass wir ihr Spanisch verstehen können. Auch auf Nachfrage und Bitte, langsamer zu sprechen bzw. das Gesagte zu wiederholen, erfolgt das in denselben Worten im selben Tempo. Das ist wenig hilfreich.

 

Straßenverkehr:

Auch in Argentinien gibt es klare Bestimmungen zu den Verkehrsregelungen. In der Praxis scheinen diese für die meisten Verkehrsteilnehmer  lediglich Vorschläge mit freier Interpretationsmöglichkeit zu sein, denn kaum jemand hält sich an die Vorgaben. Geschwindigkeiten, rechts vor links – alles geregelt. An einer Kreuzung ohne Ampel, oder auch im Kreisverkehr, ist es aber so, dass derjenige, der zuerst da ist, zuerst fahren darf. Sehr ungewohnt, aber wenn man es erstmal weiß, kann man sich gut einfügen.

 

Auf dem Weg zu Dakar Motos war die Stadtautobahn in Buenos Aires voll gesperrt. Eine offizielle Umleitung und Verkehrsregelung durch die Polizei gab es jedoch nicht. Es gab also totales Chaos auf den parallel zur Autobahn verlaufenden Straßen. Die Fahrzeuge nutzen jeden erdenklichen Platz und so erweitert sich eine einspurige Straße mit Gegenverkehr plötzlich zu einer dreispurigen Straße – nach wie vor mit Gegenverkehr. Zusätzlich wird eine vierte Spur auf dem Seitenstreifen durch die Motorradfahrer eröffnet. Trotz dieses heillosen Durcheinanders blieb das Verkehrschaos in seiner ganzen Entfaltung sehr friedlich. Während wir uns also zwischen und an den Fahrzeugen vorbeischlängeln, gewähren uns die Autos, Busse und LKW immer wieder Platz zum Einschwenken, wenn es denn ein Fahrzeug aus dem Gegenverkehr geschafft hat, sich mal wieder ein paar Meter auf der eigenen Spur zu erkämpfen. Eine kurze Plauderei mit dem interessiert-begeisterten Autofahrer neben sich zu Herkunft, Fahrtziel und Motorradleistung und schon geht es weiter.

 

 

Hier geht es zu den Bildern dieser Woche!

 

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